Sally Jo Rüedi (l.) und Nadia Bacchetta.

 

Sally Jo Rüedi und Nadia Bacchetta, das sind die zwei Frauen hinter dem Festival OrgelSOunds Solothurn, das am 23. und 24. Oktober 2026 erstmals stattfindet. Die beiden Organistinnen erklären, wie sie auf die Idee für den Event gekommen sind, was die Philosophie dahinter ist, was die Besucher:innen erwartet … und warum auch eine Orgel durchaus sexy sein kann.

Wie seid Ihr auf die Idee für OrgelSOunds Solothurn gekommen?
Sally: Orgelkonzerte haben eine lange Tradition in Solothurn und die Sommerkonzerte in der Kathedrale sowie der Orgelspaziergang haben immer grossen Anklang gefunden. Wir wollten aber vermehrt die Vielfalt der Orgellandschaft in Solothurn zeigen und auch die Stadtkirche und die Franziskanerkirche, wo Nadia und ich arbeiten, mehr einbeziehen. Die Orgeln in diesen Kirchen sowie die Räume sind wunderbare kulturelle Ressourcen.
Beim gemeinsamen Pizzaessen vor mehr als zwei Jahren haben wir ein erstes Brainstorming gemacht und bald kam Nadia auf eine Idee: «Sally, wir machen ein Orgelfestival! Nicht ein normales – ganz etwas Neues!» Sie ist so wunderbar kreativ und die Ideen sind gleich gesprudelt, von Orgel-Yoga über Orgel-Battle bis hin zu Orgel-Disco! Vieles davon konnten wir nun wirklich umsetzen!

Normalerweise arbeitet ihr ja getrennt…
Nadia: Als Organistin macht man halt mehrheitlich sein Ding in seiner Nische – sprich Kirche –, dabei können so kreative Konzertformate entstehen, wenn man zusammenspannt. Für mich war es vor allem dieser Gedanke: etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Gemeinsam Ideen zu spinnen, auszuprobieren und auch mal etwas Verrücktes zu wagen, macht einfach Spass. Und wir beide machen seit vielen Jahren Formate abseits der klassischen Orgelkonzerte. Unser Publikum weiss und schätzt das, aber das möchten wir mit dem Festival auch einer breiteren Öffentlichkeit zeigen: so sexy ist die Orgel.

Echt jetzt? Es gibt doch einige Instrumente, die sexyer sind…
Sally: Nein, sicher nicht! Die Orgel ist das obercoolste Instrument, das es gibt! Stell dir vor, wie es ist, ein ganzes Orchester vor dir zu haben, das einem klanglich jeden Wunsch erfüllt … vielleicht nicht ganz, aber es gibt Orgeln, die sehr nah drankommen! Ich selber habe die Orgel als Kind durch einen Nachbarn kennengelernt. Er war begeistert von Orgeln und hat sie zuhause in seiner Garage selber gebaut. Sein Haus war voll davon! Das hat mich geprägt…
Nadia: Also es gibt sicher Instrumente, die man besser in einen Koffer packen kann oder die man auch zu Hause üben kann, aber sexyer … da fällt mir beim besten Willen nichts ein. Spass beiseite: Ich war als Teenager sehr scheu und mochte es nicht, dass man mich beim Klavierspielen auf der Bühne anschauen konnte. Und ich habe dann schon nach den ersten Orgelstunden gemerkt: Ja, das ist mein Instrument, und nicht nur wegen der Privatsphäre auf der Empore. Mich hat fasziniert, wie man stundenlang an Klängen tüfteln kann, und ich liebe die Haptik, die ist ja schon ganz anders als beim Klavierspielen. Und natürlich: Dieser überwältigende Klangrausch an einem schönen Instrument, das ist schon eine 10 von 10.

«Die Orgel ist sooo ein cooles Instrument!»

Zurück zu OrgelSOunds Solothurn: Was ist die «Philosophie» des Festivals?
Nadia: Ich finde, die Orgel ist viel mehr als dieses ehrwürdige Kircheninstrument irgendwo auf einer Empore. Sie ist sooo ein cooles Instrument, und dabei ist jede Orgel anders. Wir beide brennen für dieses Instrument und möchten natürlich ein bisschen von unserer Liebe und Begeisterung allen Menschen mitgeben. Uns interessieren dabei besonders auch die Leute, die sonst nie auf die Idee kämen, ein Orgelkonzert zu besuchen. Vielleicht kommen sie wegen des Jazz, wegen eines Stummfilms oder weil sie gerne tanzen. Und entdecken dabei die Orgel ganz neu. Unser Ziel wäre ja, dass man in den Ferien nie mehr eine Kirche besucht, ohne sich gleich nach einer Orgel umzusehen… 😂
Sally: OrgelSOunds ist etwas Dynamisches, Lebendiges und es soll neugierig machen. Man muss kein Orgelkenner sein, um bei uns etwas zu entdecken.

Was genau erwartet die Besucher:innen?
Sally: Auftakt des Festivals ist der Orgel-Battle in der Stadtkirche am Freitagabend mit zwei grossartigen Improvisatoren, Vincent Thévenaz und Guy-Baptiste Jaccottet. Sie treten «gegen»einander in einem Improvisationsduell auf. Der Samstag fängt dann sanft mit Nadias „Morning Booster“ mit meditativen Klängen an und bald danach geht‘s los mit einem Vormittag voller Musik und Entdeckungen: Kurzkonzerten, unter anderem mit dem neuen Domorganist Jakob Schönborn-Dietz, Orgelführungen und sogar einem Jazz-Café mit Hammond-Orgel gespielt von Stewy von Wattenwyl und Band – mitten im Museum Altes Zeughaus.
Auch für Familien gibt es einiges: Kinder ab acht Jahren und experimentierfreudige Erwachsene können selber eine kleine Orgel zusammenbauen. Und beim Stummfilmkino in der Stadtkirche werden alte Filmklassiker live an der grossen Orgel begleitet.

«Uns ist wichtig, die lokale Kulturszene mit einzubeziehen.»

Wer sich intensiver mit der Orgel beschäftigen möchte, kann beim Registrierworkshop mit dem Berner Münsterorganisten Christian Barthen dabei sein. Am Nachmittag und Abend wird es dann nochmals richtig vielfältig: Beim grossen Crossoverkonzert «Sole blu» treffen Chor, Orgel und Instrumentalensembles aufeinander, nämlich die Formationen Chor Rheinstimmen, Jütz und Take Three. Gregorianik, Klassik, Jazz und Folklore verschmelzen zu einem eigens komponierten Werk. Danach gibt es Filmmusik mit Orgel, Violine und Cello beim Orgel-Apéro. Und zum Festivalabschluss darf sogar getanzt werden: bei OrgelDance mit Orgel und Band!

Wow, das tönt spannend! Was ist aus deiner Sicht noch wichtig, Nadia?
Nadia: Ich möchte noch ergänzen, dass es uns wichtig ist, die lokale Kulturszene mit einzubeziehen. Wir schätzen diese Künstler:innen sehr und geniessen es, wenn die Orgel mit anderen Instrumenten in den Dialog tritt.
Ich persönlich erfülle mir mit OrgelDance zudem einen lang gehegten Traum: Die Orgel als Teil einer Band. Und diese Band kann sich wirklich hören lassen:  Atina Tabé (Gesang), Phillip Stampfli (Piano), Thomi Christ (Bass), Anita Wälti (Trompete) und Gregor Lisser (Schlagzeug) haben gemeinsam mit mir an der Orgel ein cooles Programm einstudiert: Persische Klänge, französischer Pop, arabische Songs, Chansons und Musik aus den 80ern – da ist einiges dabei.

Für die Festival-Verpflegung ist auch gesorgt…
Nadia: Ja, wir haben ein Festivalbistro. Das wird geführt von der Gruppe together weltweit, der Gewinn geht also an einen guten Zweck. Das Bistro verwandelt sich je nach Tageszeit von Bar zu Kuchenstand und zu Bistro und hat durchgehend geöffnet.
Und – mein persönliches Highlight – wir haben einen Shop. Alles, was man schon immer besitzen wollte, gibt es dort zu kaufen: Orgelsocken, Orgeljasskarten, Orgelseifen … sogar Orgelschmuck. Der Shop ist auch in der Stadtkirche gleich beim Festivalbistro.

«Im Moment planen wir in einem Zwei-Jahres-Rhythmus.»

Und die Veranstaltungen sind wirklich alle kostenlos zu besuchen?
Sally: Der Eintritt ist frei mit einer Kollekte beim Ausgang der jeweiligen Veranstaltung. Man kann uns aber auch unterstützen mit dem Kauf eines Festivalpasses und spaziert von Veranstaltung zu Veranstaltung, ohne sich um Kollekten kümmern zu müssen. Wir freuen uns natürlich über jede Unterstützung. Sie hilft uns, die Kosten zu decken – und vielleicht auch, schon bald die nächste Ausgabe zu planen.

Wird es also weitere Ausgaben des OrgelSOunds Solothurn geben?
Sally: Wir hoffen es! Wenn diese erste Ausgabe ein Erfolg ist, dann auf jeden Fall!
Nadia: Im Moment planen wir in einem Zwei-Jahres-Rhythmus – aber jetzt freuen wir uns sehr auf das erste Festival!

Informationen:

 

Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.