Das diesjährige Kultürchen ist eine Fortsetzungsgeschichte, ein Schreibexperiment sozusagen. Teil 15 geschrieben hat Claudia Dahinden, die Illustration dazu ist von Melanie Caroline Wigger.

Ich taumele aus dem Schlafzimmer in den Gang und öffne die Haustür. Das Couvert liegt da, der Engel ist weg. War er überhaupt hier? Ich hole mir den Umschlag und flüchte aus der Kälte ins Wohnzimmer, lege ein paar Scheite in den Schwedenofen und setze mich auf die Couch. Warum zittern meine Finger? Die unanständige Anzahl leerer Öufi-Bier-Fläschli am Boden legen eine Vermutung nahe. Ist das die Erklärung für den Öufi-Ängu – Öufi-Wahn nach Öufi-Bier? Garantiert ist die postalkoholische Rührseligkeit der Grund für mein Gesülze à la «wir wünschten uns beide ein Kind» und für meine zuckrige Ansprache an Nadja. Während der letzte Hauch eines Promilles aus meinem Hirn desertiert, frage ich mich, wie ich unsere Beziehung so verklären konnte. Ein wahrer Mann braucht Freiheit, vor allem ein Spross aus Le Landeron! Erst kürzlich habe ich Nadja erzählt, dass meine Abneigung gegen alles Religiöse mit Le Landerons Geschichte zu tun hat: Die Stadtgründung geht auf eine Burg zurück, die die Grafen von Neuenburg gegen das Bistum Basel aufgestellt haben. Nugerol hiess die, bekam 1260 den Freibrief als Marktstadt und wurde im gleichen Jahr im Konflikt zwischen Grafen und Bistum dem Erdboden gleichgemacht. Wie kann sie da erwarten, dass ich mich an der Ankunft des Jesuskindleins freue? Aber genug davon. Ich reisse das Couvert auf und ziehe ein edles Stück Papier heraus.  Oben links ein Wappen mit zwei Forellen in blau, darüber hühnergelb, darin rot-weisse Zacken. Das Wappen von Le Landeron.

 

Claudia Dahinden aus Grenchen ist Autorin, Bloggerin und Kolumnistin. Aber auch Sängerin und Songwriterin.

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