zmitz-Bloggerin Fatma Kammer sucht in der Altstadt den Frühling. Und begegnet ihm als Konfetti am Boden sowie in handschriflticher Form.

Der postcoronale Lebensstil brachte uns das Freiluftfrönen. Sobald sich die Sonne knapp zu erkennen gibt, verlegen wir das Leben nach draussen. Klirrende Weissweingläser, geschlemmte Gelati, farbige Brillen, hühnerhautresistente nackte Beine. Sommer, Sonne, Leben. Noch bevor wir uns daran gewöhnen konnten, nahm sie uns der fiese Wettergott weg. Ihr Fehlen riss uns aus der Leichtigkeit, peitschte die Kälte an unsere Gemütlichkeit, verdrängte die Farben aus unserem Alltag. Blüten – kaum gesprossen – liegen nun schlapp auf der Bordsteinkante. Ohne Zeitgefühl könnten sie glatt als Konfetti durchgehen.

 

 

Nicht alle Farben sind verweht und mit einem grauen Schleier umhüllt. Ein paar trotzen dem Klima und treiben ihren eigenen Schabernack. Eine Farbenpracht begrüsst mich vor etlichen Restaurants und Läden. Sie ist nicht mal auf grüne Daumen angewiesen. Einmal da, ist sie bereit sich ständig zu zeigen. Sie blüht aus farbiger Kreide auf schwarzen Tafeln. Mit geschwungener Schrift lädt sie zum Verweilen ein. Chalk Lettering heisst diese Kunstform. Sie ist das Handlettering für Anspruchsvolle. Vorbei sind die Zeiten, wo die Hoheit über die Tafelschönschrift exklusiv Primarlehrerinnen und Jassern vorbehalten war. Chalk-Lettering-Artisten verschnörkeln kunstvoll und bereichern den Text mit passenden Symbolen. Als ob mit Kreide schreiben nicht schon Tortur genug wäre, erschaffen sie so kreative Schöpfungen.

Es reicht nur ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt, schon erheitert Lustiges, Kluges und Kunstvolles das kälte- und kriegsgeschundene Gemüt. So wird unsere Allgemeinbildung mit Wissen über Kekse unter Bäumen angereicht. Unsere Psychologie mit Nachschenken statt Nachdenken. Unsere Gasttauglichkeit mit einer Einladung ins Wohnzimmer. Und wenn mal die Botschaft nicht nahrhaft ist, ist es der Inhalt: Biokäse oder Bagel. Dann werden wir erinnert, da es die Anzeige auf dem Thermometer nicht hinkriegt: Spring, Frühling, Printemps farbig geschwungen. Danke Frühling zeigst du dich auch auf diese Weise.

 

 

 

Bei ihr liegen die Ideen für Texte oft wirklich „auf der Strasse“: Fatma hat ein unglaublich gutes Gspüri für spezielle Menschen und ihre Geschichten. Und sie macht sich viele Gedanken über das, was sie umgibt. Darum wird sie auf zmitz mit Sicherheit nicht nur über besuchte Anlässe berichten, sondern auch über unerwartete Begegnungen mit Street-Art, mit Strassenmusikern oder dem „Kunstschaffenden von nebenan“ und erzählen, was ihr dabei so durch den Kopf geht.