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Sie verzellt, was mänge nümme weiss

zmitz-Blogger Fabian Gressly hörte einer älteren Dame zu und liess sich zu einigen Gedanken verleiten. Was Elisabeth Pfluger für den Kanton Solothurn gemacht hat und macht, ist einzigartig.

Meine Grossmutter – und an die hat sie mich wohl dank des ausgeprägten Solothurner Dialekts erinnert – hätte sie ein «Unikum» genannt: Elisabeth Pfluger sass da, erzählte aus ihrem reichhaltigen Fundus an Geschichten und unterbrach immer mal wieder für Nebenbemerkungen. Es soll nicht despektierlich klingen, aber es war wie eine Märchenstunde für Erwachsene. Und wie ich so dagesessen bin, dachte ich mir: Schade!

Elisabeth Pfluger wird im Oktober 96 Jahre alt. Was man ihr übrigens beileibe nicht geben würde. Mit wachen Augen, gewitzt und… – wieder ein Wort aus dem Wortschatz meiner Grossmutter – …rührselig nahm sie den ganzen Raum im Museum Uhrundzeit in Welschenrohr ein. Aber auch sie wird uns nicht ewig erhalten bleiben. Und mit uns meine ich, den Solothurnerinnen und Solothurnern im ganzen Kanton. Klar, ihre Bücher und Aufnahmen werden bleiben, aber sie werden vermutlich nie mehr so erzählt werden, wie es Elisabeth Pfluger macht.

Ich möchte allen zurufen: Hört ihr zu, solange ihr noch könnt. Nehmt euch Zeit, so wie sie sich auch Zeit genommen hat. Der Aufwand, den die gebürtige Härkingerin betrieben hat und noch immer betreibt, um Geschichten, Anekdoten, Sagen, Sänge und vieles mehr zu sammeln, ist unermesslich. Sie reist in Dörfer und Gemeinden – gerade in unserem Kanton dank der Tektonik trotz weniger Kilometer nicht ganz unerheblich –, sucht über Gemeindeverwaltung, Pfarrer und andere «Institutionen» Menschen, welche die Sagen und Anekdoten noch kannten oder kennen. Sie hört(e) ihnen – die oft inzwischen nicht mehr am Leben sind – zu, kam für irgendeinen Aspekt einer Geschichte, für Tonaufnahmen oder was auch immer wieder. Sie schreibt die Geschichten nieder und verewigt damit nicht nur sie, sondern – und da sind wir wieder bei meiner Grossmutter – die Solothurner Sprache.

Dialekte sind ja auch immer mehr dem Untergang geweiht. Nicht, dass das schlecht ist. Die Zeiten ändern sich und so kommt es halt, wenn Menschen die Mobilität entdecken. Aber schade ist es halt irgendwie schon. Und es ist nicht anzunehmen, dass jemand dereinst in Elisabeth Pflugers Fussstapfen treten wird. Und falls, dass er oder sie auf den gleichen Nährboden für ein solches Unterfangen stösst. Denn Dialekt und Geschichten verschwinden allmählich. Und das führt einem Elisabeth Pfluger vor Augen und Ohren, während man ihr zuhört. Und gleichzeitig gibt sie Sprache und Geschichte Leben. – Danke!

Mehr zu Elisabeth Pfluger auf Wikipedia, im historischen Lexikon der Schweiz, in einem Artikel der Solothurner Zeitung (2013) und in einem Beitrag sowie einem anderen von SRF (von SRF-Redaktor Bähram Alagheband ist auch das obige Bild, Danke!).

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