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Und Shakespeare hätte vor Freude gewiehert

Mein Arbeitsweg per Velo führt am Schloss Waldegg vorbei. So trug mir der Wind erste akustische Eindrücke bereits von den Proben zu, bevor ich mich entschloss auch selber hinzugehen: zu Henri Purcells «Fairy Queen» nach Shakespeares Sommernachtstraum.

Müsste man alle Eindrücke der dreistündigen Darbietung in ein Glas füllen: Es würde überlaufen. Ich – Opernbanause - war hingerissen, ohne dass ich den Gang der Handlung voll mitbekommen habe. Die Aufführung wurde dem Titel «Sommernachtstraum» voll gerecht: Warmer Sommerabend, einbrechende Dämmerung, leises Lüftchen im Laub der mächtigen Linden: Allein das Ambiente – ein Traum!

Dann setzte das Feuerwerk ein mit Chor, Orchester, Theater und Tanz, welches in rascher Abfolge eine umfassende Palette an menschlichen Gemütsregungen auslöste. Ich nahm's als Seelengymnastik mit hohem Genusseffekt und ergötzte mich am komödiantischen Klamauk, bei dem die Fetzen flogen, den prächtigen Kostümen, temporeichen Verfolgungsszenen und Passagen, in denen Lebensfreude in Lüsternheit überging. Überraschend der «Quadrophonieeffekt», der eintrat wenn das Ohr von Musik aus verschiedenen Richtungen überrumpelt wurde. Handkehrum war ich ergriffen von choreografisch-artistischen Elementen, die wortlos und eindrücklich das Spiel begleiteten.

Bald ging Vertrautes in Traumhaftes über, Verliebte wurden zu Verrückten, Feen und Könige traten in Aktion und Zaubertränke taten ihre Wirkung: Regisseur Rootering lotete die barocke Steilvorlage mit verspielter Souplesse aus. Da wurden Fusstritte ausgeteilt, es wurde deftig zugelangt, abgrundtief gehasst, innig geliebt und wild drauflosgebrüllt. Es wurde geräuschvoll über den Kiesplatz gespurtet, es wurde geohrfeigt und geküsst. Und zum Schluss – wie es sich gehört – wurde geheiratet.

Spass machte mir das Spiel mit Kontrasten: Englisch und Deutsch wechselten fliessend, mal spielte die Handlung weit weg vom Publikum, mal mittendrin und mal auf der Schlossterrasse. Die Gärtner brausten mit einem Elektrofahrzeug heran wie sie der städtische Werkhof braucht, die Transvestiten trugen Konfektion moderner Machart und die Protagonisten im prächtigen Brokatkostüm übten small talk mit der Kaffeetasse in der Hand.

Ganz nebenbei setzte eine der Sopranistinnen ihre Reize ein, um sich an Andreas Reize, den Dirigenten, heranzumachen, was ihn aber nicht vom dirigieren abhalten konnte. (Ich an seiner Stelle hätte mich da wohl nachgiebiger gezeigt!). Erfrischend auch, wie die MusikerInnen aus dem cantus firmus consort während der Phasen, wo sie nicht spielten, mit sichtlichem Spass das Theatergeschehen verfolgten und damit der schrecklichen Konvention entsagten, dass Orchestermusiker immer so todernst dreinzublicken haben.

Die Leichtigkeit der Aufführung lebte von der hohen Professionalität der Mitwirkenden mit hochkarätigen Gästen und erfreulich vielen vertrauten Namen aus der Region, die der Waldegg an diesem Abend die Aura eines Sommernachts-Traumschlosses verliehen.

Infos zur Oper und letzte Tickets findet man hier.

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