Kunst im öffentlichen Raum wird manchmal gar nicht bewusst wahrgenommen. Dabei erzählen die Werke manchmal spannende Geschichten. So auch der Feuerwächter an der Goldgasse in Solothurn. Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken wollte mehr dazu wissen.

An der Goldgasse hängt eine Skulptur, die auf den ersten Blick nicht erahnen lässt, dass sie Mahnmal für ein Ereignis ist, welches die Solothurner Altstadt für einen kurzen Moment in Atem hielt. Am 29. März 2011 brannte es nachmittags in der Solothurner Altstadt. Der Brand hat sich vom Haus Nummer 54 aus auf vier weitere Liegenschaften ausgebreitet. Die Schäden waren zum Teil gross. Und vielen Solothurnern wurde bewusst, was dieses Ereignis für Ausmasse hätte nehmen können. Auch wenn es schlussendlich für die Altstadt glimpflich ausgegangen ist: Wohnungen sind komplett ausgebrannt – und somit Existenzen zerstört worden. Tagelang habe ich nach dem Brand einen Freund, der in einem der Häuser gewohnt hat, mit Einkaufstaschen beladen in der Stadt angetroffen. Sein komplettes Hab und Gut musste ersetzt werden.

Erst Jahre später ist mir dann an der Goldgasse – ich bin sicher vorher schon oft daran vorbei spaziert – eine Skulptur aufgefallen. Die darunter angebrauchte Tafel erklärt, dass die an der Mauer montierte Installation «Feuerwächter» heisst und vom Künstler Reto Bärtschi kreiert worden ist. Ein verglühter Liftmotor – er war laut Künstler der Brandherd des Ereignisses – fand ihren Platz in der Installation.

Der Wangenrieder Künstler hat einen engen Bezug zu Solothurn, da er unter anderem zehn Jahre lang bei Hutter als Assistent gewirkt hat. Und diese Zeit hat anscheinend ihre Spuren hinterlassen – oder wie es auf Bärtschis Website formuliert ist: «Auch wenn der anerkannte Hutter keinen direkten Einfluss auf das Werk von Bärtschi nimmt, scheint allein das Vertrauen des Altmeisters ihn zu beflügeln.»

Das hat was, denn immer wieder – wenn ich in der Altstadt Solothurns unterwegs bin – bleibe ich kurz an der Goldgasse stehen und schaue mir das Werk von Bärtschi an. Dieses wirkt – trotz dieser Geschichte im Hintergrund – auf mich nicht traurig-schaurig, sondern irgendwie filigran, zauberhaft. Fast so, als ob der Liftmotor locker und leicht davon fliegen könnte.

 

Ohne Lucilia wäre zmitz nicht zmitz. Denn im Jahr 2014 gründeten sie und Fabian den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn strahlen zu lassen. Aus langjähriger beruflicher Tätigkeit und purem persönlichem Interesse kennt sie die Kulturbetriebe der ganzen Region und denkt immer eine Nasenspitze weiter. Sie ist aber nicht nur Co-Leiterin der Redaktion, sondern auch Vizepräsidentin des Vereins zmitz und schaut, dass seine Mitglieder nicht zu kurz kommen.