Seit anfangs August stehen die Singknaben Solothurn neu unter der Leitung von Tobias Stückelberger. Der junge Knabenchorkenner geht die Aufgabe mit Elan und Selbstvertrauen an – und er hat auch schon ein paar spannende Kontakte geknüpft.

Oslo, Drakensberge (Südafrika), dann kurz Basel und jetzt Solothurn – so die Stationen des neuen musikalischen Leiters der Solothurner Singknaben. Der Baselbieter Tobias Stückelberger ist 28 Jahre alt, aber hat schon einen bewundernswerten Lebenslauf. Früher sang er selber bei der Knabenkantorei Basel. Später studierte er Chorleitung und Schulmusik. Um danach noch einen Master im Dirigieren an der Musikakademie Oslo anzuhängen. Dort arbeitete er auch als Assistent bei einem professionellen Vokalensemble. 2018 erfolgte dann ein Angebot aus Südafrika, wo er zwei Jahre lang den Drakensberg Boys Choir führte. Die 100 Buben aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten besuchten da ein Chor-Institut, wo täglich drei Stunden dem Gesang gewidmet sind.

Und dann entdeckte Stückelberger das Jobangebot aus Solothurn. Zweimal durfte er mit den Singknaben proben – dann war der Entscheid da: Er würde in die Fussstapfen von Andreas Reize treten dürfen, der die Singknaben nach fast 15 Jahren Leitung verlässt, um in Leipzig das Amt des Thomaskantors auszuüben (schau hier).

Reize hatte das Wirken der Singknaben geprägt. Aber Tobias Stückelberger lässt sich definitiv nicht von hohen Erwartungen einschüchtern. Seit 1. August ist er mit einem 50%-Pensum für die Singknaben im Einsatz und hat ein gutes Gefühl: «Die Chemie stimmt beidseitig. Was bei einem Chor von diesem Format absolut wichtig ist.» Er habe sich von Anfang an wohl, verstanden und aufgenommen gefühlt. Was bei einer so grossen «Bubble», wie sie die Singknaben umgibt, nicht ganz selbstverständlich ist. Das private Umfeld ist stark eingebunden, die organisatorischen Strukturen und das Netzwerk des Chores sehr gross, aber: «Bei einer offenen Probe mit anschliessendem Apero konnte ich mit vielen Eltern erste 1-zu-1-Gespräche führen und beim Singknaben-Team fühle ich mich wohl.»

So leid es ihm für die Knaben tut, dass die für November geplanten Konzerte in Stockholm Corona zum Opfer fallen: «Für mich ist es einfacher und sanfter, nicht mit einem vollgepackten und vorgegebenen Programm starten zu müssen.» So habe er Zeit, die Jungs, die Stadt Solothurn und die an ihn getragenen Erwartungen besser verstehen und kennen zu lernen.

Nein, ganz umkrempeln werde er die Strukturen nicht. Aber ein paar neue Ideen seien schon da. So hat ihn zum Beispiel sowohl in Oslo als auch in Südafrika die enge Verbindung zum Volksliedgut fasziniert: «Dieses wird dort mit viel Liebe gepflegt und gelebt. In Solothurn wolle er darum einerseits mehr Werke von Schweizer Komponisten einbringen, andererseits aber das ganze Repertoire noch internationaler und moderner machen.

Nicht viel ändern wird sich hingegen bei den wichtigsten Konzerten im Kalender der Singknaben: Auch dieses Jahr wird in der Jesuitenkirche das Weihnachtsoratorium zu hören sein. Daran gebe es nichts zu rütteln: «Wenn man sieht, mit welchem Stolz sich die Knaben ans Einstudieren der Kantaten machen, dann wird bewusst, welchen Stellenwert diese Auftritte für sie haben.» Einzig beim Oratorium für die Kinder werde er eigene Ideen einfliessen lassen – und für ihn selber ist es eine spannende Herausforderung, nicht nur die Buben, sondern auch Profimusiker einen Abend lang zu leiten. Ganz deutlich werde man aber seine Handschrift dann beim Weihnachtssingen bemerken.

Wer Tobias Stückelberger zuhört, merkt, dass Andreas Reizes Fussstapfen für ihn nicht zu gross sind. Er passt schon ganz gut da hinein: «Druck spüre ich nicht, aber die Verantwortung, die auf mich wartet, die übernehme ich ganz gerne.» Und er verrät noch was: «Ich bin in regem Austausch mit dem Mädchenchor und dem TOBS. Da wird sich wohl einiges auftun.»

Ohne Lucilia wäre zmitz nicht zmitz. Denn im Jahr 2014 gründeten sie und Fabian den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn strahlen zu lassen. Aus langjähriger beruflicher Tätigkeit und purem persönlichem Interesse kennt sie die Kulturbetriebe der ganzen Region und denkt immer eine Nasenspitze weiter. Sie ist aber nicht nur Co-Leiterin der Redaktion, sondern auch Vizepräsidentin des Vereins zmitz und schaut, dass seine Mitglieder nicht zu kurz kommen.