Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken hat den Schritt raus in die Kultur gewagt. Gelockt haben sie Kilian Ziegler (Slam Poetry) und Samuel Blatter (Musik) sowie der prachtvolle Rahmen: das Schloss Waldegg.

Vor ein paar Tagen sah ich, dass es auf Schloss Waldegg noch Tickets gibt für den Abend mit Kilian Ziegler und Samuel Blatter. Eine Kombi, die ich schon lange mal live sehen wollte. Doch anstatt sofort Tickets zu reservieren, fand ich x Ausreden. «Was ist das, das mich abhält, die Kultur wieder zu geniessen?», fragte ich mich und wagte einen Schritt vorwärts. Ticket gebucht, «Hüeti» gefunden – los geht’s. Tolles Wetter. Ich schwinge mich aufs Fahrrad und kehre nach 100 m wieder um: Maske vergessen. Beim Einkaufen und im öV hat sich das mit der Maske eingespielt. Aber Maske und Kultur passen für mich nicht zusammen – woher auch…

Vor dem Schloss kribbelt es: Der perfekte Ort, um endlich wieder eine erste Ladung Kultur schnuppern zu können. Von der ersten Sekunde an haben Blatter und Ziegler die Zügel straff in der Hand – und das Publikum lässt sich gerne führen. Lacht bei den flachsten Flachwitzen, freut sich, wenn man merkt, dass die beiden sich gegenseitig mit Witzen überraschen und staunt über die Wortspiele von Kilian Ziegler. Sein Witz fasziniert mich. Bei mir verläuft er nämlich so: Der Witz landet, entlockt mir ein Schmunzeln und etwa zwei Sekunden später realisiere ich erst, wie genial der Sprachwitz war und lache laut raus.

Das Programm dreht sich um die Post, um die Briefpost. Zeigt aber auch den Unterschied zwischen der heute praktizierten, digitalen Kommunikation – und dem Wert eines Briefes. Man leidet mit Kilian Ziegler mit, der auf DEN Brief wartet. Lacht mit Samuel Blatter, der findet, dass ein Lied sogar einen Brief an Tiefe schlägt. Fühlt sich verstanden, wenn man Ziegler ins Postamt begleitet, Nümmerchen ziehen muss, wartet. Besonders lustig war der Moment, als die beiden wissen wollten, obs im Publikum einen Briefträger habe. Keine Reaktion. Oder ob wenigstens jemanden bei der Post arbeite. Da reckt eine ganze Reihe den Arm in die Höhe. Ziegler wird nervös – oder tut zumindest so. Und als er zeigt, wie man Briefe stempelnd Rhythmen erzeugen kann, ruft einer aus besagter Reihe: «Isch dä langsam!»

Wunderbare Situationskomik – ungeplant, spontan und erfrischend. Mein persönlicher Kulturstart hat richtig Spass gemacht,  – ich bin bereit für mehr!

Ohne Lucilia wäre zmitz nicht zmitz. Denn im Jahr 2014 gründeten sie und Fabian den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn strahlen zu lassen. Aus langjähriger beruflicher Tätigkeit und purem persönlichem Interesse kennt sie die Kulturbetriebe der ganzen Region und denkt immer eine Nasenspitze weiter. Sie ist aber nicht nur Co-Leiterin der Redaktion, sondern auch Vizepräsidentin des Vereins zmitz und schaut, dass seine Mitglieder nicht zu kurz kommen.