von Gianni Leardini | 8. Oktober 2026 | Ausstellung, Bildende Kunst, Gesellschaft, Kunst
Seit kurzem steht eine Eisenplastik von Schang Hutter in der Apart-Galerie in Solothurn. Der Galerist und Kunstsammler Markus Däppen erklärt, wie er das Werk von Berlin nach Solothurn geholt hat, warum es sich um eine Rückkehr handelt und was es mit der kryptischen Botschaft des Künstlers zu seiner Skulptur auf sich hat: «Mit abgefallenen Armen kann ich nicht arbeiten».
Markus Däppen ist nicht nur ein Galerist – er betreibt in Solothurn die apart-Galerie – sondern auch privat ein leidenschaftlicher Kunstsammler. So stöbert er unter anderem auch das www regelmässig nach Kunstobjekten durch, man weiss ja nie, ob sich da was Interessantes findet. Und tatsächlich, da tauchte doch unlängst eine schöne Eisenplastik von Schang Hutter in Berlin auf, und erst noch zu einem vernünftigen Preis zu erwerben. «Ich überlegte nicht lange, machte bei der Online-Auktion mit und bekam den Zuschlag», so Däppen.
«Nur 60 Kilo kamen mir schon etwas komisch vor…»
Doch wie sollte das Werk nach Solothurn kommen? Zuerst holte Däppen eine Offerte bei einem Transportunternehmen ein. «Das wäre aber teurer gekommen als der Kaufpreis.». Deshalb beschloss er kurzerhand, den «Hutter» mit einem Freund mit dem Auto persönlich in Berlin abzuholen; bei einer ca. 1,50 Meter hohen Skulptur schien das kein Problem – «wobei mir das Gewicht von 60 Kilo, das ihm der Verkäufer angab, schon etwas komisch vorkam». Vor Ort stellte sich dann heraus, dass die Plastik – weil eben nicht aus Plastik, sondern aus Gusseisen – fast 180 Kilo schwer war und unmöglich von zwei Männern in ein Auto gehievt werden konnte. Glücklicherweise konnte jemand einen kleinen Gabelstapler auftreiben und der Eisen-«Hutter» passte fast millimetergenau ins Auto. Beim Ausladen in der Schweiz dann noch einmal die gleiche Übung, bis die Skulptur endlich im Eingangsbereich der apart-Galerie sein definitives Ruheplätzchen bekam. «Für die oberen Stockwerke des Altbaus wäre sie definitiv zu schwer gewesen», meint Markus Däppen.
«Mit abgefallenen Armen kann ich nicht arbeiten»
Die mit der Skulptur mitgelieferten Dokumente sowie weiteren Recherchen von Markus Däppen haben Interessantes hervorgebracht: Es handelt sich um ein Selbstporträt von Schang Hutter, von dem es nur drei Exemplare gibt; das aus Berlin ist die Nummer 1/3. Hutter hat sein Werk zudem mit einer kryptischen Botschaft versehen: «Mit abgefallenen Armen kann ich nicht arbeiten». Die Erklärung: Die Skulptur entstand in der Zeit, als Schang Hutter die Klosterkirche St. Joseph – heute das Haus der Kunst St. Josef – nicht nur mitgestaltete, sondern auch als Atelier nutzte. Gemäss einigen Quellen kam es wegen des Ateliers zu einem Streit zwischen Hutter und den Behörden, worauf der Künstler Solothurn 1982 in Richtung Hamburg und Berlin verliess. Und die hängenden Arme der Skulptur, die Markus Däppen nun wieder nach Solothurn geholt hat, seien der Ausdruck der grossen Enttäuschung des Künstlers gegenüber der Stadt. Se non è vero, è ben trovato … das Wichtigste ist eh: In Solothurn gibt’s einen «Hutter» mehr zu bestaunen.
Webseite Apart-Galerie: apart Galerie | Impressionen die beeindrucken.
von Gianni Leardini | 1. Oktober 2026 | Events, Gesellschaft, Literatur
In diesen Tagen erscheint «Annette sagt», der neuste Roman des Solothurner Schriftstellers Franco Supino. Spoilern verdirbt den Spass und ist nicht unser Ding – nur so viel: Die Lektüre ist kurzweilig, vielschichtig und anregend. Statt eines klassischen Interviews haben wir den Autoren mit Zitaten aus dem Buch konfrontiert, an denen wir beim Lesen hängengeblieben sind. Hier seine Gedanken dazu mit dem Ziel, einen Einblick in Annettes Welt zu gewähren, ohne zu viel zu verraten.
Zitat: «Wenn wir erzählen, beschreiben wir die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie sie uns vorkommt; das gilt natürlich genauso für die Literatur; sie beschreibt die Welt nicht, wie sie ist – das ist ihre Schwäche und ihre größte Stärke zugleich, indem sie zuweilen jene Räume öffnet, die diese Welt erst bewohnbar machen für die ungewisse Dauer eines Lebens. Ruth Schweikert, Tage wie Hunde.»
Franco Supino: «Dieses schöne Zitat der leider viel zu früh verstorbenen wunderbaren Autorin und Freundin Ruth Schweikert habe ich als Motto für meinen Roman gewählt. Es steckt wunderbar Raum und Geist des Textes ab.»
Zitat: «Mir geht es gut, ja, sagt Annette, unverschämt gut. Viel leicht müsste ich sogar sagen: erschreckend gut.»
Franco Supino: «Ich wollte die Leserinnen und Leser ganz am Anfang darauf vorbereiten, dass es ein Happy End gibt. Ist ungewöhnlich bei einem Roman von mir»
Zitat: «Der Vater hatte sich einen Jungen gewünscht, bei Annette, der Erstgeborenen, am sehnlichsten… also beschloss der Vater, Annette sei ein Junge.»
Franco Supino: Der Vater erzieht Annette zu Robustheit und zu Kompetitivität… (siehe nächstes Zitat)
Zitat: «Eine Frau ist ein Ding, sagt Annette.»
Franco Supino: … das man (= Mann) benutzt, muss sie als 20 jährige erleben. Die Männer sehen, sagt Annette, in einem Frauenkörper nur Formen, nie die Energie, die in ihm steckt.
Zitat: «Es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen, sagt Annette.»
Franco Supino: Im Grossen und Ganzen spricht vieles gegen das Leben, im Kleinen und Momentanen liegt das Glück. Ist eine Zuckersäckchen-Weisheit, ich weiss.
«Lesen als sinnbildliche Tätigkeit der Emanzipation»
Zitat: «Mir ging es um Selbstständigkeit, sagt Annette, und darum, möglichst schnell von zu Hause wegzukommen.»
Franco Supino: Ihr bäuerisches Umfeld engt Annette ein, sie will wegkommen und glaubt an Bildung, als ihre Aufstiegs- und Ausstiegschance.
Zitat: «Und so las sie und las sie – Literatur, die ihre ehemaligen Klassenkameraden im Gymnasium zu lesen vorgesetzt bekamen, und alles, was ihr sonst in die Hände fiel: Romane, sehr gerne auch Gedichte, vor allem von Frauen.»
Franco Supino: Lesen als sinnbildliche Tätigkeit der Emanzipation. Annette glaubt daran – zumindest als sie in der Lehre ist bei der Firma Schildknecht Zäune AG.
Zitat: «Arroganz ist nicht Selbstbewusstsein, und im eigenen Saft zu schmoren, bringt dich nicht weiter.»
Franco Supino: Annette verlässt das Gymnasium, freiwillig, ein grosser Fehler, wie sie im Nachhinein feststellt. Das wäre einem Kind aus einer bildungsnahen Familie nicht geschehen.
Zitat: «Nein, ich bin kein Kommunist wie ihr, ich mag die Menschen.»
Franco Supino: Peter Bichsel hat einen Kurzauftritt im Roman (ohne dass er namentlich erwähnt wird). Einer dieser Sätze, die er so dahinsagen konnte, wenn er am selben Tisch in der Beiz sass.
Zitat: «Auch wenn im Namen der Genossenschaftsbeiz weiter der Vermerk selbstverwaltet seit 1973 steht, ist sie heute, glücklicherweise, ein Restaurant wie jedes andere.»
Franco Supino: Das Genossenschaftsbeiz wollte der Hort der gelebten Utopie sein. Dieser Spagat ist sehr anstrengend in einer Kleinstadt, deren Leitspruch lautet: «Es isch immer eso gsy».
Zitat: «Die Italiener hatten Boccia-Kugeln und Rotwein, die Alternativen Haschisch und ein Transistorradio.»
Franco Supino: Die Ausländer und die progressiven Jugendlichen bildeten in den 70er Jahren ein ungleiches Gespann, das auf gegenseitigen Missverständnissen und Idealisierungen beruhte.
«Wie kann eine Bauerntochter aus dem Gäu „Annette“ heissen?»
Zitat: «Ich war überzeugt, dass es keinen Besseren für mich gab, ich war absolut überzeugt von dieser Idee, und diese Idee, sagt Annette, bedeutete absolute Liebe, absolute Begeisterung.»
Franco Supino: Die Kurzversion: Annette ist in Concetto verliebt.
Zitat: «Ich war stolz auf meine Namensgeberin: Annette von Aretin, ausgebildete Journalistin, adliger Abstammung, über das Quiz hinaus berühmte Fernsehansagerin der ARD.»
Franco Supino: Wie kann eine Bauerntochter aus dem Gäu «Annette» heissen? Das Geheimnis um ihren Namen wird gelüftet, aber es ist nicht, wie man ihr lange glauben machen wollte, wegen der Quizsendung «Was bin ich?».
Zitat: «Vielleicht hatte Concetto recht, wenn er behauptete, alle Menschen würden sich alles selber beibringen, die Schule sei nur erfunden worden, damit die, die nichts können, wenigstens ein Diplom vorzuweisen haben.»
Franco Supino: Concetto ist 100% Autodidakt – um etwas zu lernen, braucht es keine Schulen
Zitat: «Warum waren viele dieser Kinder zufrieden und ich nicht?»
Franco Supino: Annette ist Heilpädagogin und fragt sich, was der Unterschied zwischen ihr und ihren Schülerinnen und Schülern ist.
Zitat: «Die Frage ist doch, sagt Annette, was wir von unserem Partner, unserer Partnerin erwarten. Übereinstimmung?»
Franco Supino: Annette und Concetto – ein ungleiches Paar – aber doch ein glückliches?
Zitat: «Autonom wird man nicht dadurch, dass man machen kann, was man will. Autonom wird man durch Widerstand, durch Befreiung.‹ Das haben Sie doch gesagt?« … »Was ich Sie fragen wollte, Herr Professor: Glauben Sie, dass das auch für Menschen mit einer geistigen Behinderung gilt?»
Franco Supino: Annette begegnet an der Uni einem Professor, der ihr – scheinbar? – die Augen öffnet.
Zitat: «Erinnerst du dich, Annette, an die Aussage von Blumenberg: Bildung ist nicht ein Arsenal, Bildung ist ein Horizont?»
Franco Supino: Was ist Bildung? Das, was dich für eine Reise fit macht – nicht das, was du in deinem Rucksack hast.
Zitat: «Kreuze nie die Spur deines Lebens.»
Franco Supino: Ein Sprichwort der Inuit. Es geht eigentlich um Robbenjagd.
Zitat: «Ich habe sie lange verteidigt, sagt Annette, weil ich weiß, dass Frauen schnell als arrogant etikettiert werden, wenn sie nicht kuschen, nicht zur Kumpanei neigen oder wenn sie eine gesunde Portion Ehrgeiz zeigen.»
Franco Supino: Annette kämpft gegen die Mühlen der Bildungsbürokratie. Amanda ist ihre Gegenspielerin auf dem Bildungsdepartement. Es wird eine spannende Auseinandersetzung.
Zitat: «Denkst du manchmal auch: Wenn ich zurückkönnte … Wenn ich wieder jünger wäre … Wenn ich damals mutiger gewesen wäre …« Nein, antwortete Annette, das mache sie nie. Sie würde lieber nach vorne schauen.»
Franco Supino: François! Ihr ewiger Chef… Er hat viele Schwächen, eine, nicht mal die Schlimmste, zeigt sich in dieser Szene: Sentimentalität…
Zitat: «“Warum haben sie nicht dich gefragt?“ „Weil sie lieber einen Mann, der schlecht arbeitet, wegbefördern, als eine fähige Frau Karriere machen zu lassen“, antwortete Erika verbittert.»
Franco Supino: Ich höre das von und sehe das in vielen Betrieben, Behörden, Institutionen: Warum steigen die grössten Flaschen auf und machen Karriere, während die, die wirklich etwas können, auf der Strecke bleiben?
Zitat: «Warum, sagt Annette, bleiben uns die Erschütterungen und Verletzungen mehr in Erinnerung als die schönen Momente?»
Franco Supino: Weil Glück selbstverständlich ist, während Unglück eine Ursache haben muss.
Zitat: «Heilpädagogik hat ein Mandat. Dieses Mandat ist – in Praxis und Theorie – die Frage nach dem Sein eines Menschen, den wir als behindert und in der Folge oft als hinder lich empfinden. Es ist die Frage nach unserem gemeinsamen Dasein und die Frage nach dem, was wir füreinander sein können.»
Franco Supino: Das ist ein Zitat von Emil E. Kobi, einem der wichtigsten Schweizer Heilpädagogen – seine Schriften sind eine pädagogische Denkschule.
«Nichts lügt so gut wie Geschichten.»
Zitat: «Ich hatte unterschätzt, was das Ende des Berufslebens mit einem macht, oder genauer: Ich hatte mich überschätzt, sagt Annette.»
Franco Supino: Sind wir bereit für Veränderungen im Leben? Oder meinen wir es nur?
Zitat: «In China, sagt Annette, weiß man, dass die Zukunft hinter uns liegt, wir sehen sie nicht. Was vor uns liegt, was wir sehen, ist die Vergangenheit.»
Franco Supino: Was wir erkennen, verbinden wir mit unserer Biographie, also mit der Vergangenheit. Erzählen ist der typische Vorgang, der sich daraus ergibt. Nichts lügt so gut wie Geschichten.
Zitat: «Nachholen? Man kann in unserm Alter nichts nachholen, sagt Annette, man wird höchstens von seiner Geschichte eingeholt.»
Franco Supino: Annette hat das Angebot, in eine pulsierende Grossstadt zu ziehen – sie ist skeptisch.
Zitat: «Jeder Mensch fühle sich zu etwas berufen, ganz egal, ob die Umstände es zuließen, daraus einen Beruf zu machen.»
Franco Supino: Amerikanischer Optimismus – Annette ist ziemlich überrumpelt.
Zitat: «Mein fixer Gedanke in dieser unruhigen Nacht: Harald ist ein attraktiver Millionär und ich eine verschrumpelte verarmte Rentnerin. Das geht nie im Leben zusammen.»
Franco Supino: Annette kommt sich vor wie in einer Komödie: Ich habe mir einen Millionär geangelt – will jemand wissen, wie das geht?
Zitat: «Wenn ich etwas von der Schule ins tägliche Leben gerettet habe, dann ist es der Wert der Rituale. Mut zur Routine war die Losung gewesen, um als Lehrerin zu bestehen.»
Franco Supino: Mut zur Routine – diesen Spruch habe stammt von Adolf Gut – alt Rektor des Kindergärtnerinneseminars Solothurn. Woher er ihn hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
«Glück hingegen ist langweilig…»
Zitat: «Geld, das sind nicht die Münzen oder die Noten in unserem Portemonnaie, Geld definiert die Art und Weise, wie eine Gesellschaft funktioniert.»
Franco Supino: Ökonomie ist wie höhere Mathematik: Niemand versteht sie, aber sie funktioniert. Meistens.
Zitat: «Man sagt ja, man brauche jemanden zum Reden, wenn es einem schlecht geht, um das Schwere loszuwerden, während man im Glück nur schwebe und genieße. Das stimmt nicht, sagt Annette. Für Kummer bin ich gut gerüstet, ich erwarte nichts anderes. Aber das Glück wahrnehmen, wenn es da ist?»
Franco Supino: Es ist spannender, sich mit Schreckensszenarien auseinanderzusetzen. Die Tragödie fordert unseren Geist und unsere Tatkraft. Glück hingegen ist langweilig – deshalb sagt der Philosoph Arthur Schopenhauer, Glück sei ein negativer Zustand.
Zitat: «Und jetzt lass uns rausgehen, egal, was für Wetter ist, sagt Annette.»
Franco Supino: … zu den zweitglücklichsten Menschen auf der Erde. Sie können Annette vielleicht beibringen, wie man mit Glück lebt?


von Gianni Leardini | 20. September 2026 | Events, Gesellschaft, Gesprochenes Wort, Musik
Foto © Simon von Gunten.
Am Samstag, 26. September 2026, findet im Alten Spital Solothurn das interkulturelle SPAZIO-Fest statt. Im Gespräch mit Zmitz erklärt Patrizia Lehmann, neue Betriebsleiterin der Institution, was die Teilnehmenden am Fest erwartet, welche Schwerpunkte das Alte Spital setzen will und welches ihre ersten Erfahrungen seit ihrem Start im Mai 2026 waren – und: Sie kündigt an, dass das «Restaurant Altes Spital», das in den letzten Jahren jeweils nur im Sommer in Betrieb war, am 5. November 2026 wieder ganzjährig seine Türen öffnen wird.
Ist das SPAZIO-Fest vom 26. September 2026 ein neues Format im Angebot des Alten Spitals?
Ganz neu ist die Idee eines interkulturellen Festes im Alten Spital nicht. Früher gab es das Ausländerfest, später das Freundschaftsfest. Danach fand lange kein vergleichbarer Anlass mehr statt. Mit dem SPAZIO-Fest knüpfen wir an diese Tradition an und interpretieren sie neu. Im Zentrum steht die Vielseitigkeit unserer Region: Unterschiedliche Menschen, Kulturen, Sprachen, Geschichten und Perspektiven kommen zusammen. Das Fest richtet sich ausdrücklich an alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur.
Wie ist das SPAZIO-Fest entstanden? Und was erwartet die Besuchenden?
Das Fest wurde von unserem Integrationsteam gemeinsam mit verschiedenen Communities entwickelt. Das ist uns wichtig: Wir wollen nicht nur ein Programm für Menschen gestalten, sondern gemeinsam mit ihnen. Das SPAZIO-Fest verbindet Wissen, Austausch, Kulinarik und Musik. Ab 16.30 Uhr sind die Bar und eine Earth-Radio-Installation geöffnet. Um 17 Uhr spricht Atina Tabé zum Thema «Rassismus & Heimat». Anschliessend findet eine von Maryam Sediqi von AWAS moderierte Podiumsdiskussion statt. Ab 18 Uhr laden Spezialitäten aus Afghanistan, Marokko und Spanien zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Ab 19 Uhr folgen Konzerte von Maqsood Sadid und Hafi z Hamnawa mit afghanischer Musik sowie von Hermanos Perdidos mit World-, Latin- und Punk-Klängen.
Und das Ganze ist gratis?
Genau, der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir wünschen uns einen unkomplizierten Begegnungsabend, an dem man Neues entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und die kulturelle Vielfalt der Region Solothurn gemeinsam feiern kann.
«Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.»
Verstärkt ihr allgemein euer Engagement im Bereich Integration und Migration?
Integration gehört bereits seit Langem zu den wichtigen Aufgaben des Alten Spitals. Wir führen im Auftrag der Stadt Solothurn die Fachstelle Integration und sind damit für die operative Integrationsarbeit der Stadt zuständig. Es handelt sich also nicht um ein neues Engagement, wir möchten diese Arbeit und ihre Wirkung künftig aber stärker sichtbar machen.
Was heisst das konkret?
Die Fachstelle entwickelt soziokulturelle Angebote, Projekte und Veranstaltungen, die Begegnungen ermöglichen und Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander vernetzen. Sie begleitet Migrantinnen und Migranten in ihren Anliegen, schafft Räume für Empowerment und fördert zivilgesellschaftliches Engagement. Gleichzeitig arbeitet sie eng mit anderen Organisationen zusammen und engagiert sich in verschiedenen Netzwerken.
Mit Formaten wie dem SPAZIO-Fest wird diese Arbeit für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar. Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.
«Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum.»
Wo setzt ihr eure weiteren Schwerpunkte – auch angesichts der knappen finanziellen Mittel?
Gerade bei knappen Mitteln müssen wir unsere Kräfte gezielt einsetzen. Unser Schwerpunkt liegt deshalb zunächst darauf, die bestehenden Angebote zu stärken, besser miteinander zu verbinden und ihre Wirkung sichtbarer zu machen.
Das Alte Spital vereint Soziokultur, Kultur, Gastronomie, Seminare, Vermietungen sowie verschiedene Freizeit- und Begegnungsangebote. Wichtig ist mir dabei: Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum. Gerade in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit arbeiten wir im Auftrag verschiedener Gemeinden in der ganzen Region. Unsere Mitarbeitenden sind dort präsent, wo die Kinder und Jugendlichen leben und ihre Freizeit verbringen. Das Alte Spital bildet in diesen Fällen die organisatorische und fachliche Basis, die konkrete Arbeit geschieht jedoch vor Ort in den Gemeinden.
Ihr seid sehr vielseitig tätig…
Diese Vielseitigkeit ist eine grosse Stärke, bringt aber auch eine gewisse Komplexität mit sich. Ich sehe viel Potenzial darin, die einzelnen Bereiche noch stärker als Teil eines gemeinsamen Ganzen zu verstehen – ohne ihre unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsweisen aus den Augen zu verlieren. Wir müssen nicht überall etwas Neues erfinden. Oft liegt der grösste Gewinn darin, Bestehendes weiterzuentwickeln, Synergien zu nutzen und mit Gemeinden, Institutionen, Vereinen und weiteren Partnerinnen und Partnern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig müssen wir unsere betrieblichen Grundlagen stärken, damit möglichst viele Ressourcen direkt in unsere Angebote und deren Wirkung fliessen können.
«Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen.»
Was ist eigentlich mit dem Restaurant im Alten Spital? Das ist ja ebenfalls ein Begegnungsort, war aber in den vergangenen Jahren immer nur im Sommer geöffnet.
Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen. Es wird jeweils von Donnerstag bis Samstag am Abend offen sein. Damit möchten wir das Alte Spital auch in der kälteren Jahreszeit stärker beleben. Unser Haus soll nicht nur bei Veranstaltungen oder im Sommergarten ein Treffpunkt sein, sondern auch im Winter ein Ort, an dem man sich begegnet, gemeinsam isst und einen schönen Abend verbringt.
Wie sieht das Konzept für das Restaurant aus?
Das Konzept ist bewusst klein und fokussiert: wenige Gerichte, hochwertige Produkte und eine sorgfältige Zubereitung. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Edelstücke vom Rind, ergänzt durch ein eigenständiges vegetarisches Hauptgericht. Mit 35 Plätzen bleibt das Restaurant persönlich und überschaubar. Auch der Name «Restaurant Altes Spital» ist bewusst einfach gehalten. Er schafft eine klare Verbindung zum Haus und lässt gleichzeitig Raum für die weitere Entwicklung.
«Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.»
Du bist erst seit einigen Monaten Betriebsleiterin des Alten Spitals. Wann genau hast du begonnen, und wie wurdest du aufgenommen?
Ich habe die Betriebsleitung am 1. Mai 2026 übernommen und wurde sehr herzlich aufgenommen. In den ersten Wochen war es mir wichtig, vor allem zuzuhören, die Mitarbeitenden kennenzulernen und die verschiedenen Bereiche und Aufgaben zu verstehen. Besonders beeindruckt haben mich die Vielseitigkeit des Alten Spitals und das grosse Engagement der Mitarbeitenden. Unter dem Dach unserer Organisation finden Kinder- und Jugendarbeit, Integration, Quartierarbeit, Kultur, Gastronomie, Seminare und zahlreiche weitere Aktivitäten statt. Ein Teil davon spielt sich im Alten Spital selbst ab, andere Angebote wirken weit über das Haus hinaus. Besonders unsere soziokulturellen Mitarbeitenden sind in verschiedenen Gemeinden der Region direkt vor Ort tätig. Diese Vielfalt macht die Organisation lebendig und einzigartig. Gleichzeitig ist der Betrieb dadurch anspruchsvoll. Gerade darin sehe ich aber ein grosses Potenzial: Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.
Du warst bisher im Kommunikationsbereich tätig. War der Wechsel in eine neue Welt schwierig?
Für mich ist es weniger ein Wechsel in eine völlig neue Welt als eine Erweiterung meiner bisherigen Tätigkeit. Ich war bereits um 2008 Geschäftsführerin einer Online-Agentur in Zürich. Ich weiss deshalb, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen, Verantwortung für Mitarbeitende und Finanzen zu übernehmen und unterschiedliche betriebliche Anforderungen zusammenzubringen.
Auch in meiner späteren Arbeit in Kommunikation und Marketing ging es nie nur um Texte oder einzelne Kommunikationsmassnahmen. Ich habe Unternehmen und Organisationen begleitet, Projekte koordiniert, unterschiedliche Anspruchsgruppen zusammengebracht und mich intensiv mit Strukturen, Angeboten und strategischen Fragen auseinandergesetzt.
Was kannst du von deinen bisherigen beruflichen Erfahrungen einbringen?
Diese Erfahrungen helfen mir heute sehr. Kommunikation bedeutet für mich auch, gut zuzuhören, Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und gemeinsame Ziele verständlich zu machen. Dazu kommen meine Erfahrungen in Organisation, Projektarbeit und Führung.
Natürlich gibt es neue Themen, in die ich mich vertiefen muss. Aber genau das finde ich spannend. Das Alte Spital verbindet vieles, was mich interessiert: gesellschaftliches Engagement, Kultur, Begegnung, Gastronomie, Organisation und Kommunikation.
«Unsere Arbeit steht für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.»
Zum Schluss: Welche Botschaft im Zusammenhang mit dem Alten Spital Solothurn ist dir besonders wichtig?
Das Alte Spital ist weit mehr als ein Veranstaltungsort oder ein Gebäude mit verschiedenen Angeboten. Es ist eine vielseitige Organisation, die Menschen innerhalb und ausserhalb des Hauses erreicht: Kinder und Jugendliche, Kulturschaffende, Vereine, Unternehmen, Menschen aus verschiedenen Ländern und Generationen sowie Gäste aus Solothurn und der ganzen Region.
Einige Begegnungen finden bei uns im Haus statt, andere direkt in den Gemeinden. Entscheidend ist nicht, dass dabei immer das Alte Spital im Zentrum steht. Entscheidend ist die Wirkung: Menschen zusammenzubringen, Teilhabe zu ermöglichen und Räume für Ideen, Austausch und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Diese Vielseitigkeit möchten wir bewahren und gleichzeitig weiterentwickeln. Das SPAZIO-Fest bringt sehr schön auf den Punkt, wofür unsere Arbeit stehen kann: für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.
