Nach zwölf Jahren ist es für zmitz-Gründer, Co-Redaktionsleiter und Vereinspräsi Fabian Gressly an der Zeit, sich von zmitz zurückzuziehen. Gelegenheit für einen Rückblick, eine kleine Selbstreflexion und ganz viel Dank.

Seit 2014 hat zmitz über die Kultur in der Region berichtet. Rund zwölf Jahre lang. Doch die medialen Zeiten haben sich verändert und so ist es unvermeidbar, dass sich auch zmitz verändert. In diesen Wochen ziehen wir Gründer:innen, Lucilia Mendes von Däniken und ich, Fabian Gressly, uns zurück. Wir überlassen die Zukunft von zmitz den treuen Händen eines Mitstreiters der ersten Stunde: Gianni Leardini. Gianni, ein Arbeitskollege aus gemeinsamen Journi-Zeiten, musste nicht lange überlegen, als er gefragt wurde, ob er bei zmitz mittun wolle. Er hat immer wieder aufs Neue einen Blick auf die Solothurner Kultur geworfen. Dabei über Konzerte und Literatur, Museen und Bienen geschrieben (schau hier). Er wird nun die Marke zmitz weiter am Leben lassen. Vornehmlich online auf den Sozialen Kanälen und auch mal hier auf der Website. Wir danken dir, Gianni, herzlich, dass deine Leidenschaft für die Solothurner Kultur weiterbrennt und Du schaust, dass zmitz nicht verschwindet.

Dereinst wird sich der Solopool, der Zusammenschluss Solothurner Kulturveranstalter, der Frage annehmen, wie er die hiesige Kultur sichtbar machen könnte. Ein Angebot wie zmitz steht da im Raum und es wäre schade, hier und heute Zelte abzubrechen und wegzuschmeissen, die in ein oder zwei Jahren wieder aufgestellt und genutzt werden könnten. Sprich: Eine Plattform und eine (sehr treue) Followerschaft auf Insta und Facebook aufzugeben, über die man seine Anliegen gut platzieren kann. Dies anzugehen, überlassen wir diesen neuen Kräften. Und gleichzeitig einer altbewährten. Denn der Solopool, damals noch mit Heinz Urben und Pipo Kofmehl im Präsidium, war vom ersten Tag an mit von der Partie, als es darum ging, ein Angebot wie zmitz zu schaffen. Ihre Wahrnehmung in den 10er-Jahren deckte sich mit der von Lucilia und mir: Dass es Solothurner Kultur zunehmend schwer hatte, in den Tagesmedien Platz zu finden. Schade für ein so vielseitiges, lebendiges und – unseres Erachtens – unverzichtbares Element einer Gesellschaft. Nach unzähligen Sitzungen, damals noch mit den Mitstreitern Ivo Hutzli und Jürg Wirz vom Kulturm, entstand 2014 der Kulturblog zmitz (schau z.B. hier und hier).

Fast 1300 Beiträge sind in dieser Zeit entstanden. Fast 330 allein von mir. Über Musik und Konzerte. Über Kunst und Ausstellungen. Über Literatur und Theater. Über Tanz, Performance, Lesungen und vieles, vieles, vieles mehr. Wir haben uns mit zmitz wieder verlorenen Jugendlieben angenähert (wie hier und hier). Wir haben uns im Dialog an Events abgearbeitet, was wir leicht dramatisierend «Duelle» nannten (schau hier). Wir haben uns neu erfunden (wie hier). Wir haben 2020 über Kultur geschrieben, als sie nicht mehr stattfinden durfte. Dabei haben wir sie ganz neu entdeckt. Wir haben uns für sie eingesetzt, als andere ihr jegliche Bedeutung absprachen (hier). Dieses Engagement hat uns 2021 den Medienpreis Aargau Solothurn eingebracht (hier und hier). Wir haben Musikerinnen das Licht der Welt erblicken sehen (wie in unseren legendären Interviews) und jedes Jahr mal kreativ und mal noch kreativer die Zeit bis Weihnachten mit dem kulturellen Adventskalender (hier) verkürzt. Wir mussten in dieser Zeit aber auch mitverfolgen, wie anderen, die sich ähnliche Ziele auf die Fahne geschrieben haben, der Schnauf ausging (hier und hier).

Ja, die Zeiten haben sich geändert*. Mit ihnen auch die Lebensumstände und Möglichkeiten, sich für zmitz zu engagieren. Nicht, dass uns Kultur nicht (mehr) wichtig wäre. Das geht gar nicht, ist systemisch unmöglich! Kultur muss uns wichtig sein, ist uns immer wichtig, wird es immer sein. Nebenberufliche Engagements folgen jedoch besonderen Gesetzmässigkeiten und irgendeinmal kommt der Moment, den Stab weiterzureichen. Und dieser Moment ist nun da.

Wir danken allen, die uns über all die Jahre hinweg die Treue gehalten haben. Uns unterstützt haben. Uns so wertvolle, schöne Rückmeldungen zu unserer Arbeit gegeben haben. In erster Linie den Mitgliedern des Vereins, der hinter zmitz stand und das Angebot stützte. Wir danken jenen, die uns mit einer Anschubfinanzierung den Start überhaupt ermöglichten (den Städten Solothurn und Grenchen, der Repla Solothurn, der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung sowie der Däster-Schild-Stiftung). Denn wo professionelle Arbeit gefragt war, wollten wir diese durchaus auch entlöhnen. Und wir danken diesen Profis der ersten Stunde, Nora Althaus und Riccardo Turla, dass sie das zu einem vergünstigten Ansatz gemacht haben. Wir danken Solnet dafür, zmitz kostenlos Mails empfangen und versenden zu lassen, und Adi Heutschi, kostenlos unsere Website zu hosten. Wir danken der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung, dass wir für bestimmte redaktionelle Projekte finanzielle Unterstützung erbitten durften. Wir danken der GA Weissenstein und Guidle, dass wir ab 2016 den Veranstaltungskalender kostenlos nutzen durften. Wir danken allen in den unzähligen Kulturhäusern der Region, die uns Zugang gewährt haben. Wir danken allen Bloggerinnen und Bloggern für ihre Ideen, für ihr Engagement und dafür, dass sie mit uns ihr Herzblut teilten. Von diesen danken wir besonders Nadine Schmelzkopf, die seit 2020 unser Creative Department für Webdesign, Plakate, Flyer usw. sowie unsere IT war. Und Mirjam Staudenmann fürs administrative Schmeissen des Vereins hinter zmitz (den gibt es übrigens nicht mehr, weil das neue Angebot keinen Trägerverein braucht bzw. der Solopool selbst ein Verein ist). Und wir danken Gianni Leardini, der zmitz weiter am Leben erhält – vor allem in den Sozialen Medien, aber auch hier im Blog.

Als kleiner, schon damals medieninteressierter Knopf war ich eifriger Zuschauer der ORF-Kindersendung «Am Dam Des» (wo übrigens Christoph Waltz einen ersten Auftritt hatte). In der Sendung gab’s auch Clown Enrico. Jedes Mal, wenn er die Bühne verliess, sagte er verheissungsvoll mit treuem Blick: «Ich gehe, aber ich komme wieder!». In diesem Sinne: Alles Gute und merci, merci, merci!

 

* Das beste Beispiel dafür: Wir haben mit unseren 13 Fragen immer wieder aufstrebende Musiker:innen interviewt. Eine Frage lautete «Katy Perry oder Miley Cirus?»: junge, aufstrebende Pop-Avantgarde oder anspruchsloses Gedudel? Wer hätte gedacht, dass die Frage heute genau umgekehrt gedeutet werden könnte?

 

zmitz würde es ohne Fabian nicht geben. Denn im Jahr 2014 gründeten er und Lucilia den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn sichtbar zu machen. Fabian erzählt unter anderem die Hintergrundgeschichten. Denn auf dem Kulturparkett fühlt er sich wohl, kennt die Kulturschaffenden mindestens genau so gut wie die Kulturveranstalter und weiss auch um kulturpolitische Zusammenhänge. Als Blogger ist er in allen Sparten zuhause. Er ist aber nicht nur Co-Leiter der Redaktion, sondern kümmert sich als Präsident des Vereins darum, dass auch formal bei uns nichts aus dem Ruder läuft.