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Solothurner Lesebuch: Etappe 4 einer literarischen Reise

26 Autorinnen und Autoren haben zum «Solothurner Lesebuch» beigetragen. Die 224 Seiten sind eine (Wieder-)Entdeckungsreise durch Stadt und Region. Teil 4 einer Lesereise.

Ganz schön unheimlich im «Solothurner Lesebuch» (Auftakt zur Serie hier, Teil 2 und Teil 3) ist der Text «Wo wo… wo wie» von Urs Jäggi, 1931. Darin geht es um eine dramatische Verwechslung. Sie spielt in der Nähe des Glutzenhübeli, nicht unweit von der Psychiatrischen Klinik. Im Krimi von Christina Gasser, 1975, wird eine tote Katze in der Verenaschlucht entdeckt. Von einer seltsam traumhaften Begegnung auf dem Friedhofsplatz mit Flora, die den Namen einer altrömischen Frühlingsgöttin trägt, berichtet Brigitte Jud, 1953, in ihrer mystischen Geschichte «Im Zeichen des Regenbogens».

Philosophisch kreist Armin Heusser 1952, der diesen Februar leider verstarb, in und über der Zeit: «Alles ist miteinander in Verbindung, auf geheimnisvolle Art gesteuert, von etwas Grossen, unsichtbaren...»

Felix Epper, 1967: «Erstes Grün spriesst an Frühlingstagen wie diesem, der Knoblauch des Waldes schmeckt nur leicht scharf im Mund. Ich esse ihn zu Brot und Wein», schreibt Epper im ersten Teil «Fluss» poetisch, bevor der zweite Teil «Meer» einen wahren Albtraum beschreibt: «Noch immer zittre ich vor Angst, notiere den Traum in mein Notizbuch, scheue mich, das schreckliche Ende aufzuschreiben.»

Den Text «Leben und Sterben in Solothurn» von Ferhan Atekin, 1965, finde ich am schönsten. Aketin schreibt in zwei Abschnitten über die Liebe von einem Sohn zu seinem Vater. Der zweite Abschnitt trägt den Titel «Solothurn, das kleine Istanbul» und öffnet mir (und hoffentlich ihnen) die Augen hoch über Solothurns Dächern auf dem Turm der St. Ursenkathedrale. «Manchmal gehen Träume in anderer Form in Erfüllung. Die Frage ist, ob du es wahrnimmst oder nicht.»

Auch Peter Bichsel, obwohl er selber keinen Text im Buch veröffentlicht hat, kommt darin vor. Im Beitrag «Mit den Geschichten wegkommen, um bleiben zu können» schreibt Peter Weibel, 1947: «In der Schalgasse begegnete ich Peter Bichsel, er war wie immer mit einer Geschichte beschäftigt, die er aus einer Kneipe geholt hatte. Ich rief ihn an, aber er hörte mich nicht… Ich sah Peter nach, wie er versunken weiterging, unauffällig, ein getarnter Beobachter, und ich dachte, er ist immer noch auf der Flucht vor Solothurn, aber er hat seine Geschichten, mit den Geschichten kommt er weg von Solothurn, und mit den Geschichten kann er zurückkommen nach Solothurn.»

Das Solothurner Lesebuch wurde 2014 von Daniel Gabarell im Kulturbuchverlag Herausgeber.ch veröffentlicht. (ISBN 978-3-905939-26-2). Dieser 4. Teil beendet die Serie.

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