Beiträge der Kategorie

«“Yentl“ ist eine unglaublich starke Geschichte»

Seit 25 Jahren ist fe-m@il auf den regionalen, nationalen und internationalen Bühnen unterwegs – aktuell mit dem Klassiker «Yentl». Im Interview mit Zmitz erklärt Tanja Baumberger, Sängerin und Gründerin von fe-m@il, warum dieses Stück nichts an Aktualität verloren hat, wie die Formation entstanden ist und sich laufend weiterentwickelt, wie sie persönlich die Kulturszene erlebt und warum man die letzte Vorstellung der «Yentl»-Tournee am 17. Januar 2026 im Parktheater Grenchen auf keinen Fall verpassen sollte. 

Wie ist fe-m@il entstanden?
fe-m@il ist aus einem persönlichen Bedürfnis heraus entstanden. Ich war damals mit «CABARET» auf Tournee und später mit «Melissa» in Winterthur am Theater, und ich spielte «COMPANY» von Sondheim. Ich wollte Musik und Texte machen, die Herz und Kopf gleichermassen ansprechen – Dinge, die mich wirklich interessieren, die mir gefallen, die (m)eine Haltung widerspiegeln. Keine Kompromisse, kein Gefällig sein. Also habe ich die Initiative ergriffen und fe-m@il gemeinsam mit einer Pianistin gegründet. Es ging nicht darum, eine «Band» zu haben, sondern, einen Raum zu schaffen, in dem ich sagen, singen und spielen kann, was mir wirklich wichtig ist.

Das ist dir gelungen: fe-m@il gibt es bereits seit 25 Jahren…
Ja, offenbar bin ich nicht alleine und meine Ideen sprechen die Menschen an. In 25 Jahren konnte fe-m@il zig Produktionen auf die Bühnen stellen regional, national auch über die Landesgrenzen hinaus. Ein herrliches Team teilt diese Gedanken. Danke an dieser Stelle vor allem auch dem treuen Publikum!

Was hat es mit dem Namen fe-m@il auf sich?
Der Name ist mir buchstäblich zugeflogen – an einem Rotlicht in Rapperswil. Dieses Spiel mit „female“, „mail“, dem @-Zeichen, mit Identität und Kommunikation hat mich sofort angesprochen. Er war plötzlich da und hat gepasst. Manchmal entstehen die besten Dinge genauso.

Auf eurer Webseite steht: «fe-m@il passt in keine Schublade.» Wie würdest du eure Philosophie beschreiben?
Warum brauchen wir in der Schweiz eigentlich immer Schubladen? Jedes Fach ein Etikett, jede Kunstform eine Kategorie. Musik ist für mich etwas Ganzheitliches. Ich hatte und habe Unterricht in klassischem Gesang, habe Chanson, Musical und Clownerie, vieles andere gemacht in der Schweiz und in Hamburg und den Niederlanden – im Zentrum stehen immer die Inhalte. Ob humorvoll oder tiefgründig wie bei der Produktion «Yentl»: Es geht um Haltung, um Aussage, auch durchaus um kritisch verpackte Inhalte. Eine reine Coverband oder Party-Musik kam für mich nie infrage. Nur Hits von anderen zu singen und so zu tun, als wäre ich jemand anderes, ist mir schlicht zu langweilig. Zum Glück sehen das meine «Gspändli» auch so.

Wie hat sich fe-m@il im Lauf der Jahre weiterentwickelt?
fe-m@il hat sich immer organisch entwickelt – mit den Menschen, mit den Themen, mit den Erfahrungen. Es war nie ein statisches Projekt, sondern immer ein Prozess. Nicht geplant. Wir haben uns musikalisch, wie inhaltlich weiterbewegt, ohne den Kern zu verlieren. Musiker kamen und gingen, das ist auch klar, kein Projekt «braucht» immer das gleiche an Besetzung – der Kern war fix, die Band bestand über 20 Jahre. Da ist ein eigenes Album «gar nichts kapiert» entstanden mit einer Ode an Solothurn «Mis Soledurn», die schon an vielen Events ein Act war; sie wurde auch auf SWISS Jazz gespielt. Aber auch hier gilt wohl der Spruch mit dem Propheten im eigenen Land, das Kennen auch viele Kollegen… fe-m@il hat sich verändert, weil der musikalische Kern sich verändert hat, weil ich mich verändere. fe-m@il war nie ein fixes Konzept, sondern immer ein Spiegel dessen, was uns gerade umtreibt. Musikalisch, politisch, gesellschaftlich. Stillstand ist nie eine Option.

Wie nimmst du die Entwicklung der Kulturszene wahr – im Speziellen in der Region Solothurn?
Das ist schwierig zu sagen. Solothurn hat einzelne starke Orte: den Jazzclub in der KUGA mit einem grandiosen Programm, ein wunderbares Stadttheater in Kooperation mit dem Theater in Biel. Aber von einer eigentlichen Szene zu sprechen, fällt mir schwer. Zwischen Solothurn, Olten und Grenchen gibt es kaum Kooperation – im Gegenteil, jede Stadt kocht ihre eigene Suppe. Dabei wäre gerade das sehr wichtig. Das ist schade, sehr schade!  National sehe ich ein ähnliches Bild: Zürich dominiert, regionale Vielfalt geht verloren. Wenn ich nach Österreich schaue, sehe ich, wie Stadt und Land selbstverständlich gemeinsam abgebildet werden. Bei uns fehlt diese Selbstverständlichkeit. Am besten war das sichtbar im Magazin «G&G» auf SRF im Vergleich mit der Sendung «Seitenblicke» auf ORF. Österreich bringt es fertig, in wenigen Minuten auch kleines zu Zeigen, während in unseren Magazinen sich die gleichen Promis immer selbst huldigen. Bei uns fehlt diese Selbstverständlichkeit offensichtlich.

Wie ist die aktuelle Formation von fe-m@il zusammengesetzt?
Die aktuelle Formation besteht aus Musikerinnen und Musikern aus Solothurn und der Region. Alles Menschen mit grosser Professionalität, Spielfreude und grosser Offenheit für Inhalte. Profis, die Ihren Unterhalt grösstenteils als Musiklehrpersonen verdienen. Mit Marlis Walter bin ich seit 2002 unterwegs in vielen Programmen, mit Christoph Weibel seit 2009 und mit Christine Flückiger seit 2017. Marian Rivar kenne ich auch schon lange, Franziska Baschung und Lorenz Bendel sind zwei Namen in der Musikszene unseres Genres, die auch schweizweit unterwegs sind. Grossartige Menschen allesamt, denn wer nur nach dem monetären fragt stellt sowas nicht auf die Bühne. Thomas Dietrich ist seit 1998 Teil der Idee.
Dazu sind langjährig Martin Kuhn, Technik, und Boris Leisi an unserer Seite, ebenso Thomas Dietrich und schon lange auch Alexandra Pfister. Eine Menge Leute rund um fe-m@il.

Wie bist du auf diese Musiker:innen gekommen?
Man redet miteinander, man wagt etwas zusammen, man spinnt Ideen, man geht ein Risiko ein. Einer muss am Karren ziehen – das ist überall gleich, ob im kleinen Theater oder in grossen internationalen Produktionen. Wer zeigen will, was ihm gefällt, muss es selbst produzieren. Das ist ein Kraftakt, aber ohne diesen ersten Schritt passiert nichts.

Was war bisher das grösste Highlight von fe-m@il?
Es gibt viele Highlights in 25 Jahren fe-m@il! Die Einladung für ein Engagement in Singapur war natürlich besonders. Aber genauso unvergesslich sind kleine Vorstellungen, etwa in Schaffhausen oder im Thurgau, einfach wenn das Publikum komplett mitgeht. Die Grösse des Anlasses spielt keine Rolle – es sind die feinen, intensiven Momente, die bleiben. Für uns alle. Die Produktion um «Lilli Palmer» war mir ein Herzensanliegen, dann kam COVID, die letzte Produktion mit Bandbesetzung «Knolls Katzen» war unglaublich humorvoll, ich habe es geliebt, das Publikum auch. Auch die fünf Alben, die wir produziert haben – «gar nichts kapiert» mit 100 Prozent Eigenem – ist und bleibt ein Highlight.

Gab es auch Rückschläge?
Für mich sind Rückschläge vor allem struktureller Natur: massive Preiserhöhungen bei Mieten von Kulturräumen, geschlossene Spielstätten wie der «Kulturm» in Solothurn, fehlende Kulturredaktionen, Medien, die nur über das grosse, ewiggleiche voneinander abschreiben. Es geht viel verloren. Das mag «alt» klingen, aber es sind Tatsachen, leider. Auch der Musikmarkt um das Streaming und die Vergütung machen das Produzieren von Alben obsolet. Nichts bringt mehr liquide Mittel, das Kleine geht auch hier verloren.

Das Stück «Yentl» spielst du schon lange. Warum?
«Yentl» ist eine unglaublich starke Geschichte. Es geht um Bildung, um Wissen, um den Wunsch zu lernen. Um Liebe. Nicht KI soll unser Wissen bewahren – wir selbst wachsen durch Lernen, Lesen und Verstehen. Es geht insbesondere um die Bildung der Frauen, um Rechte, die historisch gesehen noch gar nicht so lange existieren. Vieles davon ist heutigen Generationen kaum noch bewusst, dass wird mir kläglich klar, wenn ich die Szenerie der «Insta Stars» anschaue, denen die moderne junge Frau folgt – schon fast beängstigend, was für Vorbilder wir heute haben.

Was ist die aktuelle Bedeutung von «Yentl»?
Wie erwähnt, sie ist enorm. Gerade heute, wo Oberflächlichkeit mehr zählt als Inhalt. Wenn ich mir gewisse Rollenbilder und Figuren wie zum Beispiel Kim Kardashian anschaue, frage ich mich ernsthaft,, was wir eigentlich feiern. «Yentl» hält dagegen – mit Tiefe, Musik und Humor. Die Musik, neu arrangiert von Ferdinand von Seebach, ist grossartig. Die Geschichte – von Isaac Bashevis Singer, weitergedacht durch Barbra Streisand und von Thomas Dietrich und mir, 2007 für die Bühne verfasst – ist zeitlos. Sie funktioniert heute immer noch.

Am 17. Januar 2026 findet im Parktheater Grenchen die letzte Aufführung der aktuellen «Yentl»-Tournee statt. Warum sollte man sie nicht verpassen?
Weil es wohl die letzte Vorstellung ist. Wir haben «Yentl» diesmal selbst produziert und finanziert. Neue Arrangements wurden geschrieben, neue Musik komponiert. Die Geschichte die schweizweit über 50 Mal gezeigt werden konnte, hat ein neues Kleid bekommen. Bereits sind zwei wunderbare Abende in Balsthal und im Stadttheater Solothurn über die Bühne  – beide sehr gut besucht, das Stadttheater ausverkauft. Beide Male wurde die Geschichte mit einer stehenden Ovation belohnt. Das Parktheater Grenchen ist gross, und wir hoffen auf Menschen, die bereit sind zuzuhören, einzutauchen, sich tragen zu lassen von Musik und Geschichte; Emotionen – Lachen und Weinen – liegen sich im Arm. Es ist ein intensiver Abend – und für mich und uns wohl ein Abschied.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
Ich nehme mir gerade bewusst eine Pause. Ich schreibe, male wieder und denke darüber nach, welche Rolle ich in der Kulturszene noch spielen möchte. Ich werde 56 und merke, dass ich nicht mehr strampeln will.
Marlis Walter, der musikalische Kopf unserer Formation, leitet mittlerweile die Musikschule Solotutti. Thomas Dietrich ist in Ulm tätig. Auch an der Sommer Oper Selzach war er regelmässig beteiligt – dort zeigt sich mit der neuen Leitung deutlich, wie sehr sich Strukturen verändern. Das System bleibt das System: Wenn etwas kommt, kommt es, wenn nicht, dann nicht.
Musikalisch konzentriere ich mich auf aussagekräftige Genres. Für eine neue Lesung mit Musik liegen bereits Ideen bereit – ob sie umgesetzt werden, wird sich zeigen. Wer mit am Karren ziehen möchte, ist herzlich eingeladen.

fe-m@il ist nur eines deiner Engagements…
Ja. Beruflich bin ich seit 2018 als Sprachgestalterin und Sprachtherapeutin sowie als Kunsttherapeutin an öffentlichen Schulen und in meiner Praxis atem-stimme-sprache in Solothurn tätig. Ich begleite Gross und Klein in Sprache, Spracherwerb, deren Herausforderungen und Präsentation, übernehme kleine Regiearbeiten und unterstütze Theatergruppen, Puppenspieler:innen, Politiker:innen, Pfarrer:innen oder Polizist:innen dabei, an ihrem Handwerk zu feilen und sich weiterzuentwickeln im Bereich der Sprache – dem authentischen Sprechen und Fesseln einer Zuhörerschaft. Ich liebe «es»!

Fotos: Roger Stöckli

fe-m@il

fe-m@il

Marlis Walter.

Marlis Walter

Christoph Weibel.

Christoph Weibel

Franziska Baschung.

Franziska Baschung

Lorenz Bendel.

Lorenz Bendel

Marian Rivar.

Marian Rivar

Christine Flückiger.

Christine Flückiger

fe-m@ail

fe-m@il

„Wir wollen ein schönes, hochwertiges Festival machen, an dem man sich einfach wohlfühlt“

Das hat Solothurn gefehlt, die Vorfreude wächst: Vom 6. bis 15. August 2026 findet das erste Openair Solothurn statt – einige Acts sind schon bekannt, der Vorverkauf hat bereits begonnen. Matthias Freiburghaus (Foto), einer der engagierten Festivalmacher:innen, erklärt im Interview mit zmitz die Idee, die dahinter steckt, was die Besucher:innen erwartet und warum man sich unbedingt jetzt schon ein Ticket sichern sollte.

Wie seid ihr auf die Idee eines neuen Open Airs in Solothurn gekommen?
Solothurn ist kulturell unglaublich vielfältig, gleichzeitig aber auch eine Stadt mit hohen Ansprüchen an Qualität, Atmosphäre und Identität. Aus Gesprächen unter Kulturschaffenden, Veranstalter:innen und Musikliebhaber:innen entstand der Wunsch, ein Openair zu entwickeln, das genau diese Qualitäten aufnimmt.

Was war die Idee dahinter?
Die Idee war von Anfang an, kein bestehendes Format zu kopieren, sondern etwas Eigenständiges zu schaffen: ein Openair, das zur Stadt passt, direkt vor den Toren der Altstadt stattfindet und bewusst als Konzert- und Kulturfestival gedacht ist. Überschaubar in der Grösse, aber gross im Anspruch. Ein Festival, das sich Zeit nimmt für Musik, Begegnung und ein stimmiges Gesamterlebnis.

Was kannst du sonst noch sagen zu eurer Philosophie?
Unsere Philosophie ist es, ein schönes, hochwertiges Festival zu machen, an dem man sich einfach wohlfühlt. Wir setzen bewusst auf Qualität statt Masse und auf Atmosphäre statt Reizüberflutung. Das Openair Solothurn soll ein Ort sein, an dem man gerne ankommt, bleibt und wiederkommen möchte.
Im Zentrum steht die Musik – sorgfältig kuratiert, vielfältig und generationenübergreifend. Schweizer Top-Acts, internationale Gäste und regionale Nachwuchstalente sollen gleichermassen Platz haben. Dabei geht es uns nicht nur um bekannte Namen, sondern um ein Gesamtprogramm, das überrascht, inspiriert und zusammenpasst. Ergänzend können punktuell auch andere kulturelle Formate wie Comedy oder familienfreundliche Inhalte einfliessen.

Und was läuft drum herum?
Das ist genauso wichtig wie das Programm: eine angenehme Infrastruktur, kurze Wege, gute Sicht, faire Preise, regionale Gastronomie und eine entspannte Stimmung. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Respekt im Umgang miteinander sind für uns selbstverständlich. Wir möchten ein Festival schaffen, das nicht laut sein muss, um stark zu wirken – sondern durch Haltung, Detailverliebtheit und Herzblut überzeugt.

Wie seid ihr organisiert?
Das Openair Solothurn ist als Verein organisiert und wird von einer klar strukturierten Festivalleitung getragen. Das Kernteam besteht aus erfahrenen Kultur- und Eventprofis aus Solothurn und der Region, die seit vielen Jahren Veranstaltungen planen, umsetzen und weiterentwickeln. Ergänzt wird dieses Team durch ein engagiertes Organisationskomitee.

Da steckt sicher viel Eigenleistung drin…
Ja. Viele Stunden Arbeit fliessen ehrenamtlich in Konzept, Planung und Umsetzung. Das Openair entsteht nicht als kurzfristiges Projekt, sondern mit dem Anspruch, sich langfristig zu etablieren. Diese Kombination aus Professionalität, regionaler Verankerung und persönlichem Engagement prägt das Festival von Beginn an.

Warum sollten die Leute bereits jetzt ein Ticket sichern?
Wer jetzt ein Ticket kauft, sichert sich nicht nur den Eintritt zu einem Festival, sondern unterstützt aktiv die Kultur in Solothurn. Das Openair Solothurn ist ein neues Format, das stark von persönlichem Engagement und Herzblut getragen wird – und genau davon lebt es auch.
Mit dem Ticketkauf wird die Vision eines stilvollen, lokal verankerten Openairs möglich gemacht. Man ist von Anfang an Teil eines Projekts, das bewusst wächst, sorgfältig aufgebaut wird und der Stadt etwas zurückgeben möchte. Und nicht zuletzt: Es ist die Einladung, im August 2026 gemeinsam besondere Abende mit Musik, Atmosphäre und Begegnung zu erleben – direkt in Solothurn.

Luumu – mit dem neuen Album back to the roots: „Im Kreuz Solothurn hat alles begonnen“

Ende Oktober ist das neue Album von Luumu erschienen, am 15. November 2025 tritt die Band von Adina Friis im „Kreuz“ in Solothurn auf. Wir haben mit der Sängerin, Pianistin und Komponistin über das neue und künftige Projekte von Luumu, über ihre persönliche Beziehung zu Solothurn und Region und über die Bedeutung von Kunst und Kultur gesprochen. 

Adina, Ende Oktober bringst du mit deiner Band Luumu ein neues Album heraus. Was hat es mit dem Titel „SGoldige Rad“ an sich?
„S’Goldige Rad“ ist das Titelstück des Albums. Ich habe das Lied für ein Projekt mit dem Titel „Leben in Anbetracht der Endlichkeit“ für das vocal Ensemble stimmig! aus Solothurn geschrieben. Der Chorleiter hat mich dazu ermutigt ein Lied in CH-Deutsch zu schreiben und ich habe mich lange geweigert. Plötzlich kam mir dann aber trotzdem ganz spontan am Abend vor der ersten Probe etwas in den Sinn und es musste einfach schweizerdeutsch sein, das war nicht verhandelbar.

Das tönt spannend. Wie klingt das Lied?
Es klingt wie ein altes Volkslied und wurde von dem Chor a-capella gesungen. Ich habe das Lied dann zusammen mit Simon Iten, unserem Bassist bei Luumu, an einem privaten Konzert gespielt und das Publikum hat sehr gut darauf reagiert. An diesem Abend habe ich zum ersten Mal erfahren, wie schön es ist, wenn das Publikum die Texte wirklich versteht und kurzerhand beschlossen, ein ganzes Album mit Mundartliedern zu schreiben. Das ist zwei Jahre her. Dass das Album so heissen wird, wie das Lied, welches all dies in Gang gesetzt hat, war von Anfang an ziemlich klar.

Du bist Sängerin, Pianistin, Komponistin, Bandleaderin … Wie bringst du das unter einen Hut?
Ja, das frage ich mich auch ständig. In dem ich meistens allem irgendwie etwas hinterherhinke 😉 Und das sind ja nur die musikalischen Tätigkeiten. Dazu kommt noch Managerin der Band, Bookerin, Fundraisering, Organisatorin aller Proben und Koordination der MusikerInnen, die mitspielen und noch ganz viel mehr. All dies macht den grössten Teil des Jobs aus. Ich weiss nicht genau, wie ich – und all die anderen Bandleaderinnen da draussen – das mache(n) aber ich weiss, dass ich mich viel lieber nur auf die Musik konzentrieren würde.

Warum?
Die anderen Dinge sind ja streng genommen nicht das, was ich studiert habe und mein Job wären. Das Gefühl, dass die Musik zu kurz kommt, ist auf jeden Fall immer dabei. Aber ich habe diesen Weg vor langer Zeit eingeschlagen und all die Aufgaben gehören halt einfach dazu, darum macht man sie auch einfach. Obwohl viele von uns immer wieder daran denken, was anderes zu machen, gewinnt die Musik am Ende doch immer wieder, weil es halt das ist, was ich am meisten liebe von allem und ohne das ich mir ein Leben nicht vorstellen kann.

Luumu bleibt in stetiger Entwicklung, steht auf eurer Webseite. In welcher Phase seid ihr aktuell?
Jetzt, nach 15 Jahren, sind wir in der Phase, in der wir ein Album auf Schweizerdeutsch rausbringen. Wir haben alles Mögliche gemacht: mit Streichquartett oder Bläsern oder beidem gespielt, waren ganz früher mal fast eine Jazzband, was wir nun definitiv nicht mehr sind, haben ein Programm mit Animationsvideos, nun spielen wir zum ersten Mal ein Konzert mit einer zusätzlichen E-Gitarre zu dem grossen Ensemble. Ich denke, wir sind in der Phase „immer weiter machen, egal was kommt“.

Dann sind wir ja gespannt, was da noch so alles kommt…
Für die kommenden Jahre habe ich auf jeden Fall schon einige Ideen, die wieder in eine ziemlich andere Richtung gehen. Und ich will die Animationsvideo-Idee weiterentwickeln, damit wir in 1-2 Jahren ein volles Programm von etwa einer Stunde mit Animationen haben und auf diese Art eine ganz andere Form von immersiven audio-visuellen Konzerten spielen können.

Wie ist deine Beziehung zur Stadt und Region Solothurn?
Ich bin da aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Eltern wohnen da. Es ist der Ort, an den ich über Weihnachten zurückkomme und auf Schnee hoffe. Der Ort, wo noch einige alte Freunde wohnen. Und der Ort, wo Luumu gegründet wurde mit dem ersten Konzert im Kreuz. Also ja, es ist schon ein Stück weit immer noch meine Heimatstadt, auch wenn ich schon eine Weile nicht mehr da wohne. Es ist auch ein Ort, wo ich immer eine sehr schöne Wertschätzung meiner Musik gegenüber spüre. Das trägt beträchtlich zu einem Heimatsgefühl bei.

Am 15. November 2025 tritt Luumu um Kreuz Solothurn auf: Warum sollte man/frau das Konzert nicht verpassen („Werbespot“)?
Weil man nie etwas falsch macht, wenn man sich auf ein Konzert mit Live-Musik einlässt. Weil es der Seele und dem Kopf immer guttut, sich auf etwas substanzielles einzulassen und einen Moment lang in etwas kunstvolles einzutauchen. Mir zumindest gibt es unglaublich viel, jedesmal wenn ich an ein Konzert gehe oder ins Theater oder wenn ich ein Buch lese. Ohne diese Ebene könnte ich mir nicht vorstellen, ein Leben zu führen. Es erinnert mich immer wieder auch daran, wer ich bin und dass das Leben mehr Tiefe zu bieten hat als der oberflächliche Alltag, in dem die meisten von uns gefangen sind.

Was bedeuten für dich Musik und Kunst?
Es sind Ausdrucksformen des Menschseins. Sie spiegeln unsere Gefühle, Fragen und Träume wider – und verbinden uns über Sprache und Grenzen hinweg. Wenn wir ein Konzert besuchen oder eine Ausstellung betrachten, eine Geschichte lesen, einen guten Film schauen, eine Tanzaufführung oder Oper sehen, treten wir aus dem Alltag heraus und erleben, was uns im Innersten bewegt. Kunst öffnet Räume für Empathie, Nachdenken und Gemeinschaft. Mich fasziniert zum Beispiel immer, wie stark eine Zusammengehörigkeit sein kann, wenn eine noch so grosse Menschenmenge an ein Konzert einer Band oder Künstler:in in einen Raum zusammengepfercht den Abend verbringt. Die verschiedenen Kunstformen erinnern uns daran, dass wir mehr sind als Funktion und Routine – dass wir fühlen, staunen und schöpferisch sein können – das muss ja nicht unbedingt in einer ausgeübten Kunstform sein, sondern kann überall im Leben einfliessen.

Die Corona-Pandemie war ein ziemlicher Einschnitt für viele Kulturschaffende…
Ja, nach Corona ist viel Schönes verloren gegangen und ich persönlich finde, dass den Menschen damit ein essentieller Teil an sowohl intellektueller Stimulation, wie auch emotionalem Zugang zu unserem eigenen Dasein verlorengeht. Konzerte sind oft sehr schlecht besucht und das allgemeine Interesse scheint verloren zu gehen. Ich will mir lieber nicht vorstellen, was es mit der Menschheit in den kommenden Generationen macht, wenn diese Ebenen verlorengehen. Zwei Freunde von mir sind Kanti-Lehrer und nehmen manchmal Schulklassen an ein Konzert oder in eine Oper mit. Das freut mich immer sehr, wenn ich sowas höre oder sogar selber in ein Publikum mit jungen Menschen blicke. Das wirkt diesem Mechanismus etwas entgegen.

Webseite: https://www.luumu.ch/

Luumu-Bandbild. Illustration: Joana Locher; Foto: Jürg Lauber.

Der Vorhang fällt!

Nach zwölf Jahren ist es auch für zmitz-Gründerin und Co-Redaktionsleiterin Lucilia Mendes von Däniken an der Zeit, sich von zmitz zurückzuziehen. Wehmut steckt in den Zeilen des Abschiedstext. Aber auch viel Dankbarkeit: Für erfüllende Erlebnisse in der Kulturregion Solothurn.

(mehr …)