M.S. Bastian und Isabelle L. sind zmitz-Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken immer wieder begegnet: Auf Plakaten, im grossen www, auf Postkarten. Nun hat sie deren Werke erstmals live gesehen.

Sie sind schräg, schrill, sie sind kindlich verspielt und doch kritisch. Sie faszinieren mich – und sie passen gut ins Kunsthaus Grenchen. Aber das wusste ich am Anfang meines Besuches der Ausstellung noch nicht. Vorher hatte ich die Werke des Bieler Künstlerpaars M.S. Bastian und Isabelle L. noch nie «in echt» erlebt. Und dabei waren sie unter anderem auch schon in der Freitagsgalerie Imhof in Solothurn zu Gast. Als ich aber gesehen habe, dass sie in Grenchen ausstellen werden, wusste ich: «Jetzt oder nie!»

Wie praktisch, dass das Kunsthaus auch Kinderworkshops anbietet. Denn so schlendere ich in Ruhe mehrmals durch die Installation von M.S. Bastian und Isabelle L. im Neubau, schaue mir die Druckgrafiken in der Villa Girard an – während die Jungmannschaft offiziell erlaubt unter dem Workshop-Titel «Kinder instruieren Kinder» im Dachgeschoss des Kunsthauses einen Nachmittag lang gamen dürfen. Gamen und Kunst – wie passt das? Schaut man sich die Installation an – und betrachtet das Game, das gespielt werden darf, dann wird klar: Sowohl da als auch dort werden Welten gebaut. Eigene Welten, die für den Betrachter weder logisch noch echt sein müssen, die echte Welt aber für Augenblicke in den Hintergrund rücken lassen.

Das Bieler Künstlerduo schafft es, Gegensätze (oder zumindest scheinbar Unpassendes) zu verarbeiten: Da begegnen sich Comic und Literatur, bekannte Gemälde und Glacekarten, aber auch die Mumins und die Gestapo. Während das druckgrafische Werk in der Villa Girard schön geordnet an den Wänden zu betrachten ist – jedes für sich um konzentrierte Aufmerksamkeit heischend, taucht man im Ausstellungsraum im Neubau ein in die Welt von Pulp. Pulp ist eine Figur, die M.S. Bastian und Isabelle L. schon seit Anbeginn ihres Schaffens begleitet – und zum Markenzeichen wurde. Viele kleine und grössere Werke verbinden sich in der Installation zu einem Gesamtkunstwerk, welches nicht alleine durch sein «Sein» wirkt, sondern zusätzlich durch Schwarzlicht, Perspektivenwechsel und Musik verstärkt wird. Festgehalten sind die zum Teil an ein Wimmelbild erinnernden Ideen nicht nur auf Papier, sondern auch auf Lampen, auf Wellkarton, auf riesigen Tüchern. An den Wänden hängen Fratzen, am Boden sind Geschichten auf Stoffbahnen zu bestaunen.

Die Welt von M.S. Bastian und Isabelle L. in wirkungsvoller Bloglänge festzuhalten – ein Ding der Unmöglichkeit. Weder Fotos noch Worte vermögen dem gezeigten «Pulpokosmos» gerecht zu werden. Man muss es hören, sehen und in die 2-, 3- oder sogar 4-D-Welt eintauchen. Möglich ist das im Kunsthaus Grenchen noch bis 9. Januar.

Ach… und warum die Ausstellung perfekt hier hin passt? Nicht nur, weil sich das Kunsthaus auf Druckgrafiken spezialisiert hat, sondern: Geschrieben wird dieser Text noch vor Ort inmitten der Ausstellung. Im Café, mit Blick auf den Bahnhof. Über mir die geordnete Welt der Druckgrafiken, links von mir die Welt der (Luxus-)Uhren sowie der schrille «Pulpokosmos» und rechts von mir die Welt der Reisenden – und der Randständigen, die sich ihre Zigaretten drehen, während aus ihrer Boom-Box orientalische Klänge mit Hip-Hop wechseln. Ein vielseitiger Kosmos – auf wenigen Quadratmetern vereinigt.

Infos zur Ausstellung findet man hier.

 

Ohne Lucilia wäre zmitz nicht zmitz. Denn im Jahr 2014 gründeten sie und Fabian den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn strahlen zu lassen. Aus langjähriger beruflicher Tätigkeit und purem persönlichem Interesse kennt sie die Kulturbetriebe der ganzen Region und denkt immer eine Nasenspitze weiter. Sie ist aber nicht nur Co-Leiterin der Redaktion, sondern auch Vizepräsidentin des Vereins zmitz und schaut, dass seine Mitglieder nicht zu kurz kommen.