Am Freitag, 4. September 2026, startet Jens Wachholz bereits die dritte Reihe von Lesungen in verschiedenen Museen der Region. Was ist neu?  Was plant er sonst noch? Ein Gespräch mit dem Solothurner Schauspieler.

Du bist in der Region sehr präsent, über den Sommer hat man wenig von dir gehört….
Wenig von mir gehört ist einerseits richtig – ich habe andererseits hören lassen, und zwar habe ich das Freilichttheater in Grenchen inszeniert, dass sehr erfolgreich bis Mitte Juli lief. Danach war ich tatsächlich zwei Monate in Deutschland und habe selber Sommertheater gespielt. Jetzt bin ich wieder voll »in Town« und froh, dass es nun wieder mit den Museumslesungen los geht.

Genau, Anfang September startet bereits die dritte Ausgabe deiner Museumslesungen. Offenbar stimmt das Konzept?
Ich hoffe sehr, dass dieses Konzept stimmt und auch weiterhin Zuspruch findet. Die Synergien für die Museen und die Zuhörenden sind interessant, ausserdem ist es eine kostengünstige und niederschwellige Möglichkeit, nicht nur bekannte oder unbekannte Texte zu hören, sondern dies eben auch in einem Ambiente, das die Atmosphäre sehr mitträgt und einen neuen Raum der Wahrnehmungen eröffnen kann. Die Museen können gleichfalls auf Ihre jeweiligen Programme hinweisen und das ist – bei freiem Eintritt – eigentlich mehr als man sich zu wünschen getraut.

«Die Texte passen sehr gut in die jeweiligen Räume.»

Wie hast du dieses Mal die Auswahl der Autoren getroffen?
Dieses Jahr habe ich pro Museum wieder scharf nachgedacht und aus meinem endlosen Fundus Texte gefunden, die sehr gut in die jeweiligen Räume passen. Mit Kehlmanns «Vermessung der Welt» im Naturmuseum geht es los. Passender geht es kaum. Dann freue ich mich auch auf alle neuen Orte –das Steinmuseum und das Schlössli Vorder-Bleichenberg – sowie auf die Auswahl der Texte. «Felix Krull» im leicht mondänen Anwesen des Schloss Waldegg. Das wird ein grosser Spass – gemeinsam mit der Cellistin Barbara Gasser.

Dein Schauspielerkollege Hanspeter Bader ist bei einer Produktion auch wieder dabei.
Ja, mit Hanspeter Bader lese ich »Indianersommer« von Urs Widmer im Kunstmuseum Solothurn. «Im Westen nichts Neues» ist gerade heute wieder ein tragischerweise passender Text, den ich in unserem Alten Zeughaus zum besten geben werde. Mit Gerhard Meier (Schlössli Vorder-Bleichenberg) und Robert Walser (Blumenstein) habe ich diesmal auch zwei ehemals regional verankerte Autoren gewählt. Kafka im Kunsthaus Grenchen ist diesmal ein Vorschlag des Kunsthaus-Leiters Robin Byland zum Thema «Druck».

Was ist die Idee dahinter?
Die Maschine in der kafkaschen «Strafkolonie» ist nicht nur ein Hinweis auf kommendes maschinelles Eigenleben – Stichwort KI) – sondern beschreibt auch die Ohnmacht des Menschen vor Willkür und falscher Staatsräson. Die Drucktechniken im künstlerischen Bereich sind hier wie ein Namensgeber. Druck und Druck. Der «Mythos von Sisyphos» ist nirgendwo besser aufgehoben als im Steinmuseum. Also ein sehr dichtes, abwechslungsreiches Programm, dass man reservieren kann oder einfach spontan vorbeischaut. Es ist alles gratis und hinterher wird eine zwanglose Kollekte gereicht.

«Jeder Text ist Weltklasse.»

Hast du einen persönlichen Favoriten?
Eine gemeine Frage: Ich mag alle Texte sehr gern, sonst hätte ich sie ja nicht gewählt, und möchte hier meine persönliche Favoritenrolle nicht nennen. Es ist ja auch kein Wettbewerb.  Jeder Text ist Weltklasse. Aber über die Umsetzung möchte ich noch nicht allzu viel verraten. Es wird in jedem Fall anregend bis turbulent.

Ausser den Autoren: Gibt es weitere Änderungen?
Als neue Orte sind wie erwähnt das Steinmuseum Solothurn und das Schlössli Vorder-Bleichenberg in Biberist hinzugekommen, worüber ich sehr glücklich bin. Wunderbare Orte und hoffentlich auch viele interessierte Hörer:innen. Ich finde es auch anregend, wenn mir Zuschauende Ihre (literarischen) Wünsche verraten…. Auch das kann für mich sehr anregend sein. Ich werde fortan ein Gästebuch auslegen, in dem man Anregungen und Wünsche hinterlassen kann.

«Da freue ich mich sehr drauf.»

Hast du weitere Projekte im Köcher?
Ich wäre nicht Ich, wenn dem nicht so wäre. Ab dem 5. November zeigen wir in der Kulturgarage ein neues Theaterprojekt in zehn Vorstellungen. Wir nähern uns dem Kosmos des Rainer Maria Rilke an. Gemeinsam mit den Musikern Barbara Gasser und Martin von Allmen werden wir textlich und musikalisch den Lebens- und Schaffenskosmos Rilkes beleuchten.
Schon am 29. August 2026 liest der Berner Filmemacher Felix Tissi in der Kulturgarage Solothurn aus seinen zwei neuen Büchern und anschliessend schauen wir seinen letzten Film «Aller Tage Abend». Da freue ich mich sehr drauf. Ich bin da nur der Veranstalter, obwohl ich im Film auch mitspiele.

Kommt noch mehr von dir?
Nach dem erwähnten Rilke-Projekt im November gibt es Anfang Dezember einen Abend von Hanspeter Bader und Dülü Dubach in der Kulturgarage, den ich auch etwas betreue und auf den ich mich sehr freue. Es geht um die «lieben Nachbarn».
Und: Am – ACHTUNG – 1. Januar 2027 um 19 Uhr kann man mich mit Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« erstmals in Solothurn in meiner »Mundart« hören. Der in Berlin spielende Roman wird von Ben Jeger und mir im Rahmen der Lesereise im Theater Delly in Solothurn gezeigt.  Bei dieser Lesereihe geht es in diesem Zyklus um Mundart. Für den Rest des Jahres also volles Programm. Ich freue mich auf jeden einzelnen Abend.

 

Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.