Beiträge von Myriam Brotschi Aguiar

Ein Spaziergang durch die Zeit

Iris Minder hat mit «Äs eigets Völkli» ihr 10. und zugleich letztes Freilichtspiel geschrieben und inszeniert. Dabei hat sie noch einmal tief in Grenchens Historienkästchen gegriffen. zmitz-Bloggerin Myriam Brotschi Aguiar hat sich auf eine Zeitreise begeben.

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Duell «Im Wald»

Indoor einen Waldspaziergang gemacht, haben die beiden Bloggerinnen Myriam Brotschi Aguiar und Lucilia Mendes von Däniken. Sie haben die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Grenchen besucht und dabei viele Eindrücke gesammelt.

Kraftvoll und mäjestätisch

Lucilia Mendes von Däniken

Es gibt drei «Orte», die mir viel Kraft geben: Das Meer, die Berge und der Wald. Rein geografisch liegt mir der Wald am nächsten. Egal ob kurze Spaziergänge oder ein ganzer Tag im Wald – Erholung ist garantiert. Wald ist stark, Wald ist Freiheit, Wald ist Ehrfurcht und Demut.

Dem Wald ist zurzeit im Kunsthaus Grenchen eine Ausstellung gewidmet – und die Neugier lockte mich also nach Grenchen. Wie wird der Wald von Kunstschaffenden wahrgenommen, interpretiert, umgesetzt? Welches kleine Stückchen des Waldes erhält Aufmerksamkeit in Skulpturen, Installationen, in Bildern und Texten?
Soviel schon mal jetzt: Die Gruppenausstellung wurde sehr sorgfältig zusammengestellt. Die Vielfalt der gezeigten Werke hat mich überrascht und begeistert.

Im Neubau sind grossflächige Fotografien, Kohlezeichnungen und Skulpturen zu sehen. Riesige Zedern werden in feingliedrigen Details plötzlich ganz sanft, verkohltes Holz lädt zum genaueren hinschauen ein. Grosse Bilder wirken aus der Nähe ganz anders, als wenn man den Raum betritt – und geben so Platz für eigene Gedanken.

In der Villa Girard ist die Vielfalt noch grösser: Wirklich echt aussehende Pilze aus Epoxydharz strahlen die Besucher*innen an, eine Videoinstallation versetzt mich Mitten in einen Wald, Bilder von Fotofallen zeigen Tiere hautnah. Giftige Pflanzen präsentieren ihre Schoggiseite, ein «Nächtlicher Waldspaziergang» schärft nicht die Augen, sondern vor allem die Ohren. Mein persönlicher Favorit ist eigentlich simpel, fast schon langweilig – und darum wohl umso intensiver: Der junge Westschweizer Künstler Julian Charrière reiht Ausschnitte von altem Filmmaterial zusammen – und lässt so Baum um Baum umkippen. Selten ist die Fällung zu sehen, fast immer aber der Moment des Fallens. Was eigentlich ein Hinweis auf menschliche Eingriffe, sprich Rodungen ist, wirkt auf mich wie eine Hommage an die Kraft des einzelnen Baumes. Majestätisch und stolz bis zum Moment des «Todes».

Die Tiefen des Lebens finden

Myriam Brotschi Aguiar

Eine Ausstellung zum Thema Wald; spontan springen da in meinem Kopf Bilder von üppigem Grün auf, im Ohr rauscht der Wind durch die Blätter, vor meinem geistigen Auge fällt ein Sonnenstrahl auf den moosigen Untergrund. Tatsächlich aber nimmt mich die Gruppenausstellung «Im Wald» dorthin mit, wo das Filigrane eines Astes mit Kohlenstift festgehalten ist, wo die Bäume verkohlt und das Sonnenlicht fern oder ganz der Nacht gewichen ist.

Der künstlerischen Leiterin Claudine Metzger war es wichtig, verschiedene Aspekte des Waldes zu thematisieren: «Der Wald als Ort des ‹Anderen›, des Unheimlichen, der ungestörten Natur und Idylle, als Lebensraum und Wirtschaftsfaktor.» Damit öffnete sie den Raum für ein brisantes Thema und für elf verschiedene Künstlerinnen und Künstler, die mit uns ihren Blick teilen, ihre Gedanken unterbreiten, uns Geschichten erzählen und zum Nachdenken anregen. Sie erlauben mir, mich klein wie eine Elfe staunend vor einen märchenhaft schönen Fliegenpilz zu stellen, welchen Marianne Engel fotografiert hat.

Ganz anders, nämlich ertappt in meiner Wissbegier, fühle ich mich, wenn ich mich in die Werke von Julian Charrière vertiefe. In der Werkgruppe «To Observe is to Influence» verbindet Charrière Elemente aus den wissenschaftlichen Publikationen von Alfred Russell Wallace (1823−1913) mit Eindrücken von einer Reise auf die indonesische Insel Sumbawa, die er 2015  anlässlich des 200. Jahrestags des Ausbruchs des Vulkans Tambora unternahm. In seiner zweiten Arbeit «Ever Since We Crawled Out» beschäftigt er sich mit der Frage nach den Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur. Dieses Werk kommt ganz ohne laute Töne aus, aber es wirkt. Es wirkt eindringlich nach.

Für mich, die ich die Ausstellung bereits mehrere Male besucht habe,  ist sie betörend schön, gleichzeitig beklemmt sie mich, wühlt mich auf, zeigt mir, wie absolut unverzichtbar dieser natürliche Raum für die menschliche Seele ist. Mit Sicherheit für meine.

«Im Wald» – Gruppenausstellung mit Yann Amstutz, Julian Charrière, Teresa Chen, Marianne Engel, Alex Hanimann, Angela Lyn, Marcus Maeder, Luca Mengoni, Nico Müller, Felix Studinka, Esther van der Bie

Bis 15. August 2021. Aktuelles zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm finden Sie hier.

«Kampfgeschrei!»

Bloggerin Myriam Brotschi Aguiar bezeichnet sich als «Krokus-Kind» – und: Sie begegnet Crown Kocher immer mal wieder in den Gassen Solothurns. Darum packte sie die Neugier, als der Solothurner Rocker seine Autobiografie veröffentlichte. Sie las das Buch – mit gemischten Gefühlen.

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Weinen und weitermachen

Kultur heisst machen, kreieren, üben, üben, üben, mit sich ringen, weitermachen, auch wenn’s hart ist. Kultur verbindet sich aber auch mit «sich offenbaren», mit sich zeigen, mit vorwärtskommen, mit Kritik von aussen – wie auch immer sie ausfallen mag – euphorisierend oder ernüchternd. Ja, wer kulturschaffend ist, will wahrgenommen werden. Man tut es, um das Leuchten in den Augen des Publikums zu sehen, um im Applaus zu baden oder einfach, um freudig den einen oder die andere zu entdecken, der einen gut findet. So wie ich. Ich habe die letzten drei Jahre viele Stunden, Schweiss und Blut in meinen Erstlingsroman gesteckt und will ihn endlich gedruckt in den Händen einer geneigten Leserin sehen.

Der Plan zu Anfang des Jahres war, dass meine Agentin ihn an der Buchmesse Leipzig vorstellen würde. Dies in der mikroskopisch kleinen Hoffnung, einen Verlag zu finden, offene Fragen zu klären (Pseudonym ja oder nein?) und die weiteren Schritte zu definieren. Aber: Das Gespenst Corona begann sich aufzublähen, die Messe wurde abgeblasen, die Agentin zurückgepfiffen. Ich habe mich getröstet mit dem Gedanken, dass ich ja noch nicht ganz fertig sei und dass ich die Zeit nutzen wolle. Zum Überarbeiten. Um an meinem Image zu feilen, am Auftritt zu basteln. Diese Zeit wurde mir geschenkt, der Roman ist seit August fertig, aber der Buchmarkt zeigt sich geschwächt. Noch immer. Oder schon wieder. Auch die anderen kulturellen Sparten krümmen sich wieder vor Schmerz, nach der Euphorie jäh gebremst und in die Knie gezwungen von diesem kleinen fiesen Teil, das nicht ruhen wird, bis es keinen Wirt mehr findet.

Und deshalb weine ich heute Sonntagmorgen um all die Kultur, die wieder weiter von uns wegrückt und betrauere all jene, die sich der Kultur widmen wollen und gerade nicht dürfen.
Seid umarmt, ihr, die ihr Kultur macht, die ihr Kultur vermittelt, die ihr Kultur als Nahrung für die Seele betrachtet. Gebt nicht auf. Trocknet eure Tränen. Tragt eure Masken. Wartet weiter und affirmiert eure Ziele. Vergesst nicht: Corona kann vieles, aber es soll ihm nicht gelingen, uns den Glauben an die heilende Kraft der Kultur zu nehmen und die Freude am künstlerischen Schaffen zu rauben.