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Keiner haut wie Don Camillo

Auf zwei Bühnen im altehrwürdigen Kapuzinerkloster in Solothurn treffen zwei Weltanschauungen aufeinander, die durch zwei markante Persönlichkeiten vertreten werden; und – das ungewollt - in einer Premiere, die in zwei Teilen aufgeführt werden musste, da sich der Regen als Spielverderber zeigte.  

Der schlaksige Dorfpfarrer Don Camillo Tarocci, eine Säule der traditionellen katholischen Lehre, und Bürgermeister Giuseppe Bottazzi, genannt «Peppone», glühender Verehrer des aufstrebenden Kommunismus im ländlichen Nachkriegsitalien, liefern sich einen äusserst unterhaltsamen zweistündigen Schlagabtausch – quasi kalter Krieg im Kleinformat. Der italienische Schriftsteller Giovannino Guareschi, der geistige Vater der beiden weltberühmten Streithähne, hätte sich zweifellos an der Darbietung im und vor dem Kloster erfreut und einiges aus seinen literarischen Vorgaben wiedererkannt, jedoch keine billige Kopie bemängeln müssen.

Das Theater Orchester Biel Solothurn liefert die Komödie von Gerold Theobald in einer stimmigen Umgebung – der erste Teil in der Kapuzinerkirche, der zweite im Klostergarten – und mit einer ausgewogene Mischung von wortstarken Dialogen und eindrücklichen Volksaufmärschen, unterstützt durch eine beträchtliche Kinderschar. Wolfgang Lesky als schlitzohriger Geistlicher und Günter Baumann als bemühter Ortsvorsteher schaffen es von Beginn weg, das Publikum für sich zu gewinnen. Die Scharmützel zwischen Don Camillo und Peppone ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und gestalten sich variantenreich. Auch Faustkämpfe gehören zum Repertoire, bis der schlagkräftige Pfarrer von seinem Herr und Meister vom Kreuz herunter zurechtgewiesen wird. Das «sprechende Kruzifix» in der Dorfkirche spielt während der ganzen Aufführung eine wichtige Rolle und ist, wie auch die anderen technischen Effekte, gekonnt eingesetzt.

Ob glühender Katholik, atheistischer Klassenkämpfer oder gemässigter Zeitgenosse: das Freilichttheater im Kapuzinerkloster darf man nicht verpassen. Es ist eine hochstehende Dorfposse mit Durchschlagskraft, eine erfrischende Kostümvielfalt und eine einmalige Gelegenheit, ein Stück Zeitgeschichte vor historischen Mauern zu erleben und das erst noch auf höchst unterhaltsame Art und Weise. Zum Schluss wird sogar noch ein Happy End geboten, denn die beiden Streithähne müssen erkennen, dass sie zwar unterschiedliche Mittel einsetzen, jedoch eigentlich dieselben sozialen Fragen ihrer Zeit lösen wollen.

Weiter Aufführungsdaten: 14./15./16./18./19./20./22./23. August. Beginn: jeweils 20 Uhr. Bei schlechter Witterung sind Reservedaten vorgesehen. Am Tag der Vorstellung erhalten Sie ab 16 Uhr unter folgender Telefonnummer Auskunft darüber, ob die Vorstellung stattfindet: 032 328 89 78. Infos: www.tobs.ch

 

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