Das neue Programm von Jens Wachholz heisst «Eulenspiegelei» und läuft ab dem 30. April 2026 in der Kulturgarage Solothurn. Im Interview mit Zmitz erklärt der Solothurner Schauspieler: «Dieser Eulenspiegel ist ein Kumpel, der aus dem Jenseits kommt, aber äusserst modern lebt und denkt.»

Dein neues Programm startet am 30. April 2026 in der Kulturgarage Solothurn. Was steckt hinter dem Titel „Eulenspiegelei“?
«Eulenspiegelei« ist eine moderne Till Eulenspiegel-Adaption. Wir haben uns intensiv mit den unterschiedlichen Eulenspiegel-Fassungen beschäftigt und eine ganz neue Sicht dieser Figur entwickelt.

Spielt ein Spiegel auch eine Rolle? Und/oder ein Ei?
Ei und Spiegel sind wesentliche kulturelle und mystische Erscheinungen. Die Eule ebenfalls. Das Selbstbildnis ist in Zeiten von Social media und Fernsehen mehr und mehr zu einer Selbstdarstellung geworden.
Wer wäre Eulenspiegel heute? Wir sind dieser Frage nachgegangen und haben eine ewige Figur erschaffen, die alles schon erlebt hat und damit auch die Eierfrage beantwortet.
Selbstbildnis und Selbstreflexion im Spiegel der unterschiedlichen kulturellen und historischen Epochen. Das SpiegelEI kann sich aber jeder selbst zubereiten. Sunny Side up.

Auf dem Event-Flyer ist ein Astronaut in einer Mondlandschaft abgebildet mit der typischen Narrenkappe von Till Eulenspiegel. Spannende Kombination…
Unser Eulenspiegel ist in einem Zeit-Raum-Kontinuum gefangen und also auch an einer grösseren Welt als der unseren interessiert. Die unendliche Weite des Weltraums und der Versuch Endlichkeit und Unendlichkeit zu begreifen, machen das Ansinnen «Raumfahrt« des Till Eulenspiegel plausibel. Unser Bühnenbild von Gergana Mantscheva und auch inhaltliche Dinge zollen dem Tribut.
Ist Eulenspiegel ein Kabarettist, ein Comedian, ein Slam Poet, oder einfach nur ein Zeitreisender mit sehr schrägen Vorstellungen von Weltordnung und menschlicher Ambition?

Und was ist er für dich persönlich?
Dieser Eulenspiegel ist eher ein Kumpel, der aus dem Jenseits kommt, aber äusserst modern lebt und denkt. Eine unsterbliche Figur, die allem Unbill der Zeiten Widerstand geleistet hat, und eine teils neue Sicht auf unser aller Vergangenheit wirft. Seiltanz und Jonglage sind nur Vehikel zur kognitiven Überforderung der gaffenden Menschheit.
Das Narrentum ist ein Weg zur Befreiung aus gesellschaftlich zwanghaften Prozessen. Hin zur Freiheit des Individuums und zur Bejahung des Lebens.
Eri sit ein konstruktiver Anarchist, der vielleicht sogar «Lebenskunst« vermittelt. Er hält uns einen Spiegel vor.

Die Geschichten von Eulenspiegel stammen aus dem Mittelalter. Warum sind sie immer noch aktuell?
Die 96 Streiche des Till Eulenspiegel zu lesen, ist eigentlich eher ärgerlich. Das Volk wird für dumm und naiv verkauft, und einer macht seine Streiche damit.  Am Ende des Mittelalters bzw. zu Beginn der Neuzeit, so um 1505, schrieb Hermann Bote diese Streiche auf, aus mündlichen Überlieferungen aus dem Mittelalter. Seitdem gab es immer wieder neue Interpretationen und Sichtweisen auf diese Figur. Wir befreien Eulenspiegel von jedem Kitsch und unglaubwürdigem Historismus und lassen ihn einen modernen Menschen sein, der sich seit über 700 Jahren mit Gott und der Welt beschäftigt. Geboren Anno 1300, interpretiert er auch unsere Sicht auf die heutige Welt ganz neu.

Warum sollten die Leute dein neues Programm unbedingt sehen?
Weil es ein anregender Spass ist und eine tiefgehende Betrachtung einer Lebensform, die über Jahrhunderte Sehnsucht und Abscheu zugleich freisetzt. Und weil mich tolle Kunstschaffende aus der Region unterstützen: Das Bühnenbild ist von Gergana Mantscheva, für die passende Musik sorgt Ben Jeger, die Dramaturgie ist von Ralf Harder, die Choreografie von Nora Bichsel und die Grafik von David Liebendörfer.

Grafik: David Liebendörfer

Grafik: David Liebendörfer

Gianni ist Blogger der ersten Stunde. Er hat schon überall geschrieben und kommuniziert. Bei der Zeitung, für den ÖV, für Spitäler, fürs Vini, jetzt für die öffentliche Verwaltung im östlichen Nachbarkanton. Wieso also nicht für zmitz – wieder. Gianni trifft man immer und überall. Darum schreibt er auch über vieles. Und das durchaus auch mal mit kritischem Blick. Aber lässt sichs auch gut gehen, wenn ihm danach ist.