von Gianni Leardini | 16. Oktober 2026 | Events, Gesprochenes Wort, Literatur
Das Buchfestival Olten feiert Jubiläum: Von Freitag, 30. Oktober, bis Sonntag, 1. November 2026, geht die 10. Ausgabe über die Bühne. Grund genug für ein Gespräch mit Christian Meyer, Mitinhaber der Oltner Buchhandlung Klosterplatz und Mitorganisator des Buchfestivals. Er erklärt unter anderem, was das Festival ausmacht, wie es sich in den Jahren verändert hat und was die Besucher:innen erwartet.
Das Buchfestival Olten findet zum 10. Mal statt. Was hat sich in diesen Jahren verändert?
Die grössten Veränderungen sind einerseits der Ort, wo die Hauptanlässe stattfinden: von sehr gross zu etwas kleiner, vom Stadttheater zu einem Kulturzentrum, zu einem Kino; und andererseits das Angebot: von vorwiegend Buchpräsentation mit noch etwas Lesungen und Anlässen, hin zu Lesungen und Anlässe mit noch Buchverkauf.
Was ist in einem Satz die „Philosophie“ eures Festivals?
Das Buch in möglichst vielen Facetten zu zeigen oder wie wir es sagen: vielseitig zu sein.
Was unterscheidet eures von anderen Buch- und Literaturfestivals?
Bestimmt die Vielseitigkeit und natürlich Olten als Ort, aber sonst suchen wir eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
«Jeder Anlass hilft, dem Buch Sichtbarkeit zu schenken.»
Braucht es neben den Solothurner Literaturtagen ein weiteres Festival in so einem kleinen Kanton?
Es braucht alle Anlässe, bei denen es um Kultur und speziell um Literatur geht. Jeder Anlass hilft, dem Buch Sichtbarkeit zu schenken. Wir leben zudem in einer Zeit, wo es bitter nötig ist, auf Bücher, Autorinnen und Autoren und ihre wichtige Stimme hinzuweisen. Wir verstehen uns nicht in Konkurrenz zu den Literaturtagen, das wäre auch sehr vermessen, sondern als kleinen Nebenast des grossen Baumes.
Habt ihr euch dieses Jahr für die 10. Ausgabe etwas Spezielles ausgedacht?
Die Jubiläumsausgabe steht unter dem Thema „Lesen und Genuss“. Das Spezielle daran ist, dass es neben Büchern auch noch kleine Degustationen von z.B. Schokolade, Wein oder Käse gibt, oder ein Mittelalter-Menue passend zum neuen Buch von Rebekka Salm «Metzina».
Welches sind die speziellen Highlights?
Diese Frage ist für mich immer sehr schwierig zu beantworten, weil es aus meiner Sicht natürlich nur Highlights gibt … aber klar: der Müsterli-Abend mit seinem wunderbaren Angebot, die Dreitannenbuchpreis-Verleihung mit einmaligen Schriftstellerinnen und das Gespräch zwischen Alex Capus und Rebekka Salm sind bestimmt Glanzpunkte, die hervorstechen.
«Wir sind eine bunte Truppe mit sehr viel Kreativität und Ideen.»
Für ein Buchfestival braucht es finanzielle und personelle Ressourcen: Wie seid ihr organisiert und wie finanziert ihr euch?
Grundsätzlich als Verein und sonst leicht chaotisch – es hat keinen Wert, dies zu verschweigen. Für die Finanzierung dürfen wir, Gottseidank, auf vielerlei Unterstützung zählen: Kanton, Stadt, Stiftungen, Spenden, Einnahmen. Aber selbst mit alle dem: Die Ehrenamtlichkeit macht, so denke ich, den grössten Teil aus.
Wie seht ihr eure Zukunft?
Wir sind eine bunte Truppe mit sehr viel Kreativität und Ideen. Die Zukunft entsteht jeweils immer gerade vorzu und daher sind wir selber sehr gespannt, was daraus wird.
Was wollt ihr uns zum Schluss noch mitgeben?
Menschen, lest mehr Bücher! Und tauscht euch darüber aus. Und liebt einander.
Informationen:
Alex Capus, Foto: Mergime Nocaj
Müsterli-Abend, die Protagonist:innen
Keyvisual Buchfestival Olten: Amadeus Gmür
von Gianni Leardini | 20. September 2026 | Events, Gesellschaft, Gesprochenes Wort, Musik
Foto © Simon von Gunten.
Am Samstag, 26. September 2026, findet im Alten Spital Solothurn das interkulturelle SPAZIO-Fest statt. Im Gespräch mit Zmitz erklärt Patrizia Lehmann, neue Betriebsleiterin der Institution, was die Teilnehmenden am Fest erwartet, welche Schwerpunkte das Alte Spital setzen will und welches ihre ersten Erfahrungen seit ihrem Start im Mai 2026 waren – und: Sie kündigt an, dass das «Restaurant Altes Spital», das in den letzten Jahren jeweils nur im Sommer in Betrieb war, am 5. November 2026 wieder ganzjährig seine Türen öffnen wird.
Ist das SPAZIO-Fest vom 26. September 2026 ein neues Format im Angebot des Alten Spitals?
Ganz neu ist die Idee eines interkulturellen Festes im Alten Spital nicht. Früher gab es das Ausländerfest, später das Freundschaftsfest. Danach fand lange kein vergleichbarer Anlass mehr statt. Mit dem SPAZIO-Fest knüpfen wir an diese Tradition an und interpretieren sie neu. Im Zentrum steht die Vielseitigkeit unserer Region: Unterschiedliche Menschen, Kulturen, Sprachen, Geschichten und Perspektiven kommen zusammen. Das Fest richtet sich ausdrücklich an alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur.
Wie ist das SPAZIO-Fest entstanden? Und was erwartet die Besuchenden?
Das Fest wurde von unserem Integrationsteam gemeinsam mit verschiedenen Communities entwickelt. Das ist uns wichtig: Wir wollen nicht nur ein Programm für Menschen gestalten, sondern gemeinsam mit ihnen. Das SPAZIO-Fest verbindet Wissen, Austausch, Kulinarik und Musik. Ab 16.30 Uhr sind die Bar und eine Earth-Radio-Installation geöffnet. Um 17 Uhr spricht Atina Tabé zum Thema «Rassismus & Heimat». Anschliessend findet eine von Maryam Sediqi von AWAS moderierte Podiumsdiskussion statt. Ab 18 Uhr laden Spezialitäten aus Afghanistan, Marokko und Spanien zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Ab 19 Uhr folgen Konzerte von Maqsood Sadid und Hafi z Hamnawa mit afghanischer Musik sowie von Hermanos Perdidos mit World-, Latin- und Punk-Klängen.
Und das Ganze ist gratis?
Genau, der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir wünschen uns einen unkomplizierten Begegnungsabend, an dem man Neues entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und die kulturelle Vielfalt der Region Solothurn gemeinsam feiern kann.
«Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.»
Verstärkt ihr allgemein euer Engagement im Bereich Integration und Migration?
Integration gehört bereits seit Langem zu den wichtigen Aufgaben des Alten Spitals. Wir führen im Auftrag der Stadt Solothurn die Fachstelle Integration und sind damit für die operative Integrationsarbeit der Stadt zuständig. Es handelt sich also nicht um ein neues Engagement, wir möchten diese Arbeit und ihre Wirkung künftig aber stärker sichtbar machen.
Was heisst das konkret?
Die Fachstelle entwickelt soziokulturelle Angebote, Projekte und Veranstaltungen, die Begegnungen ermöglichen und Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander vernetzen. Sie begleitet Migrantinnen und Migranten in ihren Anliegen, schafft Räume für Empowerment und fördert zivilgesellschaftliches Engagement. Gleichzeitig arbeitet sie eng mit anderen Organisationen zusammen und engagiert sich in verschiedenen Netzwerken.
Mit Formaten wie dem SPAZIO-Fest wird diese Arbeit für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar. Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.
«Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum.»
Wo setzt ihr eure weiteren Schwerpunkte – auch angesichts der knappen finanziellen Mittel?
Gerade bei knappen Mitteln müssen wir unsere Kräfte gezielt einsetzen. Unser Schwerpunkt liegt deshalb zunächst darauf, die bestehenden Angebote zu stärken, besser miteinander zu verbinden und ihre Wirkung sichtbarer zu machen.
Das Alte Spital vereint Soziokultur, Kultur, Gastronomie, Seminare, Vermietungen sowie verschiedene Freizeit- und Begegnungsangebote. Wichtig ist mir dabei: Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum. Gerade in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit arbeiten wir im Auftrag verschiedener Gemeinden in der ganzen Region. Unsere Mitarbeitenden sind dort präsent, wo die Kinder und Jugendlichen leben und ihre Freizeit verbringen. Das Alte Spital bildet in diesen Fällen die organisatorische und fachliche Basis, die konkrete Arbeit geschieht jedoch vor Ort in den Gemeinden.
Ihr seid sehr vielseitig tätig…
Diese Vielseitigkeit ist eine grosse Stärke, bringt aber auch eine gewisse Komplexität mit sich. Ich sehe viel Potenzial darin, die einzelnen Bereiche noch stärker als Teil eines gemeinsamen Ganzen zu verstehen – ohne ihre unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsweisen aus den Augen zu verlieren. Wir müssen nicht überall etwas Neues erfinden. Oft liegt der grösste Gewinn darin, Bestehendes weiterzuentwickeln, Synergien zu nutzen und mit Gemeinden, Institutionen, Vereinen und weiteren Partnerinnen und Partnern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig müssen wir unsere betrieblichen Grundlagen stärken, damit möglichst viele Ressourcen direkt in unsere Angebote und deren Wirkung fliessen können.
«Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen.»
Was ist eigentlich mit dem Restaurant im Alten Spital? Das ist ja ebenfalls ein Begegnungsort, war aber in den vergangenen Jahren immer nur im Sommer geöffnet.
Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen. Es wird jeweils von Donnerstag bis Samstag am Abend offen sein. Damit möchten wir das Alte Spital auch in der kälteren Jahreszeit stärker beleben. Unser Haus soll nicht nur bei Veranstaltungen oder im Sommergarten ein Treffpunkt sein, sondern auch im Winter ein Ort, an dem man sich begegnet, gemeinsam isst und einen schönen Abend verbringt.
Wie sieht das Konzept für das Restaurant aus?
Das Konzept ist bewusst klein und fokussiert: wenige Gerichte, hochwertige Produkte und eine sorgfältige Zubereitung. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Edelstücke vom Rind, ergänzt durch ein eigenständiges vegetarisches Hauptgericht. Mit 35 Plätzen bleibt das Restaurant persönlich und überschaubar. Auch der Name «Restaurant Altes Spital» ist bewusst einfach gehalten. Er schafft eine klare Verbindung zum Haus und lässt gleichzeitig Raum für die weitere Entwicklung.
«Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.»
Du bist erst seit einigen Monaten Betriebsleiterin des Alten Spitals. Wann genau hast du begonnen, und wie wurdest du aufgenommen?
Ich habe die Betriebsleitung am 1. Mai 2026 übernommen und wurde sehr herzlich aufgenommen. In den ersten Wochen war es mir wichtig, vor allem zuzuhören, die Mitarbeitenden kennenzulernen und die verschiedenen Bereiche und Aufgaben zu verstehen. Besonders beeindruckt haben mich die Vielseitigkeit des Alten Spitals und das grosse Engagement der Mitarbeitenden. Unter dem Dach unserer Organisation finden Kinder- und Jugendarbeit, Integration, Quartierarbeit, Kultur, Gastronomie, Seminare und zahlreiche weitere Aktivitäten statt. Ein Teil davon spielt sich im Alten Spital selbst ab, andere Angebote wirken weit über das Haus hinaus. Besonders unsere soziokulturellen Mitarbeitenden sind in verschiedenen Gemeinden der Region direkt vor Ort tätig. Diese Vielfalt macht die Organisation lebendig und einzigartig. Gleichzeitig ist der Betrieb dadurch anspruchsvoll. Gerade darin sehe ich aber ein grosses Potenzial: Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.
Du warst bisher im Kommunikationsbereich tätig. War der Wechsel in eine neue Welt schwierig?
Für mich ist es weniger ein Wechsel in eine völlig neue Welt als eine Erweiterung meiner bisherigen Tätigkeit. Ich war bereits um 2008 Geschäftsführerin einer Online-Agentur in Zürich. Ich weiss deshalb, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen, Verantwortung für Mitarbeitende und Finanzen zu übernehmen und unterschiedliche betriebliche Anforderungen zusammenzubringen.
Auch in meiner späteren Arbeit in Kommunikation und Marketing ging es nie nur um Texte oder einzelne Kommunikationsmassnahmen. Ich habe Unternehmen und Organisationen begleitet, Projekte koordiniert, unterschiedliche Anspruchsgruppen zusammengebracht und mich intensiv mit Strukturen, Angeboten und strategischen Fragen auseinandergesetzt.
Was kannst du von deinen bisherigen beruflichen Erfahrungen einbringen?
Diese Erfahrungen helfen mir heute sehr. Kommunikation bedeutet für mich auch, gut zuzuhören, Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und gemeinsame Ziele verständlich zu machen. Dazu kommen meine Erfahrungen in Organisation, Projektarbeit und Führung.
Natürlich gibt es neue Themen, in die ich mich vertiefen muss. Aber genau das finde ich spannend. Das Alte Spital verbindet vieles, was mich interessiert: gesellschaftliches Engagement, Kultur, Begegnung, Gastronomie, Organisation und Kommunikation.
«Unsere Arbeit steht für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.»
Zum Schluss: Welche Botschaft im Zusammenhang mit dem Alten Spital Solothurn ist dir besonders wichtig?
Das Alte Spital ist weit mehr als ein Veranstaltungsort oder ein Gebäude mit verschiedenen Angeboten. Es ist eine vielseitige Organisation, die Menschen innerhalb und ausserhalb des Hauses erreicht: Kinder und Jugendliche, Kulturschaffende, Vereine, Unternehmen, Menschen aus verschiedenen Ländern und Generationen sowie Gäste aus Solothurn und der ganzen Region.
Einige Begegnungen finden bei uns im Haus statt, andere direkt in den Gemeinden. Entscheidend ist nicht, dass dabei immer das Alte Spital im Zentrum steht. Entscheidend ist die Wirkung: Menschen zusammenzubringen, Teilhabe zu ermöglichen und Räume für Ideen, Austausch und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Diese Vielseitigkeit möchten wir bewahren und gleichzeitig weiterentwickeln. Das SPAZIO-Fest bringt sehr schön auf den Punkt, wofür unsere Arbeit stehen kann: für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.

von Gianni Leardini | 22. August 2026 | Events, Gesprochenes Wort, Literatur, Musik, Theater
Am Freitag, 4. September 2026, startet Jens Wachholz bereits die dritte Reihe von Lesungen in verschiedenen Museen der Region. Was ist neu? Was plant er sonst noch? Ein Gespräch mit dem Solothurner Schauspieler.
Du bist in der Region sehr präsent, über den Sommer hat man wenig von dir gehört….
Wenig von mir gehört ist einerseits richtig – ich habe andererseits hören lassen, und zwar habe ich das Freilichttheater in Grenchen inszeniert, dass sehr erfolgreich bis Mitte Juli lief. Danach war ich tatsächlich zwei Monate in Deutschland und habe selber Sommertheater gespielt. Jetzt bin ich wieder voll »in Town« und froh, dass es nun wieder mit den Museumslesungen los geht.
Genau, Anfang September startet bereits die dritte Ausgabe deiner Museumslesungen. Offenbar stimmt das Konzept?
Ich hoffe sehr, dass dieses Konzept stimmt und auch weiterhin Zuspruch findet. Die Synergien für die Museen und die Zuhörenden sind interessant, ausserdem ist es eine kostengünstige und niederschwellige Möglichkeit, nicht nur bekannte oder unbekannte Texte zu hören, sondern dies eben auch in einem Ambiente, das die Atmosphäre sehr mitträgt und einen neuen Raum der Wahrnehmungen eröffnen kann. Die Museen können gleichfalls auf Ihre jeweiligen Programme hinweisen und das ist – bei freiem Eintritt – eigentlich mehr als man sich zu wünschen getraut.
«Die Texte passen sehr gut in die jeweiligen Räume.»
Wie hast du dieses Mal die Auswahl der Autoren getroffen?
Dieses Jahr habe ich pro Museum wieder scharf nachgedacht und aus meinem endlosen Fundus Texte gefunden, die sehr gut in die jeweiligen Räume passen. Mit Kehlmanns «Vermessung der Welt» im Naturmuseum geht es los. Passender geht es kaum. Dann freue ich mich auch auf alle neuen Orte –das Steinmuseum und das Schlössli Vorder-Bleichenberg – sowie auf die Auswahl der Texte. «Felix Krull» im leicht mondänen Anwesen des Schloss Waldegg. Das wird ein grosser Spass – gemeinsam mit der Cellistin Barbara Gasser.
Dein Schauspielerkollege Hanspeter Bader ist bei einer Produktion auch wieder dabei.
Ja, mit Hanspeter Bader lese ich »Indianersommer« von Urs Widmer im Kunstmuseum Solothurn. «Im Westen nichts Neues» ist gerade heute wieder ein tragischerweise passender Text, den ich in unserem Alten Zeughaus zum besten geben werde. Mit Gerhard Meier (Schlössli Vorder-Bleichenberg) und Robert Walser (Blumenstein) habe ich diesmal auch zwei ehemals regional verankerte Autoren gewählt. Kafka im Kunsthaus Grenchen ist diesmal ein Vorschlag des Kunsthaus-Leiters Robin Byland zum Thema «Druck».
Was ist die Idee dahinter?
Die Maschine in der kafkaschen «Strafkolonie» ist nicht nur ein Hinweis auf kommendes maschinelles Eigenleben – Stichwort KI) – sondern beschreibt auch die Ohnmacht des Menschen vor Willkür und falscher Staatsräson. Die Drucktechniken im künstlerischen Bereich sind hier wie ein Namensgeber. Druck und Druck. Der «Mythos von Sisyphos» ist nirgendwo besser aufgehoben als im Steinmuseum. Also ein sehr dichtes, abwechslungsreiches Programm, dass man reservieren kann oder einfach spontan vorbeischaut. Es ist alles gratis und hinterher wird eine zwanglose Kollekte gereicht.
«Jeder Text ist Weltklasse.»
Hast du einen persönlichen Favoriten?
Eine gemeine Frage: Ich mag alle Texte sehr gern, sonst hätte ich sie ja nicht gewählt, und möchte hier meine persönliche Favoritenrolle nicht nennen. Es ist ja auch kein Wettbewerb. Jeder Text ist Weltklasse. Aber über die Umsetzung möchte ich noch nicht allzu viel verraten. Es wird in jedem Fall anregend bis turbulent.
Ausser den Autoren: Gibt es weitere Änderungen?
Als neue Orte sind wie erwähnt das Steinmuseum Solothurn und das Schlössli Vorder-Bleichenberg in Biberist hinzugekommen, worüber ich sehr glücklich bin. Wunderbare Orte und hoffentlich auch viele interessierte Hörer:innen. Ich finde es auch anregend, wenn mir Zuschauende Ihre (literarischen) Wünsche verraten…. Auch das kann für mich sehr anregend sein. Ich werde fortan ein Gästebuch auslegen, in dem man Anregungen und Wünsche hinterlassen kann.
«Da freue ich mich sehr drauf.»
Hast du weitere Projekte im Köcher?
Ich wäre nicht Ich, wenn dem nicht so wäre. Ab dem 5. November zeigen wir in der Kulturgarage ein neues Theaterprojekt in zehn Vorstellungen. Wir nähern uns dem Kosmos des Rainer Maria Rilke an. Gemeinsam mit den Musikern Barbara Gasser und Martin von Allmen werden wir textlich und musikalisch den Lebens- und Schaffenskosmos Rilkes beleuchten.
Schon am 29. August 2026 liest der Berner Filmemacher Felix Tissi in der Kulturgarage Solothurn aus seinen zwei neuen Büchern und anschliessend schauen wir seinen letzten Film «Aller Tage Abend». Da freue ich mich sehr drauf. Ich bin da nur der Veranstalter, obwohl ich im Film auch mitspiele.
Kommt noch mehr von dir?
Nach dem erwähnten Rilke-Projekt im November gibt es Anfang Dezember einen Abend von Hanspeter Bader und Dülü Dubach in der Kulturgarage, den ich auch etwas betreue und auf den ich mich sehr freue. Es geht um die «lieben Nachbarn».
Und: Am – ACHTUNG – 1. Januar 2027 um 19 Uhr kann man mich mit Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« erstmals in Solothurn in meiner »Mundart« hören. Der in Berlin spielende Roman wird von Ben Jeger und mir im Rahmen der Lesereise im Theater Delly in Solothurn gezeigt. Bei dieser Lesereihe geht es in diesem Zyklus um Mundart. Für den Rest des Jahres also volles Programm. Ich freue mich auf jeden einzelnen Abend.
