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«Menschen, lest mehr Bücher!»

Das Buchfestival Olten feiert Jubiläum: Von Freitag, 30. Oktober, bis Sonntag, 1. November 2026, geht die 10. Ausgabe über die Bühne. Grund genug für ein Gespräch mit Christian Meyer, Mitinhaber der Oltner Buchhandlung Klosterplatz und Mitorganisator des Buchfestivals. Er erklärt unter anderem, was das Festival ausmacht, wie es sich in den Jahren verändert hat und was die Besucher:innen erwartet.

Das Buchfestival Olten findet zum 10. Mal statt. Was hat sich in diesen Jahren verändert?
Die grössten Veränderungen sind einerseits der Ort, wo die Hauptanlässe stattfinden: von sehr gross zu etwas kleiner, vom Stadttheater zu einem Kulturzentrum, zu einem Kino; und andererseits das Angebot: von vorwiegend Buchpräsentation mit noch etwas Lesungen und Anlässen, hin zu Lesungen und Anlässe mit noch Buchverkauf.

Was ist in einem Satz die „Philosophie“ eures Festivals?
Das Buch in möglichst vielen Facetten zu zeigen oder wie wir es sagen: vielseitig zu sein.

Was unterscheidet eures von anderen Buch- und Literaturfestivals?
Bestimmt die Vielseitigkeit und natürlich Olten als Ort, aber sonst suchen wir eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

«Jeder Anlass hilft, dem Buch Sichtbarkeit zu schenken.»

Braucht es neben den Solothurner Literaturtagen ein weiteres Festival in so einem kleinen Kanton?
Es braucht alle Anlässe, bei denen es um Kultur und speziell um Literatur geht. Jeder Anlass hilft, dem Buch Sichtbarkeit zu schenken. Wir leben zudem in einer Zeit, wo es bitter nötig ist, auf Bücher, Autorinnen und Autoren und ihre wichtige Stimme hinzuweisen. Wir verstehen uns nicht in Konkurrenz zu den Literaturtagen, das wäre auch sehr vermessen, sondern als kleinen Nebenast des grossen Baumes.

Habt ihr euch dieses Jahr für die 10. Ausgabe etwas Spezielles ausgedacht?
Die Jubiläumsausgabe steht unter dem Thema „Lesen und Genuss“. Das Spezielle daran ist, dass es neben Büchern auch noch kleine Degustationen von z.B. Schokolade, Wein oder Käse gibt, oder ein Mittelalter-Menue passend zum neuen Buch von Rebekka Salm «Metzina».

Welches sind die speziellen Highlights?
Diese Frage ist für mich immer sehr schwierig zu beantworten, weil es aus meiner Sicht natürlich nur Highlights gibt … aber klar: der Müsterli-Abend mit seinem wunderbaren Angebot, die Dreitannenbuchpreis-Verleihung mit einmaligen Schriftstellerinnen und das Gespräch zwischen Alex Capus und Rebekka Salm sind bestimmt Glanzpunkte, die hervorstechen.

«Wir sind eine bunte Truppe mit sehr viel Kreativität und Ideen.»

Für ein Buchfestival braucht es finanzielle und personelle Ressourcen: Wie seid ihr organisiert und wie finanziert ihr euch?
Grundsätzlich als Verein und sonst leicht chaotisch – es hat keinen Wert, dies zu verschweigen. Für die Finanzierung dürfen wir, Gottseidank, auf vielerlei Unterstützung zählen: Kanton, Stadt, Stiftungen, Spenden, Einnahmen. Aber selbst mit alle dem: Die Ehrenamtlichkeit macht, so denke ich, den grössten Teil aus.

Wie seht ihr eure Zukunft?
Wir sind eine bunte Truppe mit sehr viel Kreativität und Ideen. Die Zukunft entsteht jeweils immer gerade vorzu und daher sind wir selber sehr gespannt, was daraus wird.

Was wollt ihr uns zum Schluss noch mitgeben?
Menschen, lest mehr Bücher! Und tauscht euch darüber aus. Und liebt einander.

Informationen:

«Das Happy End ist ungewöhnlich für einen Roman von mir»

In diesen Tagen erscheint «Annette sagt», der neuste Roman des Solothurner Schriftstellers Franco Supino. Spoilern verdirbt den Spass und ist nicht unser Ding – nur so viel: Die Lektüre ist kurzweilig, vielschichtig und anregend. Statt eines klassischen Interviews haben wir den Autoren mit Zitaten aus dem Buch konfrontiert, an denen wir beim Lesen hängengeblieben sind. Hier seine Gedanken dazu mit dem Ziel, einen Einblick in Annettes Welt zu gewähren, ohne zu viel zu verraten.

Zitat: «Wenn wir erzählen, beschreiben wir die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie sie uns vorkommt; das gilt natürlich genauso für die Literatur; sie beschreibt die Welt nicht, wie sie ist – das ist ihre Schwäche und ihre größte Stärke zugleich, indem sie zuweilen jene Räume öffnet, die diese Welt erst bewohnbar machen für die ungewisse Dauer eines Lebens. Ruth Schweikert, Tage wie Hunde.»
Franco Supino: «Dieses schöne Zitat der leider viel zu früh verstorbenen wunderbaren Autorin und Freundin Ruth Schweikert habe ich als Motto für meinen Roman gewählt. Es steckt wunderbar Raum und Geist des Textes ab.»

Zitat: «Mir geht es gut, ja, sagt Annette, unverschämt gut. Viel leicht müsste ich sogar sagen: erschreckend gut.»
Franco Supino: «Ich wollte die Leserinnen und Leser ganz am Anfang darauf vorbereiten, dass es ein Happy End gibt. Ist ungewöhnlich bei einem Roman von mir»

Zitat: «Der Vater hatte sich einen Jungen gewünscht, bei Annette, der Erstgeborenen, am sehnlichsten… also beschloss der Vater, Annette sei ein Junge.»
Franco Supino: Der Vater erzieht Annette zu Robustheit und zu Kompetitivität… (siehe nächstes Zitat)

Zitat: «Eine Frau ist ein Ding, sagt Annette.»
Franco Supino: … das man (= Mann) benutzt, muss sie als 20 jährige erleben. Die Männer sehen, sagt Annette, in einem Frauenkörper nur Formen, nie die Energie, die in ihm steckt.

Zitat: «Es sind die kleinen Dinge, die das Leben schön machen, sagt Annette.»
Franco Supino:  Im Grossen und Ganzen spricht vieles gegen das Leben, im Kleinen und Momentanen liegt das Glück. Ist eine Zuckersäckchen-Weisheit, ich weiss.

«Lesen als sinnbildliche Tätigkeit der Emanzipation»

Zitat: «Mir ging es um Selbstständigkeit, sagt Annette, und darum, möglichst schnell von zu Hause wegzukommen.»
Franco Supino: Ihr bäuerisches Umfeld engt Annette ein, sie will wegkommen und glaubt an Bildung, als ihre Aufstiegs- und Ausstiegschance.

Zitat: «Und so las sie und las sie – Literatur, die ihre ehemaligen Klassenkameraden im Gymnasium zu lesen vorgesetzt bekamen, und alles, was ihr sonst in die Hände fiel: Romane, sehr gerne auch Gedichte, vor allem von Frauen.»
Franco Supino: Lesen als sinnbildliche Tätigkeit der Emanzipation. Annette glaubt daran – zumindest als sie in der Lehre ist bei der Firma Schildknecht Zäune AG.

Zitat: «Arroganz ist nicht Selbstbewusstsein, und im eigenen Saft zu schmoren, bringt dich nicht weiter.»
Franco Supino: Annette verlässt das Gymnasium, freiwillig, ein grosser Fehler, wie sie im Nachhinein feststellt. Das wäre einem Kind aus einer bildungsnahen Familie nicht geschehen.

Zitat: «Nein, ich bin kein Kommunist wie ihr, ich mag die Menschen.»
Franco Supino: Peter Bichsel hat einen Kurzauftritt im Roman (ohne dass er namentlich erwähnt wird). Einer dieser Sätze, die er so dahinsagen konnte, wenn er am selben Tisch in der Beiz sass.

Zitat: «Auch wenn im Namen der Genossenschaftsbeiz weiter der Vermerk selbstverwaltet seit 1973 steht, ist sie heute, glücklicherweise, ein Restaurant wie jedes andere.»
Franco Supino: Das Genossenschaftsbeiz wollte  der Hort der gelebten Utopie sein. Dieser Spagat ist sehr anstrengend in einer Kleinstadt, deren Leitspruch lautet: «Es isch immer eso gsy».

Zitat: «Die Italiener hatten Boccia-Kugeln und Rotwein, die Alternativen Haschisch und ein Transistorradio.»
Franco Supino: Die Ausländer und die progressiven Jugendlichen bildeten in den 70er Jahren ein ungleiches Gespann, das auf gegenseitigen Missverständnissen und Idealisierungen beruhte.

«Wie kann eine Bauerntochter aus dem Gäu „Annette“ heissen?»

Zitat: «Ich war überzeugt, dass es keinen Besseren für mich gab, ich war absolut überzeugt von dieser Idee, und diese Idee, sagt Annette, bedeutete absolute Liebe, absolute Begeisterung.»
Franco Supino: Die Kurzversion: Annette ist in Concetto verliebt.

Zitat: «Ich war stolz auf meine Namensgeberin: Annette von Aretin, ausgebildete Journalistin, adliger Abstammung, über das Quiz hinaus berühmte Fernsehansagerin der ARD.»
Franco Supino: Wie kann eine Bauerntochter aus dem Gäu «Annette» heissen? Das Geheimnis um ihren Namen wird gelüftet, aber es ist nicht, wie man ihr lange glauben machen wollte, wegen der Quizsendung «Was bin ich?».

Zitat: «Vielleicht hatte Concetto recht, wenn er behauptete, alle Menschen würden sich alles selber beibringen, die Schule sei nur erfunden worden, damit die, die nichts können, wenigstens ein Diplom vorzuweisen haben.»
Franco Supino: Concetto ist 100% Autodidakt – um etwas zu lernen, braucht es keine Schulen

Zitat: «Warum waren viele dieser Kinder zufrieden und ich nicht?»
Franco Supino: Annette ist Heilpädagogin und fragt sich, was der Unterschied zwischen ihr und ihren Schülerinnen und Schülern ist.

Zitat: «Die Frage ist doch, sagt Annette, was wir von unserem Partner, unserer Partnerin erwarten. Übereinstimmung?»
Franco Supino: Annette und Concetto – ein ungleiches Paar – aber doch ein glückliches?

Zitat: «Autonom wird man nicht dadurch, dass man machen kann, was man will. Autonom wird man durch Widerstand, durch Befreiung.‹ Das haben Sie doch gesagt?« …  »Was ich Sie fragen wollte, Herr Professor: Glauben Sie, dass das auch für Menschen mit einer geistigen Behinderung gilt?»
Franco Supino: Annette begegnet an der Uni einem Professor, der ihr – scheinbar? – die Augen öffnet.

Zitat: «Erinnerst du dich, Annette, an die Aussage von Blumenberg: Bildung ist nicht ein Arsenal, Bildung ist ein Horizont?»
Franco Supino: Was ist Bildung? Das, was dich für eine Reise fit macht – nicht das, was du in deinem Rucksack hast.

Zitat: «Kreuze nie die Spur deines Lebens.»
Franco Supino: Ein Sprichwort der Inuit. Es geht eigentlich um Robbenjagd.

Zitat: «Ich habe sie lange verteidigt, sagt Annette, weil ich weiß, dass Frauen schnell als arrogant etikettiert werden, wenn sie nicht kuschen, nicht zur Kumpanei neigen oder wenn sie eine gesunde Portion Ehrgeiz zeigen.»
Franco Supino: Annette kämpft gegen die Mühlen der Bildungsbürokratie. Amanda ist ihre Gegenspielerin auf dem Bildungsdepartement. Es wird eine spannende Auseinandersetzung.

Zitat: «Denkst du manchmal auch: Wenn ich zurückkönnte … Wenn ich wieder jünger wäre … Wenn ich damals mutiger gewesen wäre …« Nein, antwortete Annette, das mache sie nie. Sie würde lieber nach vorne schauen.»
Franco Supino: François! Ihr ewiger Chef… Er hat viele Schwächen, eine, nicht mal die Schlimmste, zeigt sich in dieser Szene: Sentimentalität…

Zitat: «“Warum haben sie nicht dich gefragt?“ „Weil sie lieber einen Mann, der schlecht arbeitet, wegbefördern, als eine fähige Frau Karriere machen zu lassen“, antwortete Erika verbittert.»
Franco Supino:  Ich höre das von und sehe das in vielen Betrieben, Behörden, Institutionen: Warum steigen die grössten Flaschen auf und machen Karriere, während die, die wirklich etwas können, auf der Strecke bleiben?

Zitat: «Warum, sagt Annette, bleiben uns die Erschütterungen und Verletzungen mehr in Erinnerung als die schönen Momente?»
Franco Supino: Weil Glück selbstverständlich ist, während Unglück eine Ursache haben muss.

Zitat: «Heilpädagogik hat ein Mandat. Dieses Mandat ist – in Praxis und Theorie – die Frage nach dem Sein eines Menschen, den wir als behindert und in der Folge oft als hinder lich empfinden. Es ist die Frage nach unserem gemeinsamen Dasein und die Frage nach dem, was wir füreinander sein können.»
Franco Supino: Das ist ein Zitat von Emil E. Kobi, einem der wichtigsten Schweizer Heilpädagogen – seine Schriften sind eine pädagogische Denkschule.

«Nichts lügt so gut wie Geschichten.»

Zitat: «Ich hatte unterschätzt, was das Ende des Berufslebens mit einem macht, oder genauer: Ich hatte mich überschätzt, sagt Annette.»
Franco Supino: Sind wir bereit für Veränderungen im Leben? Oder meinen wir es nur?

Zitat: «In China, sagt Annette, weiß man, dass die Zukunft hinter uns liegt, wir sehen sie nicht. Was vor uns liegt, was wir sehen, ist die Vergangenheit.»
Franco Supino: Was wir erkennen, verbinden wir mit unserer Biographie, also mit der Vergangenheit. Erzählen ist der typische Vorgang, der sich daraus ergibt. Nichts lügt so gut wie Geschichten.

Zitat: «Nachholen? Man kann in unserm Alter nichts nachholen, sagt Annette, man wird höchstens von seiner Geschichte eingeholt.»
Franco Supino: Annette hat das Angebot, in eine pulsierende Grossstadt  zu ziehen – sie ist skeptisch.

Zitat: «Jeder Mensch fühle sich zu etwas berufen, ganz egal, ob die Umstände es zuließen, daraus einen Beruf zu machen.»
Franco Supino: Amerikanischer Optimismus – Annette ist ziemlich überrumpelt.

Zitat: «Mein fixer Gedanke in dieser unruhigen Nacht: Harald ist ein attraktiver Millionär und ich eine verschrumpelte verarmte Rentnerin. Das geht nie im Leben zusammen.»
Franco Supino: Annette kommt sich vor wie in einer Komödie: Ich habe mir einen Millionär geangelt – will jemand wissen, wie das geht?

Zitat: «Wenn ich etwas von der Schule ins tägliche Leben gerettet habe, dann ist es der Wert der Rituale. Mut zur Routine war die Losung gewesen, um als Lehrerin zu bestehen.»
Franco Supino: Mut zur Routine – diesen Spruch habe stammt von Adolf Gut – alt Rektor des Kindergärtnerinneseminars Solothurn. Woher er ihn hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

«Glück hingegen ist langweilig…»

Zitat: «Geld, das sind nicht die Münzen oder die Noten in unserem Portemonnaie, Geld definiert die Art und Weise, wie eine Gesellschaft funktioniert.»
Franco Supino: Ökonomie ist wie höhere Mathematik: Niemand versteht sie, aber sie funktioniert. Meistens.

Zitat: «Man sagt ja, man brauche jemanden zum Reden, wenn es einem schlecht geht, um das Schwere loszuwerden, während man im Glück nur schwebe und genieße. Das stimmt nicht, sagt Annette. Für Kummer bin ich gut gerüstet, ich erwarte nichts anderes. Aber das Glück wahrnehmen, wenn es da ist?»
Franco Supino: Es ist spannender, sich mit Schreckensszenarien auseinanderzusetzen. Die Tragödie fordert unseren Geist und unsere Tatkraft. Glück hingegen ist langweilig – deshalb sagt der Philosoph Arthur Schopenhauer, Glück sei ein negativer Zustand.

Zitat: «Und jetzt lass uns rausgehen, egal, was für Wetter ist, sagt Annette.»
Franco Supino: … zu den zweitglücklichsten Menschen auf der Erde. Sie können Annette vielleicht beibringen, wie man mit Glück lebt?

«Wir interessieren uns generell für Geschichten von Menschen, die sich irgendwo fremd fühlen oder als fremd wahrgenommen werden»

PASDICI haben kürzlich zu ihrem Lied «parti» ein wunderbares Musikvideo publiziert. Grund genug, mit Regula Born und Oliver Leist, der Sängerin und dem Komponisten der Solothurner Formation, ein Gespräch zu führen. 

Wie ist PASDICI entstanden?
Regula: Vor mehr als 15 Jahren sang ich in Jazzbands bekannte Standards und hatte den Wunsch, französische Texte zu interpretieren. In den Sommerferien hielten wir uns für drei Wochen in einem kleinen Häuschen in der Bretagne auf. Oliver musste noch einen Auftrag für eine Filmmusik fertigstellen. Ich stöberte derweil in Büchereien vor Ort auf der Suche nach französischer Lyrik. Abends zeigte ich Oliver meine tägliche Ausbeute und las ihm das eine oder andere Gedicht vor. Da sein Filmmusikauftrag schneller fertig war als gedacht, nutzte er die Zeit für erste Liedskizzen. Das war die Geburtsstunde von PASDICI.

Was hat es mit dem Namen auf sich?
Oliver: PASDICI «pas d’ici» bedeutet aus dem Französischen übersetzt «nicht – von – hier». Wir interessieren uns generell für Geschichten von Menschen, die sich irgendwo fremd fühlen oder als fremd wahrgenommen werden; in allen möglichen Situationen und Zusammenhängen – Deplatzierte, Ausgegrenzte, die also «pas d’ici» sind. Mit «Je ne suis pas d’ici» haben wir auch ein Chanson in unserem Programm. Der Text stammt vom französischen Autor Georges Perros. Das Lied hat die Idee zu unserem Konzept angestossen.

«Die Chansons gehen nun etwas mehr in die Beine…»

Wie würdet ihr die Musik von PASDICI beschreiben?
Oliver: Wer sich die Chanson-Versionen mit Pianobegleitung anhört, nimmt eine klassische Form der Liedbegleitung wahr; im Tempo variierend, dynamisch expressiver, eher rubato, wie man dies auch von der Klassischen Musik her kennt. Nachdem ich für PASDICI vorwiegend als Komponist tätig war, habe ich vor drei Jahren meine Instrumente aus dem Keller hervorgeholt. So ist mit Regula und mir ein neues – zusätzliches – Duo entstanden. Die Formation PASDICI maison interpretiert die Chansons neu mit Bass, Gitarre, Looper und Electronics. Die Chansons gehen nun etwas mehr in die Beine…
Mit PASDICI maison sind wir flexibel: Wir können mit der elektronischen Ausstattung einerseits grosse Räume bespielen, andererseits bieten wir ein akustisches Programm für intimere Rahmen an.

Wieso gerade französische Chansons?
Regula: Französisch ist meine Gesangssprache – so wie für Peter Bichsel das Hochdeutsche seine Schreibsprache war. Ich liebe den Klang der französischen Sprache; sie klingt auch gesprochen wie Musik in meinen Ohren! Obwohl ich nicht damit aufgewachsen bin, singt sich Französisch für mich natürlicher als alle anderen Sprachen.

«Die Inspirationsquelle zur musikalischen Gestaltung ist der Text.»

Habt ihr musikalische Vorbilder?
Oliver: Explizit haben wir keine Vorbilder. Wir haben in verschiedenen Formationen musiziert, sind mit verschiedenen Stilen in Berührung gekommen und haben viel Musik gehört. Das hat uns geprägt. Die Inspirationsquelle zur musikalischen Gestaltung ist der Text. Er gibt das mögliche Tempo vor. Text und Tempo führen mich dann zur Melodie und zum Arrangement. Manchmal ist ein Stil erkennbar, manchmal nicht. Entwickelt sich das Lied zu einem Reggae, einem Punkstück oder einer Ballade, hat das mit der Tempovorgabe und dem Textinhalt zu tun. Manchmal entwickle ich dasselbe Chanson parallel in unterschiedlichen Stilen. Am Schluss wird die Version ausgewählt, die am besten funktioniert.

Was ist der Hintergrund eures neusten Musikvideos?
Regula: Durch eine Anfrage unseres Freundes und Videoproduzenten Marcel Schumacher erhielten wir die Gelegenheit, Aufnahmen mit einer Unterwasserkamera zu machen. Wir überlegten, mit welchem unserer Chansons wir eine Geschichte mit solchen Wasser-Aufnahmen erzählen könnten. Die Wahl ist auf «parti» gefallen: Der Text von diesem Chanson stammt von der französischen Dichterin Hélène Cadou. Sie verarbeitet in diesem Text die Trauer über den Verlust ihres geliebten Gefährten. Das besonders Schöne an diesem Gedicht: Es ist ein Gespräch mit dem Verstorbenen und vereint Trauer, Ohnmacht, Hoffnung, Dankbarkeit, Liebe.

«Kommt an unsere Konzerte – wir freuen uns auf euch!»

Welchen Bezug habt ihr eigentlich zu Solothurn und zur Region?
Regula: Wir beide sind im Kanton aufgewachsen. Wir beide leben und arbeiten im Kanton.

Musik ist nicht euer Hauptberuf. Was macht ihr sonst noch?
Regula: Geld verdienen. Wir beide sind als Lehrpersonen tätig. Und: Wir haben einen grossen Garten – mit Vielem, was dann auf unsere Teller kommt. Wir lieben gutes Essen.

Was habt ihr in der nächsten Zeit für Pläne?
Regula: Am 24. Oktober 2026 werden wir zusammen mit den Gasthof Kreuz in Egerkingen den Anlass «Klang & Kulinarik» durchführen. Der Auftrittsort ist klein und fein. (Weitere Auftritte findet man auf der Webseite von PASDICI, siehe Link unten).

Was wollt ihr den Zmitz-Leser:innen sonst noch mitteilen?
Regula: Kommt an unsere Konzerte und hört euch die Musik von PASDICI an. Wir freuen uns auf euch!

Links:

«Es wird in jedem Fall anregend bis turbulent»

Am Freitag, 4. September 2026, startet Jens Wachholz bereits die dritte Reihe von Lesungen in verschiedenen Museen der Region. Was ist neu?  Was plant er sonst noch? Ein Gespräch mit dem Solothurner Schauspieler.

Du bist in der Region sehr präsent, über den Sommer hat man wenig von dir gehört….
Wenig von mir gehört ist einerseits richtig – ich habe andererseits hören lassen, und zwar habe ich das Freilichttheater in Grenchen inszeniert, dass sehr erfolgreich bis Mitte Juli lief. Danach war ich tatsächlich zwei Monate in Deutschland und habe selber Sommertheater gespielt. Jetzt bin ich wieder voll »in Town« und froh, dass es nun wieder mit den Museumslesungen los geht.

Genau, Anfang September startet bereits die dritte Ausgabe deiner Museumslesungen. Offenbar stimmt das Konzept?
Ich hoffe sehr, dass dieses Konzept stimmt und auch weiterhin Zuspruch findet. Die Synergien für die Museen und die Zuhörenden sind interessant, ausserdem ist es eine kostengünstige und niederschwellige Möglichkeit, nicht nur bekannte oder unbekannte Texte zu hören, sondern dies eben auch in einem Ambiente, das die Atmosphäre sehr mitträgt und einen neuen Raum der Wahrnehmungen eröffnen kann. Die Museen können gleichfalls auf Ihre jeweiligen Programme hinweisen und das ist – bei freiem Eintritt – eigentlich mehr als man sich zu wünschen getraut.

«Die Texte passen sehr gut in die jeweiligen Räume.»

Wie hast du dieses Mal die Auswahl der Autoren getroffen?
Dieses Jahr habe ich pro Museum wieder scharf nachgedacht und aus meinem endlosen Fundus Texte gefunden, die sehr gut in die jeweiligen Räume passen. Mit Kehlmanns «Vermessung der Welt» im Naturmuseum geht es los. Passender geht es kaum. Dann freue ich mich auch auf alle neuen Orte –das Steinmuseum und das Schlössli Vorder-Bleichenberg – sowie auf die Auswahl der Texte. «Felix Krull» im leicht mondänen Anwesen des Schloss Waldegg. Das wird ein grosser Spass – gemeinsam mit der Cellistin Barbara Gasser.

Dein Schauspielerkollege Hanspeter Bader ist bei einer Produktion auch wieder dabei.
Ja, mit Hanspeter Bader lese ich »Indianersommer« von Urs Widmer im Kunstmuseum Solothurn. «Im Westen nichts Neues» ist gerade heute wieder ein tragischerweise passender Text, den ich in unserem Alten Zeughaus zum besten geben werde. Mit Gerhard Meier (Schlössli Vorder-Bleichenberg) und Robert Walser (Blumenstein) habe ich diesmal auch zwei ehemals regional verankerte Autoren gewählt. Kafka im Kunsthaus Grenchen ist diesmal ein Vorschlag des Kunsthaus-Leiters Robin Byland zum Thema «Druck».

Was ist die Idee dahinter?
Die Maschine in der kafkaschen «Strafkolonie» ist nicht nur ein Hinweis auf kommendes maschinelles Eigenleben – Stichwort KI) – sondern beschreibt auch die Ohnmacht des Menschen vor Willkür und falscher Staatsräson. Die Drucktechniken im künstlerischen Bereich sind hier wie ein Namensgeber. Druck und Druck. Der «Mythos von Sisyphos» ist nirgendwo besser aufgehoben als im Steinmuseum. Also ein sehr dichtes, abwechslungsreiches Programm, dass man reservieren kann oder einfach spontan vorbeischaut. Es ist alles gratis und hinterher wird eine zwanglose Kollekte gereicht.

«Jeder Text ist Weltklasse.»

Hast du einen persönlichen Favoriten?
Eine gemeine Frage: Ich mag alle Texte sehr gern, sonst hätte ich sie ja nicht gewählt, und möchte hier meine persönliche Favoritenrolle nicht nennen. Es ist ja auch kein Wettbewerb.  Jeder Text ist Weltklasse. Aber über die Umsetzung möchte ich noch nicht allzu viel verraten. Es wird in jedem Fall anregend bis turbulent.

Ausser den Autoren: Gibt es weitere Änderungen?
Als neue Orte sind wie erwähnt das Steinmuseum Solothurn und das Schlössli Vorder-Bleichenberg in Biberist hinzugekommen, worüber ich sehr glücklich bin. Wunderbare Orte und hoffentlich auch viele interessierte Hörer:innen. Ich finde es auch anregend, wenn mir Zuschauende Ihre (literarischen) Wünsche verraten…. Auch das kann für mich sehr anregend sein. Ich werde fortan ein Gästebuch auslegen, in dem man Anregungen und Wünsche hinterlassen kann.

«Da freue ich mich sehr drauf.»

Hast du weitere Projekte im Köcher?
Ich wäre nicht Ich, wenn dem nicht so wäre. Ab dem 5. November zeigen wir in der Kulturgarage ein neues Theaterprojekt in zehn Vorstellungen. Wir nähern uns dem Kosmos des Rainer Maria Rilke an. Gemeinsam mit den Musikern Barbara Gasser und Martin von Allmen werden wir textlich und musikalisch den Lebens- und Schaffenskosmos Rilkes beleuchten.
Schon am 29. August 2026 liest der Berner Filmemacher Felix Tissi in der Kulturgarage Solothurn aus seinen zwei neuen Büchern und anschliessend schauen wir seinen letzten Film «Aller Tage Abend». Da freue ich mich sehr drauf. Ich bin da nur der Veranstalter, obwohl ich im Film auch mitspiele.

Kommt noch mehr von dir?
Nach dem erwähnten Rilke-Projekt im November gibt es Anfang Dezember einen Abend von Hanspeter Bader und Dülü Dubach in der Kulturgarage, den ich auch etwas betreue und auf den ich mich sehr freue. Es geht um die «lieben Nachbarn».
Und: Am – ACHTUNG – 1. Januar 2027 um 19 Uhr kann man mich mit Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« erstmals in Solothurn in meiner »Mundart« hören. Der in Berlin spielende Roman wird von Ben Jeger und mir im Rahmen der Lesereise im Theater Delly in Solothurn gezeigt.  Bei dieser Lesereihe geht es in diesem Zyklus um Mundart. Für den Rest des Jahres also volles Programm. Ich freue mich auf jeden einzelnen Abend.

 

«Ich schreibe, was, wann und wie ich will»

Marc Du Buisson hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht, im Herbst folgt bereits das dritte. Wie schafft er dieses Tempo als «Hobby-Autor»? Wie ist er zur Schriftstellerei gekommen? Welche Tipps hat er für junge Autor:innen? Über diese und weitere Themen hat Zmitz mit Marc Du Buisson, der in Zuchwil aufgewachsen ist und heute in Bern lebt, gesprochen.

Kürzlich ist dein zweites Buch erschienen – zuerst aber ein Blick zurück: Wie bist du überhaupt zur Schriftstellerei gekommen?
Ich habe als Kind und Jugendlicher schon immer gerne Geschichten konsumiert, egal ob als Buch oder Film. Als Teenager habe ich dann angefangen, mir Geschichten auszudenken und aufzuschreiben, ohne jedoch ein konkretes Ziel damit zu verfolgen. Richtig angefangen hat es vor ungefähr zehn Jahren. Der jetzige Bestseller-Autor, Christof Gasser, dessen Eltern lange Zeit meine Nachbarn gewesen waren, hatte sein erstes Buch veröffentlicht. Das hat mir gezeigt, dass eine Buchveröffentlichung von jemandem aus dem kleinen Zuchwil vielleicht gar nicht so unmöglich ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Das nahm ich als Motivation und setzte mir bewusst das Ziel, eines Tages ein Buch veröffentlicht zu bekommen.

Viele Autor:innen haben Mühe einen Herausgeber zu finden – du wurdest gleich vom Zytglogge Verlag unter Vertrag genommen. Wie hast du das geschafft?
Mit viel Glück und gutem Timing. Das Manuskript zu «Vier Freunde liefern ab» habe ich insgesamt acht Verlagen angeboten. Bloss der Zytglogge Verlag war am Text interessiert. Vor allem der Verlagsleiter, Thomas Gierl, ist grosser Fan der vier Freunde, was natürlich hilft.
Aber es stimmt natürlich: Die Verlagssuche ist hart. Nur weil man abgelehnt wird, heisst das jedoch nicht unbedingt, dass der Text nicht gut ist. Es braucht Glück und Timing, um den passenden Verlag zur richtigen Zeit zu finden.

Was ist zwischen deinem ersten Roman «Vier Freunde liefern ab»* und dem zweiten «Letzter Halt Weissenbühl“ passiert?» Hat sich für dich als Autor etwas verändert?
«Vier Freunde liefern ab» hat mir ermöglicht, an vielen Orten in der Schweiz Lesungen halten zu dürfen. Zusätzlich wurde ich sogar an die Leipziger Buchmesse eingeladen, was ein absolutes Highlight war.
Bezüglich des Schreibens hat sich praktisch Nichts geändert. Schreiben ist für mich noch immer ein Hobby. Ich schreibe, was, wann und wie ich will. Und wenn ein Text beendet ist, dann versuche ich diesen veröffentlicht zu bekommen.

Was sind die grössten Unterschiede zwischen den beiden Romanen?
«Vier Freunde liefern ab» ist ein herzerwärmender Roman, der zeigen soll, dass das Leben mit 80 noch lange nicht zu Ende ist. Man sollte zusammenstehen, einander helfen und sich für das Gute einsetzen.
«Letzter Halt Weissenbühl» ist hingegen nichts für schwache Nerven. Es ist halb Krimi halb Thriller, inspiriert von grossen Hollywood-Blockbustern. Obwohl die beiden Bücher in etwa gleich lang sind, ist der Krimi definitiv tempo- und actionreicher sowie unberechenbarer. Ein weiterer Unterschied ist die Spielzeit und der Spielort der Geschichte. Die ganze Story in «Letzter Halt Weissenbühl» findet an einem Tag innerhalb weniger Stunden statt, und das praktisch an einem Schauplatz – in einem Berner Tram.

 «Für mich braucht jedes Buch Action.»

In «Letzter Halt Weissenbühl» geht’s um ein versuchtes Bombenattentat: Magst du es actionreich?
Unbedingt. Für mich braucht jedes Buch Action. Egal, ob das eine Bombe in einem Tram ist, oder ein achtzig Jähriger, der in Zuchwil auf das Dach seines Autos klettert und von dort auf einen Balkon springt.
In «Letzter Halt Weissenbühl» steht der Action-Teil der Geschichte deutlich im Fokus. Ich wollte ein atemloses Setting, welches der Hauptfigur immer wieder neue Herausforderungen vor die Füsse wirft. Gleichzeitig muss die Hauptfigur, Kommissar Fankhauser, den einzigen Kriminalfall lösen, den er in seiner Karriere nicht hat auflösen können. Genau diese Kombination reizte mich an dieser Geschichte.

Allerdings spielt er in der eher gemächlichen Stadt Bern…
Ich glaube, dass genau das ein Grund ist, wieso ich «Letzter Halt Weissenbühl» geschrieben habe. Weil alles eher gemächlich ist und meistens nach Plan läuft. Wieso das Ganze nicht komplett auf den Kopf stellen und eine normale Tramfahrt in ein Albtraum-Szenario verwandeln?
Ob Bern jedoch viel gemächlicher ist als zum Beispiel Solothurn, wage ich mittlerweile zu bezweifeln. Ich persönlich finde es in Solothurn um einiges entspannter als in Bern. Das mag vielleicht aber auch am «Heimweh» liegen.

Das erste Buch spielte in Zuchwil, wo du aufgewachsen bist, das zweite in deinem aktuellen Wohnort Bern. Brauchst du diese geographische Nähe?
Ich glaube nicht, dass ich diese geographische Nähe brauche, aber sie hilft auf jeden Fall. Wenn man einen Ort gut kennt, dann kann man dieses Wissen auch in die Geschichte einbauen. Gerade beim Schreiben von «Vier Freunde liefern ab» gibt es viele kleine Anekdoten, die während des Schreibens erst in Erinnerung gerufen wurden. Hätte ich also einen anderen Schauplatz gewählt, dann hätte die Geschichte ganz anders ausgesehen.
Eine altbekannte Autorenweisheit lautet: «Schreib, was du kennst.» Ich weiss vielleicht nicht, wie es ist, 80 Jahre alt oder ein Polizei-Kommissar zu sein. Dafür weiss ich, wie es sich in Zuchwil lebt, oder welche Art Passagiere auf der Tramlinie 3 in Bern zu finden sind. Im Fall von «Letzter Halt Weissenbühl» bot sich daher das Tram Nummer 3 an, weil ich die Strecke fast jeden Tag selbst nutze.

«Wie ich meine Figuren finde, ist sehr unterschiedlich und kommt auf das Projekt an.»

Sind entsprechend auch die Darsteller:innen von Menschen abgeleitet, die du kennst?
Die einfache Antwort darauf ist Nein. Alle Figuren sind komplett erfunden. Natürlich gibt es Eigenschaften realer Personen, die sich in meine Figuren einschleichen – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Sei das eine Nationalität, ein Beruf, oder ein bestimmtes Charaktermerkmal. Aber einen realen Menschen als Vorlage für meine Figuren habe ich noch nie genutzt.

Wie findest du dann deine Figuren?
Wie ich meine Figuren finde, ist sehr unterschiedlich und kommt auf das Projekt an. Wichtig ist, dass Figuren einen Zweck haben. Meistens frage ich mich, wie diese Figur die Geschichte vorantreiben, spannender, lustiger oder emotionaler machen kann. In «Letzter Halt Weissenbühl» gibt es unter anderem einen Geschäftsmann, eine Mutter mit Baby, ein älteres Ehepaar, ein asiatisches Touristen-Paar und eine Teenagerin an Bord. Sie alle bringen verschiedene Aspekte in die Geschichte, was diese wiederum interessanter macht.

Es geht Schlag auf Schlag: Man glaubt es kaum, aber im Oktober erscheint bereits dein drittes Werk «Vier Freunde fahren ab»**. Wie schaffst du dieses Tempo – du bist ja nicht hauptberuflich
Schriftsteller?
Grundsätzlich brauche ich für das Schreiben eines Buches rund 3 bis 6 Monate. Meine Bücher sind nicht die längsten, was den Prozess etwas beschleunigt. Ausserdem erarbeite ich zu Beginn des Schreibprozesses die Eckpunkte der Story, sodass ich nicht planlos drauflos schreibe, sondern einem Gerüst folge, das aber auch Raum für Neues zulässt. Was man nicht vergessen darf, ist, dass meine Arbeit an einem Buch etwa sechs Monate vor dem Erscheinungstermin beendet ist. Ich bin also immer etwa ein halbes Jahr voraus. Als ich wusste, dass «Vier Freunde liefern ab» erscheinen würde, habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht und mich an die Fortsetzung gewagt.

Kannst du schon etwas verraten zum Inhalt?
Die vier Freunde stellen in ihrem zweiten Abenteuer einen Fahrdienst auf die Beine, der Seniorinnen und Senioren den Friedhofsbesuch in Zuchwil vereinfachen soll. Dabei treffen sie wieder aller Art skurrile Charaktere, und ihr Improvisationstalent müssen sie erneut unter Beweis stellen.
Was mir an diesem zweiten Band besonders gefällt, ist, dass er das Altern weniger romantisiert, als das im ersten Band vielleicht der Fall war. Die vier Freunde werden auch älter. «Vier Freunde fahren ab» ist vielleicht nicht mehr ganz so witzig wie der erste Teil, dafür umso emotionaler.

Wahrscheinlich hast du schon den nächsten Roman im Kopf. Was hast du da für Ideen?
Am liebsten würde ich in der nahen Zukunft auf zwei Schienen fahren und einerseits Romane und andererseits Krimis veröffentlichen. Bei den Romanen liegt der Fokus im Moment auf den vier Freunden. Diesbezüglich strebt mir noch ein drittes und letztes Abenteuer mit der Ü-80 Truppe vor, womit ich diese Reihe zu einem passenden Abschluss bringen könnte.

Und bei den Krimis?
Bei denen wäre es toll, wenn ich mit Kommissar Fankhauser ebenfalls eine Reihe aufbauen könnte. Ideen sind auf jeden Fall schon vorhanden, ob es zu einem weiteren Teil kommt, hängt vor allem auch von den Verkaufszahlen von «Letzter Halt Weissenbühl» ab.

«Dranbleiben!»

Hast du einen Tipp für junge Autor:innen, die gerne ihren Erstling veröffentlichen möchten?
Ein erster wichtiger Schritt ist, dass man das Geschriebene anderen Personen zeigt und Feedback einholt. Das braucht zu Beginn zwar etwas Überwindung, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Ich persönlich habe danach zuerst versucht, Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen. Online gibt es viele Ausschreibungen, wo man Geschichten zu bestimmten Themen schreiben kann. So übt man nicht nur die Schreibkunst, sondern kann – sofern man ausgewählt wird – seine eigene Geschichte in einem gedruckten Buch lesen.

Ein ganzer Roman ist dann aber schon etwas anderes?
Für einen ganzen Roman habe ich eigentlich nur einen Tipp, der auch mir schon mehrfach gegeben wurde: Dranbleiben. Von Absagen sollte man sich nicht unterkriegen lassen, denn die wird es immer wieder geben. Einfach weiter machen und nicht mehr aufhören, bis es klappt. Vielleicht klingt dieser Ratschlag etwas banal oder zu einfach, aber für mich hat es funktioniert.

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Der Vorhang fällt!

Nach zwölf Jahren ist es auch für zmitz-Gründerin und Co-Redaktionsleiterin Lucilia Mendes von Däniken an der Zeit, sich von zmitz zurückzuziehen. Wehmut steckt in den Zeilen des Abschiedstext. Aber auch viel Dankbarkeit: Für erfüllende Erlebnisse in der Kulturregion Solothurn.

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