Sie dreht für ARD, ZDF und Kino – doch wenn sie nach Hause zurückkehrt, warten zuerst Käse und Zopf vom Märet. Im Interview mit Zmitz spricht die Schauspielerin Olivia Lina Gasche über ihre tiefe Verbundenheit zur Heimat, ihren Weg vor die Kamera, ihre aktuellen und nächsten Projekte sowie den Mut, künstlerische Träume aus einer „Provinzstadt“ hinaus in die Welt zu tragen.
Du bist jetzt doch schon ein paar Jahre weg von Solothurn. Kein Heimweh?
Ich bin in Solothurn geboren und in Derendingen aufgewachsen. In meiner Jugend habe ich viel Zeit in Solothurn verbracht und später bin ich dann auch nach Solothurn gezogen – ich würde mich also als „Stadtsolothurnerin“ bezeichnen. Natürlich gehört Heimweh dazu. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Ein Teil meines Herzens wird auf jeden Fall immer in und für Solothurn schlagen.
Welche Beziehung pflegst du noch zur Heimat?
Ich fahre mehrmals im Jahr nach Solothurn, um meine lieben Menschen dort zu besuchen. Allen voran meine Mama – sie ist einfach wundervoll und verwöhnt mich immer mit leckerem Käse und Zopf vom Märet 🙂 Daneben habe ich natürlich meine Solothurner Freundschaften, darunter einige seit über 25 Jahren. Trotz der Distanz sind wir uns sehr nah, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Ausserdem liebe ich die Fasnacht in Solothurn! Sie ist schweizweit einfach die beste 🙂 Als Kind war ich ein paar Jahre bei den 11i Schränzern.
Wie bist du kulturell mit Solothurn verbunden?
2019 durfte ich vom Kuratorium für Kulturförderung den „Förderpreis Theater“ entgegennehmen – ein Moment, der mir bis heute viel bedeutet. Diese Wertschätzung hat mich unglaublich bestärkt. Einen Teil des Preisgeldes habe ich direkt in meinen ersten selbstproduzierten Kurzfilm „Morgan“ investiert. Der Film zeigt einen Einblick in das Leben einer jungen Frau, die mit ihrem Leben und mit sich unzufrieden ist. In einer Bar trifft sie auf „B“, welche sich den Fragen Morgans annimmt- nur nicht so, wie sich das Morgan vielleicht gewünscht hätte. Wer Lust hat kann ihn sich auf YouTube anschauen.
Spannend! Hattest du weitere Projekte hier?
Eine Zeit lang habe ich – immer mal wieder an Wochenenden für den tollen Verein f ilmkids.ch in Solothurn Workshops für Kinder gegeben. Eine Arbeit, die mir unglaublich viel Spass gemacht hat und hoffentlich bald wiederaufnehmen kann.
2021 habe ich mit dem Regisseur und Filmmusikkomponisten Martin Skalsky den Kurzfilm „Wie der Wind dreht“ unter anderem in Solothurn gedreht. Ich finde überhaupt: Es sollte mehr in Solothurn gedreht werden – schaut euch diese wunderschöne Stadt an! Und natürlich besuche ich wahnsinnig gerne die Solothurner Filmtage.
Haben dich deine Solothurner Wurzeln in deiner Entwicklung als Schauspielerin irgendwie beeinflusst? Oder ist es egal, woher man kommt?
Als Kind habe ich im Solothurner Stadttheater Pippi Langstrumpf gesehen – da dachte ich mir: Das will ich auch! Also wurde meine Leidenschaft für Schauspiel wohl tatsächlich in Solothurn geweckt :)
Ich denke, prinzipiell ist es egal, woher man kommt. Wichtig ist, für sich herauszufinden, was man im Leben möchte, was einem wichtig ist und dann seinen eigenen, ganz individuellen Weg zu finden und ihn versuchen zu gehen. Gleichzeitig glaube ich, dass die aktuellen Zeiten, in denen Krieg und Armut noch immer den Alltag von Millionen Menschen prägen, uns immer wieder vor Augen führen sollten, welch grosses Privileg es ist, in Frieden aufzuwachsen. Sie zeigen uns, dass es nicht egal ist, woher man kommt. Es ist ein Privileg und ein Glück, in einem Land aufzuwachsen, das einen guten Zugang zu Bildung und kulturellen Angeboten bietet – und einem dadurch die Freiheit gibt, künstlerische Wege überhaupt ausprobieren zu können.
Du hast die Filmtage erwähnt, Solothurn ist aber für Europa wohl eher tiefe Provinz. Ein Nachteil für dich?
Ich sehe das nicht als Nachteil. Selbst wenn es jemand als „Provinz“ betrachtet – dann kann er oder sie mich ja kennenlernen und schauen, wie viel Provinz tatsächlich in mir steckt 😉 Die meisten, die mich fragen, woher ich komme, finden es eher spannend und versuchen sofort, etwas auf Schweizerdeutsch zu sagen.
Woran arbeitest du gerade? Wann und wo kann man dich sehen?
Am 21. November lief im ARD «Kanzlei Liebling Kreuzberg – Bewährungsprobe» (Regie: Andreas Menck, Produktion: Odeon Fiction GmbH). Dort bin ich als Kim, eine taffe Bauwagenplatzbewohnerin, zu sehen. Am 28. November läuft im ZDF «Bettys Diagnose – Apfel im Schlafrock“ (Regie: Tina Kriwitz, Produktion: Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH). Ich verkörpere eine der Episodenhauptrollen: Janina Paffen, eine Frau, die vor einer schwierigen Entscheidung steht. Am selben Tag erscheint die ZDFneo-Serie House of Bellevue in der ZDF-Mediathek, im TV ist sie ab dem 2. Dezember auf ZDFneo zu sehen (Regie: Kai S. Pieck, Toby Chlosta, Gabriel B. Arrahnio; Produktion: Don’t Panic Films GmbH). Dort bin ich in Folge 6 als nicht allzu charmante Nora mit dabei. Darüber hinaus habe ich diesen Oktober für den Kinofilm „Block 10“ gedreht (Regie: Marcus O. Rosenmüller; Idee & Drehbuch: Alice Brauner; Produktion: CCC Filmkunst GmbH) – ein Film, der mir besonders am Herzen liegt. Ein Film gegen das Vergessen. Er thematisiert die grausamen medizinischen Experimente im Konzentrationslager Auschwitz.
Was sind deine nächsten Projekte?
Zuallererst arbeite ich mit meiner Freundin und Arbeitskollegin Tizia Florence Holzer weiter an unserem Langspielfilmprojekt „Ende.Wurst (AT)“. Für 2026 gibt es erste Anfragen – und sollten Zusagen folgen, freue ich mich dann natürlich auch ganz offiziell 😉 Momentan ist noch alles offen, dennoch blicke ich mit viel Vorfreude und Neugier auf das neue Jahr, das sicherlich spannende und tolle Projekte bereithalten wird.
Ein Bond-Girl suchen sie auch immer wieder. Wäre das was für dich?
Auf jeden Fall! Ich liebe Action und Herausforderungen – und die Gage wäre bestimmt auch nicht schlecht 😉 Wahrscheinlich müsste ich jedoch noch ein wenig an meinem Englisch und meinem Akzent feilen. 😉
Würdest du gerne wieder in einer Schweizer Produktion mitspielen?
Ja, wahnsinnig gerne. Da hätte ich wirklich grosse Lust darauf. Und ich finde, es wird auch langsam mal wieder Zeit 😉 Auch eine Deutschland-Schweiz Koproduktion würde mich wahnsinnig reizen.
Wie beurteilst du nach einigen Jahren Deutschland-Erfahrung die hiesige, die Schweizer Filmszene?
Die Schweiz hat viele tolle und talentierte Künstler*innen – vor und hinter der Kamera. Ich habe das Gefühl, die Schweizer Filmbranche hat Lust, grösser und auch international sichtbarer zu werden. Es gibt ja immer wieder Produktionen, die es über die Grenze hinaus schaffen. Das finde ich großartig! Für ein Land dieser Grösse ist es besonders wichtig, neue Wege zu gehen: mutig zu sein, neue Geschichten zu erzählen und auch neue Gesichter zu zeigen.
Was würdest du einer jungen Person raten, die Schauspielerin werden möchte?
Wenn dein Herz dafür schlägt, dann würde ich es auf jeden Fall versuchen. Aber wenn der eigentliche Traum „berühmt werden“ ist, würde ich raten, einen anderen Weg zu gehen bzw. eine andere Beschäftigung zu suchen. Ich finde das nach wie vor einen seltsamen Antrieb für diesen Beruf. Denn am Ende ist es eben ein Beruf – und kein Tanz über den roten Teppich. Aber wenn man ihn ausüben kann und das Herz zu 100 Prozent dafür schlägt, dann gibt es nichts Schöneres.
Webseite der Schauspielerin: Fotos von Olivia Lina Gasche – Schauspielerin Olivia Lina Gasche

Szene aus der ZDF-Serie „Bettys Diagnose“ mit Olivia Lina Gasche. (ZDF)

Foto vom Kurzfilm „Wie der Wind dreht“ in Solothurn – Olivia Lina Gasche spaziert über die Kreuzackerbrücke.
Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.
