Die Tiefen des Lebens finden
Myriam Brotschi Aguiar
Eine Ausstellung zum Thema Wald; spontan springen da in meinem Kopf Bilder von üppigem Grün auf, im Ohr rauscht der Wind durch die Blätter, vor meinem geistigen Auge fällt ein Sonnenstrahl auf den moosigen Untergrund. Tatsächlich aber nimmt mich die Gruppenausstellung «Im Wald» dorthin mit, wo das Filigrane eines Astes mit Kohlenstift festgehalten ist, wo die Bäume verkohlt und das Sonnenlicht fern oder ganz der Nacht gewichen ist.
Der künstlerischen Leiterin Claudine Metzger war es wichtig, verschiedene Aspekte des Waldes zu thematisieren: «Der Wald als Ort des ‹Anderen›, des Unheimlichen, der ungestörten Natur und Idylle, als Lebensraum und Wirtschaftsfaktor.» Damit öffnete sie den Raum für ein brisantes Thema und für elf verschiedene Künstlerinnen und Künstler, die mit uns ihren Blick teilen, ihre Gedanken unterbreiten, uns Geschichten erzählen und zum Nachdenken anregen. Sie erlauben mir, mich klein wie eine Elfe staunend vor einen märchenhaft schönen Fliegenpilz zu stellen, welchen Marianne Engel fotografiert hat.
Ganz anders, nämlich ertappt in meiner Wissbegier, fühle ich mich, wenn ich mich in die Werke von Julian Charrière vertiefe. In der Werkgruppe «To Observe is to Influence» verbindet Charrière Elemente aus den wissenschaftlichen Publikationen von Alfred Russell Wallace (1823−1913) mit Eindrücken von einer Reise auf die indonesische Insel Sumbawa, die er 2015 anlässlich des 200. Jahrestags des Ausbruchs des Vulkans Tambora unternahm. In seiner zweiten Arbeit «Ever Since We Crawled Out» beschäftigt er sich mit der Frage nach den Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur. Dieses Werk kommt ganz ohne laute Töne aus, aber es wirkt. Es wirkt eindringlich nach.
Für mich, die ich die Ausstellung bereits mehrere Male besucht habe, ist sie betörend schön, gleichzeitig beklemmt sie mich, wühlt mich auf, zeigt mir, wie absolut unverzichtbar dieser natürliche Raum für die menschliche Seele ist. Mit Sicherheit für meine.