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zmitz güxlet ine: Silvan Granig hält Grenchen im Gespräch

Die Serie «zmitz güxlet ine» stellt Kultur-Leute im Hintergrund vor. Dieses Mal sind wir in Grenchen bei Silvan Granig reingeplatzt. Er ist Ansprechperson für alles Kulturelle.

Wobei stören wir Sie gerade? Woran arbeiten Sie in diesem Moment?
Die 19. Gränchner Chürbisnacht von letztem Freitag zieht noch einige Nacharbeiten mit sich, mit welchen ich mich beschäftige. Dieses wunderbare Chürbiswunderland im Herzen Grenchens zieht jedes Jahr mehrere Tausend Leute aus der Region an. Auch dieses Jahr war der Anlass ein Erfolg. Gleichzeitig bin ich aber auch mitten in der Planung des Weihnachtsmarktes, der Jahrbuch-Publikation, der Kulturpreisverleihung oder der Grenchner Kulturnacht 2016. Als Leiter Kommunikation der Stadt Grenchen habe ich aber neben der Betreuung diverser Veranstaltung auch noch andere Aufgaben. So habe ich vor wenigen Minuten eine Medienmitteilung zur Erneuerung einer Sauberwasserleitung verschickt.

Was gehört alles zu Ihrer Arbeit?
Ich bin die städtische Ansprechperson für alle kulturellen Anliegen, sei es von Institutionen, Bürgerinnen und Bürgern, Kunstschaffenden oder der Politik. Mein Spezialgebiet ist aber die Kommunikation. Ich bin in diversen Organisationskomitees tätig und kümmere mich dort hauptsächlich um die Medienarbeit und die Kommunikation, eine Rolle, die ich auch innerhalb der Stadt Grenchen wahrnehme. Ich stehe den Abteilungsvorstehenden und dem Stadtpräsidenten mit Rat und Tat zur Seite und begleite diverse Projekte der Stadt in den kommunikativen Belangen.

Welche Arbeit machen Sie am liebsten und welche am wenigsten gern?
Ich mag Herausforderungen. Wenn alle Leute, die an einem Projekt beteiligt sind, an einem Strick ziehen, kann man Berge versetzen. Es fasziniert mich, was oft mit wenigen Mitteln alles möglich ist und welch tollen Dinge in Grenchen entstehen können! Ich mag es nicht, nur halbherzig getragene Vorhaben begleiten zu müssen, oftmals zeitigen diese dann auch einen unbefriedigenden Ausgang.

Machen Sie die Arbeit in der Abteilung Standortmarketing/Kultur und Sport eigentlich selbst oder haben Sie ein Team?
Wir sind zu dritt. Die Abteilung umfasst neben mir noch einen Mitarbeiter, der sich hauptsächlich um die Sport- und ausserschulischen Jugendbelange kümmert und eine Mitarbeiterin, die diverse Veranstaltungen wie die Bundesfeier oder die Alters- und Sportlerehrung organisiert. Wir helfen uns, wo möglich, untereinander aus. Alleine wären die schier unendlichen Möglichkeiten die «Standortmarketing, Kultur und Sport» mit sich bringen nicht zu bewältigen. Es ist auch nicht immer möglich, allen Bedürfnissen gerecht zu werden, wir müssen uns abgrenzen und hauptsächlich ausführen, was die Politik uns aufträgt.

Beschreiben Sie uns doch mal Ihren Arbeitsplatz…
Mein Büro liegt im obersten Stock des altehrwürdigen Grenchner Stadthauses, dem wohl östlichsten «Hôtel de Ville» der Welt. Das Gebäude wurde 1908 erbaut und diente anfangs der Qualitätsprüfung von Uhren, später war darin unter anderem eine Kantonalbankfiliale beheimatet, bis die Einwohnergemeinde Grenchen das Gebäude 1932 erwarb. Es ist ein privilegierter Arbeitsplatz mit grossen Büros. Unsere Abteilung umfasst drei miteinander verbundene Einzelbüros. Wir brauchen aber auch viel Platz um allerlei Werbebanner, Poster, Give-Aways und ähnliches unterbringen zu können.

Was ist das Denkwürdigste, das, woran sie auch in Jahren noch denken werden, was Ihnen einmal passiert ist?
Ich darf viele tolle Dinge erleben, oftmals ist man sich deren Signifikanz im Moment aber gar nicht bewusst. Ich bin selbst gespannt, welche Geschichten mir im berühmten Schaukelstuhl noch präsent sein werden ;-)

Eben konnte Grenchen die Rad-Bahn-EM beherbergen. Haben Sie etwas von der internationalen Aufmerksamkeit, welche die Stadt geniessen konnte, gemerkt? Stürmen jetzt Touristen die Stadt?
Der Publikumsaufmarsch und die mediale Präsenz waren gigantisch! Eurosport sendete fünf Tage lang täglich mehrere Stunden live aus dem ausverkauften Velodrome in über 100 Länder weltweit! SRF sendete am Wochenende ebenfalls live und brachte täglich Magazinbeiträge aus Grenchen. Auf Twitter empfingen wir hunderte Meldungen aus aller Welt, #grenchen2015 war gar schweizweit kurzzeitig das «trending topic». Eine solche Präsenz ist für uns noch neu. Kurzfristig profitierte das lokale Gewerbe, die Hotels in der ganzen Region waren ausverkauft, die mehreren hundert Sportler und Betreuer haben den Geschäften Mehreinnahmen beschert, was der Event mittelfristig nach sich zieht, wird sich zeigen. Viele Auswärtige nennen aber seit kurzem als erstes das Velodrome, wenn sie auf Grenchen angesprochen werden. Velo ist ein äusserst positiv besetztes Thema und setzt Grenchen gerade bei durchreisenden ausländischen Gästen auf die Landkarte. Dies ist nicht zu unterschätzen. Ohne den Skiweltcup wären Dörfer wie das schwedische Are oder das österreichische Schladming keinem Menschen ein Begriff. Internationale Sportanlässe können in dieser Hinsicht viel bewegen.

Gibt es einen Unterschied im Kulturleben zwischen Grenchen und den beiden anderen Städten Solothurn und Olten?
Ich habe längere Zeit in Lausanne, Winterthur, Biel und Bern gelebt, bevor ich kürzlich wieder in meine Heimatstadt Grenchen zog. Jede Stadt hat ihren eigenen Charakter und somit auch eine anders ausgeprägte kulturelle Identität. Grenchen ist bestimmt kein «Kulturleuchtturm», wie es Solothurn ist mit seinen grossartigen national und international bekannten Film- und Literaturtagen. Grenchen hat und hatte aber schon immer eine lebendige Kulturszene, die immer wieder für Aufsehen zu sorgen wusste, aktuell z.B. mit der jungen Grenchner Rockband «Basement Saints», die mit ihrem direkten und kompromisslosen Rock momentan landauf landab die Verstärker entstauben. In Grenchen steht man als Kulturschaffender nicht ständig unter Beobachtung und unter dem Druck allen gefallen zu müssen. Ein national bekanntes Festival ist solchen Umständen wohl viel stärker ausgesetzt. Ich denke, wenn man in Grenchen eine gute Idee hat, dann kann man sie auch so durchziehen, die Stadt ist sehr durchlässig. Eine spezielle Affinität hatten die Grenchnerinnen und Grenchner, die oftmals in technischen Berufen tätig waren, schon immer für Kunst an der Schnittstelle zur Technik. So sind sicher auch die grossen Erfolge zu erklären, welche die Originaldruckgrafik-Ausstellung Triennale gerade in Grenchen erzielt.

Wenn Geld, Zeit und Organisatorisches keine Rolle spielen würden, was würden Sie am liebsten einmal realisieren?
Als grosser Filmfan wäre es mein Traum, ein Vintage-Kino betreiben zu können, natürlich mit einer Programmation ganz nach meinen Geschmack.

 

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