Das Kulturjahr 2020 wird in Erinnerung bleiben. Gewollt hätte man, Zeit hätte man gehabt: Aber man durfte nicht. Zwei zmitz-Leserinnen haben unserer Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken erzählt, wie sie 2020 kulturell unterwegs waren.

Für Franziska Baschung aus Solothurn (im Bild) war es aus zwei Perspektiven ein spezielles Kulturjahr. Einerseits liebt sie die Kultur privat, andererseits verdient sie damit als Klarinettistin und Musikschullehrerin aber auch ihr Brot. Auf die Frage hin, wie für sie das Kulturjahr 2020 war, meint sie: «Das lässt sich kaum in Worte fassen. Es kann mal vorkommen, dass ein Konzert nicht stattfinden kann. Aber dass gerade reihenweise Konzerte und Produktionen wegfallen, war ein Schock.» Für sie sind die Proben und Konzerte ein wichtiger gesellschaftlicher Anlass: «Ich kann so den Familienalltag hinter mir lassen, mit BerufskollegInnen etwas erarbeiten, das tun, was ich erlernt habe, was ich gerne tue. Bei aller Liebe zur Familie, ich brauche die Musik als Ausgleich.» Sie hätte eigentlich gerade ihren Mutterschaftsurlaub abgeschlossen gehabt, als der Lockdown kam. Doch nun darf sie seit August wieder an der Musikschule unterrichten und ist so zwei Tage mehr oder weniger ausser Haus. Aber eben: «Ich habe mich so ja nicht mit BerufskollegInnen unterhalten oder mit ihnen geprobt und bin auch nicht vor Publikum gestanden. Das ist einfach nicht das Gleiche.» Zudem merkt sie, dass sie mit zunehmender Länge der Ausnahmesituation auch Motivationsprobleme hat, trotzdem weiter zu üben.

Wo findet sie in dieser Zeit einen Ausgleich zur fehlenden Kultur? «Ich habe eine Schwäche für schön illustrierte Koch- und Backbücher und ich habe viele, viele Stunden in der Küche verbracht. Dies Ist für mich irgendwie Meditation, tut gut und es fägt.» Und was erwartet sie vom Kulturjahr 2021?: «Wie alle Kulturschaffenden – und den damit verbundenen Berufszweigen – hoffe ich natürlich auf eine baldige Normalisierung der Situation. Und: dass Kultur als fester Bestandteil unserer Gesellschaft anerkannt wird.»

Die Solothurnerin Joy Büschlen ist eine Herzblut-Kulturkonsumentin. Auf die Frage, wie für sie das Kulturjahr 2020 war, meinte sie: «Spärlich. Ich kann die besuchten kulturellen Veranstaltungen praktisch an einer Hand abzählen.» Gefehlt haben ihr dabei besonders die Sommerkonzerte, vor allem die an der Hafenbar. Normalerweise besucht sie pro Jahr zudem mindestens ein bis zwei grössere Konzerte. Pachamama, das Familienfestival, liebt sie besonders – und auch darauf musste sie natürlich verzichten. Sie mag zudem Kinderanlässe, den Steinerbazar – und: «Wir hatten Tickets für Sina im Kulturm, das Konzert fand natürlich nicht statt.» Was ihr aber gut getan hat und wo sie trotzdem ihre kulturellen Oasen gefunden hat: «Ich habe es genossen, Veranstaltungen im Attisholz oder Kulturm im Kleinen besuchen zu können. Der Kulturm hat bis zuletzt durchgehalten, das war wunderbar. Schade nur, dass das Angebot nicht reger genutzt wurde. Mein letztes Kultur-Highlight 2020 war das Konzert von Long Tall Jefferson.» Und was bleibt ihr nun positiv in Erinnerung – und hat ihr gut getan? «Der Sommer war trotz allem sehr schön. Der Weihnachtsmarkt im Kloster. In die Natur zu gehen. Ich mag es zum Glück auch ruhiger, zwischendurch.»

Für 2021 hofft sie, dass das Pachamama und Buskers wieder stattfinden werden und dass sie auch andere Festivals und Openairkonzerte besuchen kann. Aber ihr ist klar: «Es ist noch nicht voraussehbar, was möglich sein wird. Zahlreiche Anlässe in Solothurn fehlen. Sie machen die Stadt lebendig.»