Marc Du Buisson hat vor kurzem sein zweites Buch veröffentlicht, im Herbst folgt bereits das dritte. Wie schafft er dieses Tempo als «Hobby-Autor»? Wie ist er zur Schriftstellerei gekommen? Welche Tipps hat er für junge Autor:innen? Über diese und weitere Themen hat Zmitz mit Marc Du Buisson, der in Zuchwil aufgewachsen ist und heute in Bern lebt, gesprochen.

Kürzlich ist dein zweites Buch erschienen – zuerst aber ein Blick zurück: Wie bist du überhaupt zur Schriftstellerei gekommen?
Ich habe als Kind und Jugendlicher schon immer gerne Geschichten konsumiert, egal ob als Buch oder Film. Als Teenager habe ich dann angefangen, mir Geschichten auszudenken und aufzuschreiben, ohne jedoch ein konkretes Ziel damit zu verfolgen. Richtig angefangen hat es vor ungefähr zehn Jahren. Der jetzige Bestseller-Autor, Christof Gasser, dessen Eltern lange Zeit meine Nachbarn gewesen waren, hatte sein erstes Buch veröffentlicht. Das hat mir gezeigt, dass eine Buchveröffentlichung von jemandem aus dem kleinen Zuchwil vielleicht gar nicht so unmöglich ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Das nahm ich als Motivation und setzte mir bewusst das Ziel, eines Tages ein Buch veröffentlicht zu bekommen.

Viele Autor:innen haben Mühe einen Herausgeber zu finden – du wurdest gleich vom Zytglogge Verlag unter Vertrag genommen. Wie hast du das geschafft?
Mit viel Glück und gutem Timing. Das Manuskript zu «Vier Freunde liefern ab» habe ich insgesamt acht Verlagen angeboten. Bloss der Zytglogge Verlag war am Text interessiert. Vor allem der Verlagsleiter, Thomas Gierl, ist grosser Fan der vier Freunde, was natürlich hilft.
Aber es stimmt natürlich: Die Verlagssuche ist hart. Nur weil man abgelehnt wird, heisst das jedoch nicht unbedingt, dass der Text nicht gut ist. Es braucht Glück und Timing, um den passenden Verlag zur richtigen Zeit zu finden.

Was ist zwischen deinem ersten Roman «Vier Freunde liefern ab»* und dem zweiten «Letzter Halt Weissenbühl“ passiert?» Hat sich für dich als Autor etwas verändert?
«Vier Freunde liefern ab» hat mir ermöglicht, an vielen Orten in der Schweiz Lesungen halten zu dürfen. Zusätzlich wurde ich sogar an die Leipziger Buchmesse eingeladen, was ein absolutes Highlight war.
Bezüglich des Schreibens hat sich praktisch Nichts geändert. Schreiben ist für mich noch immer ein Hobby. Ich schreibe, was, wann und wie ich will. Und wenn ein Text beendet ist, dann versuche ich diesen veröffentlicht zu bekommen.

Was sind die grössten Unterschiede zwischen den beiden Romanen?
«Vier Freunde liefern ab» ist ein herzerwärmender Roman, der zeigen soll, dass das Leben mit 80 noch lange nicht zu Ende ist. Man sollte zusammenstehen, einander helfen und sich für das Gute einsetzen.
«Letzter Halt Weissenbühl» ist hingegen nichts für schwache Nerven. Es ist halb Krimi halb Thriller, inspiriert von grossen Hollywood-Blockbustern. Obwohl die beiden Bücher in etwa gleich lang sind, ist der Krimi definitiv tempo- und actionreicher sowie unberechenbarer. Ein weiterer Unterschied ist die Spielzeit und der Spielort der Geschichte. Die ganze Story in «Letzter Halt Weissenbühl» findet an einem Tag innerhalb weniger Stunden statt, und das praktisch an einem Schauplatz – in einem Berner Tram.

 «Für mich braucht jedes Buch Action.»

In «Letzter Halt Weissenbühl» geht’s um ein versuchtes Bombenattentat: Magst du es actionreich?
Unbedingt. Für mich braucht jedes Buch Action. Egal, ob das eine Bombe in einem Tram ist, oder ein achtzig Jähriger, der in Zuchwil auf das Dach seines Autos klettert und von dort auf einen Balkon springt.
In «Letzter Halt Weissenbühl» steht der Action-Teil der Geschichte deutlich im Fokus. Ich wollte ein atemloses Setting, welches der Hauptfigur immer wieder neue Herausforderungen vor die Füsse wirft. Gleichzeitig muss die Hauptfigur, Kommissar Fankhauser, den einzigen Kriminalfall lösen, den er in seiner Karriere nicht hat auflösen können. Genau diese Kombination reizte mich an dieser Geschichte.

Allerdings spielt er in der eher gemächlichen Stadt Bern…
Ich glaube, dass genau das ein Grund ist, wieso ich «Letzter Halt Weissenbühl» geschrieben habe. Weil alles eher gemächlich ist und meistens nach Plan läuft. Wieso das Ganze nicht komplett auf den Kopf stellen und eine normale Tramfahrt in ein Albtraum-Szenario verwandeln?
Ob Bern jedoch viel gemächlicher ist als zum Beispiel Solothurn, wage ich mittlerweile zu bezweifeln. Ich persönlich finde es in Solothurn um einiges entspannter als in Bern. Das mag vielleicht aber auch am «Heimweh» liegen.

Das erste Buch spielte in Zuchwil, wo du aufgewachsen bist, das zweite in deinem aktuellen Wohnort Bern. Brauchst du diese geographische Nähe?
Ich glaube nicht, dass ich diese geographische Nähe brauche, aber sie hilft auf jeden Fall. Wenn man einen Ort gut kennt, dann kann man dieses Wissen auch in die Geschichte einbauen. Gerade beim Schreiben von «Vier Freunde liefern ab» gibt es viele kleine Anekdoten, die während des Schreibens erst in Erinnerung gerufen wurden. Hätte ich also einen anderen Schauplatz gewählt, dann hätte die Geschichte ganz anders ausgesehen.
Eine altbekannte Autorenweisheit lautet: «Schreib, was du kennst.» Ich weiss vielleicht nicht, wie es ist, 80 Jahre alt oder ein Polizei-Kommissar zu sein. Dafür weiss ich, wie es sich in Zuchwil lebt, oder welche Art Passagiere auf der Tramlinie 3 in Bern zu finden sind. Im Fall von «Letzter Halt Weissenbühl» bot sich daher das Tram Nummer 3 an, weil ich die Strecke fast jeden Tag selbst nutze.

«Wie ich meine Figuren finde, ist sehr unterschiedlich und kommt auf das Projekt an.»

Sind entsprechend auch die Darsteller:innen von Menschen abgeleitet, die du kennst?
Die einfache Antwort darauf ist Nein. Alle Figuren sind komplett erfunden. Natürlich gibt es Eigenschaften realer Personen, die sich in meine Figuren einschleichen – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Sei das eine Nationalität, ein Beruf, oder ein bestimmtes Charaktermerkmal. Aber einen realen Menschen als Vorlage für meine Figuren habe ich noch nie genutzt.

Wie findest du dann deine Figuren?
Wie ich meine Figuren finde, ist sehr unterschiedlich und kommt auf das Projekt an. Wichtig ist, dass Figuren einen Zweck haben. Meistens frage ich mich, wie diese Figur die Geschichte vorantreiben, spannender, lustiger oder emotionaler machen kann. In «Letzter Halt Weissenbühl» gibt es unter anderem einen Geschäftsmann, eine Mutter mit Baby, ein älteres Ehepaar, ein asiatisches Touristen-Paar und eine Teenagerin an Bord. Sie alle bringen verschiedene Aspekte in die Geschichte, was diese wiederum interessanter macht.

Es geht Schlag auf Schlag: Man glaubt es kaum, aber im Oktober erscheint bereits dein drittes Werk «Vier Freunde fahren ab»**. Wie schaffst du dieses Tempo – du bist ja nicht hauptberuflich
Schriftsteller?
Grundsätzlich brauche ich für das Schreiben eines Buches rund 3 bis 6 Monate. Meine Bücher sind nicht die längsten, was den Prozess etwas beschleunigt. Ausserdem erarbeite ich zu Beginn des Schreibprozesses die Eckpunkte der Story, sodass ich nicht planlos drauflos schreibe, sondern einem Gerüst folge, das aber auch Raum für Neues zulässt. Was man nicht vergessen darf, ist, dass meine Arbeit an einem Buch etwa sechs Monate vor dem Erscheinungstermin beendet ist. Ich bin also immer etwa ein halbes Jahr voraus. Als ich wusste, dass «Vier Freunde liefern ab» erscheinen würde, habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht und mich an die Fortsetzung gewagt.

Kannst du schon etwas verraten zum Inhalt?
Die vier Freunde stellen in ihrem zweiten Abenteuer einen Fahrdienst auf die Beine, der Seniorinnen und Senioren den Friedhofsbesuch in Zuchwil vereinfachen soll. Dabei treffen sie wieder aller Art skurrile Charaktere, und ihr Improvisationstalent müssen sie erneut unter Beweis stellen.
Was mir an diesem zweiten Band besonders gefällt, ist, dass er das Altern weniger romantisiert, als das im ersten Band vielleicht der Fall war. Die vier Freunde werden auch älter. «Vier Freunde fahren ab» ist vielleicht nicht mehr ganz so witzig wie der erste Teil, dafür umso emotionaler.

Wahrscheinlich hast du schon den nächsten Roman im Kopf. Was hast du da für Ideen?
Am liebsten würde ich in der nahen Zukunft auf zwei Schienen fahren und einerseits Romane und andererseits Krimis veröffentlichen. Bei den Romanen liegt der Fokus im Moment auf den vier Freunden. Diesbezüglich strebt mir noch ein drittes und letztes Abenteuer mit der Ü-80 Truppe vor, womit ich diese Reihe zu einem passenden Abschluss bringen könnte.

Und bei den Krimis?
Bei denen wäre es toll, wenn ich mit Kommissar Fankhauser ebenfalls eine Reihe aufbauen könnte. Ideen sind auf jeden Fall schon vorhanden, ob es zu einem weiteren Teil kommt, hängt vor allem auch von den Verkaufszahlen von «Letzter Halt Weissenbühl» ab.

«Dranbleiben!»

Hast du einen Tipp für junge Autor:innen, die gerne ihren Erstling veröffentlichen möchten?
Ein erster wichtiger Schritt ist, dass man das Geschriebene anderen Personen zeigt und Feedback einholt. Das braucht zu Beginn zwar etwas Überwindung, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Ich persönlich habe danach zuerst versucht, Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen. Online gibt es viele Ausschreibungen, wo man Geschichten zu bestimmten Themen schreiben kann. So übt man nicht nur die Schreibkunst, sondern kann – sofern man ausgewählt wird – seine eigene Geschichte in einem gedruckten Buch lesen.

Ein ganzer Roman ist dann aber schon etwas anderes?
Für einen ganzen Roman habe ich eigentlich nur einen Tipp, der auch mir schon mehrfach gegeben wurde: Dranbleiben. Von Absagen sollte man sich nicht unterkriegen lassen, denn die wird es immer wieder geben. Einfach weiter machen und nicht mehr aufhören, bis es klappt. Vielleicht klingt dieser Ratschlag etwas banal oder zu einfach, aber für mich hat es funktioniert.

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Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.