Foto © Simon von Gunten.
Am Samstag, 26. September 2026, findet im Alten Spital Solothurn das interkulturelle SPAZIO-Fest statt. Im Gespräch mit Zmitz erklärt Patrizia Lehmann, neue Betriebsleiterin der Institution, was die Teilnehmenden am Fest erwartet, welche Schwerpunkte das Alte Spital setzen will und welches ihre ersten Erfahrungen seit ihrem Start im Mai 2026 waren – und: Sie kündigt an, dass das «Restaurant Altes Spital», das in den letzten Jahren jeweils nur im Sommer in Betrieb war, am 5. November 2026 wieder ganzjährig seine Türen öffnen wird.
Ist das SPAZIO-Fest vom 26. September 2026 ein neues Format im Angebot des Alten Spitals?
Ganz neu ist die Idee eines interkulturellen Festes im Alten Spital nicht. Früher gab es das Ausländerfest, später das Freundschaftsfest. Danach fand lange kein vergleichbarer Anlass mehr statt. Mit dem SPAZIO-Fest knüpfen wir an diese Tradition an und interpretieren sie neu. Im Zentrum steht die Vielseitigkeit unserer Region: Unterschiedliche Menschen, Kulturen, Sprachen, Geschichten und Perspektiven kommen zusammen. Das Fest richtet sich ausdrücklich an alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur.
Wie ist das SPAZIO-Fest entstanden? Und was erwartet die Besuchenden?
Das Fest wurde von unserem Integrationsteam gemeinsam mit verschiedenen Communities entwickelt. Das ist uns wichtig: Wir wollen nicht nur ein Programm für Menschen gestalten, sondern gemeinsam mit ihnen. Das SPAZIO-Fest verbindet Wissen, Austausch, Kulinarik und Musik. Ab 16.30 Uhr sind die Bar und eine Earth-Radio-Installation geöffnet. Um 17 Uhr spricht Atina Tabé zum Thema «Rassismus & Heimat». Anschliessend findet eine von Maryam Sediqi von AWAS moderierte Podiumsdiskussion statt. Ab 18 Uhr laden Spezialitäten aus Afghanistan, Marokko und Spanien zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Ab 19 Uhr folgen Konzerte von Maqsood Sadid und Hafi z Hamnawa mit afghanischer Musik sowie von Hermanos Perdidos mit World-, Latin- und Punk-Klängen.
Und das Ganze ist gratis?
Genau, der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir wünschen uns einen unkomplizierten Begegnungsabend, an dem man Neues entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und die kulturelle Vielfalt der Region Solothurn gemeinsam feiern kann.
«Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.»
Verstärkt ihr allgemein euer Engagement im Bereich Integration und Migration?
Integration gehört bereits seit Langem zu den wichtigen Aufgaben des Alten Spitals. Wir führen im Auftrag der Stadt Solothurn die Fachstelle Integration und sind damit für die operative Integrationsarbeit der Stadt zuständig. Es handelt sich also nicht um ein neues Engagement, wir möchten diese Arbeit und ihre Wirkung künftig aber stärker sichtbar machen.
Was heisst das konkret?
Die Fachstelle entwickelt soziokulturelle Angebote, Projekte und Veranstaltungen, die Begegnungen ermöglichen und Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander vernetzen. Sie begleitet Migrantinnen und Migranten in ihren Anliegen, schafft Räume für Empowerment und fördert zivilgesellschaftliches Engagement. Gleichzeitig arbeitet sie eng mit anderen Organisationen zusammen und engagiert sich in verschiedenen Netzwerken.
Mit Formaten wie dem SPAZIO-Fest wird diese Arbeit für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar. Das Fest steht beispielhaft für unser Verständnis von Integration: Menschen gestalten gemeinsam etwas, kommen miteinander ins Gespräch und erleben Vielfalt als Bereicherung.
«Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum.»
Wo setzt ihr eure weiteren Schwerpunkte – auch angesichts der knappen finanziellen Mittel?
Gerade bei knappen Mitteln müssen wir unsere Kräfte gezielt einsetzen. Unser Schwerpunkt liegt deshalb zunächst darauf, die bestehenden Angebote zu stärken, besser miteinander zu verbinden und ihre Wirkung sichtbarer zu machen.
Das Alte Spital vereint Soziokultur, Kultur, Gastronomie, Seminare, Vermietungen sowie verschiedene Freizeit- und Begegnungsangebote. Wichtig ist mir dabei: Nicht bei allen Tätigkeiten steht unser Haus im Zentrum. Gerade in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit arbeiten wir im Auftrag verschiedener Gemeinden in der ganzen Region. Unsere Mitarbeitenden sind dort präsent, wo die Kinder und Jugendlichen leben und ihre Freizeit verbringen. Das Alte Spital bildet in diesen Fällen die organisatorische und fachliche Basis, die konkrete Arbeit geschieht jedoch vor Ort in den Gemeinden.
Ihr seid sehr vielseitig tätig…
Diese Vielseitigkeit ist eine grosse Stärke, bringt aber auch eine gewisse Komplexität mit sich. Ich sehe viel Potenzial darin, die einzelnen Bereiche noch stärker als Teil eines gemeinsamen Ganzen zu verstehen – ohne ihre unterschiedlichen Aufgaben und Arbeitsweisen aus den Augen zu verlieren. Wir müssen nicht überall etwas Neues erfinden. Oft liegt der grösste Gewinn darin, Bestehendes weiterzuentwickeln, Synergien zu nutzen und mit Gemeinden, Institutionen, Vereinen und weiteren Partnerinnen und Partnern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig müssen wir unsere betrieblichen Grundlagen stärken, damit möglichst viele Ressourcen direkt in unsere Angebote und deren Wirkung fliessen können.
«Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen.»
Was ist eigentlich mit dem Restaurant im Alten Spital? Das ist ja ebenfalls ein Begegnungsort, war aber in den vergangenen Jahren immer nur im Sommer geöffnet.
Das Restaurant öffnet am Donnerstag, 5. November 2026, wieder seine Türen. Es wird jeweils von Donnerstag bis Samstag am Abend offen sein. Damit möchten wir das Alte Spital auch in der kälteren Jahreszeit stärker beleben. Unser Haus soll nicht nur bei Veranstaltungen oder im Sommergarten ein Treffpunkt sein, sondern auch im Winter ein Ort, an dem man sich begegnet, gemeinsam isst und einen schönen Abend verbringt.
Wie sieht das Konzept für das Restaurant aus?
Das Konzept ist bewusst klein und fokussiert: wenige Gerichte, hochwertige Produkte und eine sorgfältige Zubereitung. Im Mittelpunkt stehen ausgewählte Edelstücke vom Rind, ergänzt durch ein eigenständiges vegetarisches Hauptgericht. Mit 35 Plätzen bleibt das Restaurant persönlich und überschaubar. Auch der Name «Restaurant Altes Spital» ist bewusst einfach gehalten. Er schafft eine klare Verbindung zum Haus und lässt gleichzeitig Raum für die weitere Entwicklung.
«Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.»
Du bist erst seit einigen Monaten Betriebsleiterin des Alten Spitals. Wann genau hast du begonnen, und wie wurdest du aufgenommen?
Ich habe die Betriebsleitung am 1. Mai 2026 übernommen und wurde sehr herzlich aufgenommen. In den ersten Wochen war es mir wichtig, vor allem zuzuhören, die Mitarbeitenden kennenzulernen und die verschiedenen Bereiche und Aufgaben zu verstehen. Besonders beeindruckt haben mich die Vielseitigkeit des Alten Spitals und das grosse Engagement der Mitarbeitenden. Unter dem Dach unserer Organisation finden Kinder- und Jugendarbeit, Integration, Quartierarbeit, Kultur, Gastronomie, Seminare und zahlreiche weitere Aktivitäten statt. Ein Teil davon spielt sich im Alten Spital selbst ab, andere Angebote wirken weit über das Haus hinaus. Besonders unsere soziokulturellen Mitarbeitenden sind in verschiedenen Gemeinden der Region direkt vor Ort tätig. Diese Vielfalt macht die Organisation lebendig und einzigartig. Gleichzeitig ist der Betrieb dadurch anspruchsvoll. Gerade darin sehe ich aber ein grosses Potenzial: Wenn wir unsere verschiedenen Kompetenzen und Angebote noch stärker miteinander verbinden, kann sehr viel entstehen.
Du warst bisher im Kommunikationsbereich tätig. War der Wechsel in eine neue Welt schwierig?
Für mich ist es weniger ein Wechsel in eine völlig neue Welt als eine Erweiterung meiner bisherigen Tätigkeit. Ich war bereits um 2008 Geschäftsführerin einer Online-Agentur in Zürich. Ich weiss deshalb, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen, Verantwortung für Mitarbeitende und Finanzen zu übernehmen und unterschiedliche betriebliche Anforderungen zusammenzubringen.
Auch in meiner späteren Arbeit in Kommunikation und Marketing ging es nie nur um Texte oder einzelne Kommunikationsmassnahmen. Ich habe Unternehmen und Organisationen begleitet, Projekte koordiniert, unterschiedliche Anspruchsgruppen zusammengebracht und mich intensiv mit Strukturen, Angeboten und strategischen Fragen auseinandergesetzt.
Was kannst du von deinen bisherigen beruflichen Erfahrungen einbringen?
Diese Erfahrungen helfen mir heute sehr. Kommunikation bedeutet für mich auch, gut zuzuhören, Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und gemeinsame Ziele verständlich zu machen. Dazu kommen meine Erfahrungen in Organisation, Projektarbeit und Führung.
Natürlich gibt es neue Themen, in die ich mich vertiefen muss. Aber genau das finde ich spannend. Das Alte Spital verbindet vieles, was mich interessiert: gesellschaftliches Engagement, Kultur, Begegnung, Gastronomie, Organisation und Kommunikation.
«Unsere Arbeit steht für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.»
Zum Schluss: Welche Botschaft im Zusammenhang mit dem Alten Spital Solothurn ist dir besonders wichtig?
Das Alte Spital ist weit mehr als ein Veranstaltungsort oder ein Gebäude mit verschiedenen Angeboten. Es ist eine vielseitige Organisation, die Menschen innerhalb und ausserhalb des Hauses erreicht: Kinder und Jugendliche, Kulturschaffende, Vereine, Unternehmen, Menschen aus verschiedenen Ländern und Generationen sowie Gäste aus Solothurn und der ganzen Region.
Einige Begegnungen finden bei uns im Haus statt, andere direkt in den Gemeinden. Entscheidend ist nicht, dass dabei immer das Alte Spital im Zentrum steht. Entscheidend ist die Wirkung: Menschen zusammenzubringen, Teilhabe zu ermöglichen und Räume für Ideen, Austausch und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Diese Vielseitigkeit möchten wir bewahren und gleichzeitig weiterentwickeln. Das SPAZIO-Fest bringt sehr schön auf den Punkt, wofür unsere Arbeit stehen kann: für Offenheit, Begegnung, gesellschaftliche Teilhabe und die Freude daran, Unterschiede nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu erleben.
- Webseite Altes Spital Solothurn: Altes Spital Solothurn | Kultur, Räume & Soziokultur
- Infos zum SPAZIO-Fest: SPAZIO Fest – Begegnungen über Grenzen hinweg

Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.
