Aus 181 Eingaben haben es 49 an die Kantonale Jahresausstellung 2020/21 geschafft. zmitz-Blogger Fabian Gressly hat sich beim Besuch des Kunstmuseums gefragt: Wird Corona zu sehen sein? In der Beantwortung blieb er sich selbst überlassen.

Inzwischen sind ja Masken kein Hinderungsgrund mehr. Also habe ich mich am Wochenende wie jedes Jahr aufgemacht, das aktuelle solothurnische Kunstschaffen in der Jahresausstellung zu begutachten. Diesmal besonders gespannt und neugierig, denn eine Frage steht über all den vergangenen Monaten: Wie prägt Corona den künstlerischen Ausdruck? Lassen sich Lockdown, Virus, Unsicherheit irgendwo, irgendwie erkennen?

Neulich habe ich eine Reportage über eine deutsche Theaterschaffende gesehen, die Corona zum Stück gemacht hat und nun auf die Premiere wartet. Sollten nun in den Ausstellungsräumen im Parterre des Kunstmuseums lauter in Bildern, Skulpturen, Installationen und Videos manifestierte Corona-Auseinandersetzungen auf mich warten? Die Antwort ist: Ich weiss es nicht.

(Werke im Bild: Sonya Friedrich im Vordergrund, im Hintergrund (v.r.) Michael Medici, Pavel Schmidt, Susan Hodel und Roman Lüscher)

Ja, Corona lässt sich da und dort rauslesen. Aber genauso gut könnten die Luftmatratzen von Michael Medici im ersten Raum auch nichts mit einer Ferien-Sehnsucht in Zeiten des Zuhausebleibens zu tun haben. So wie Julian Salinas‘ drei «Mare»-Arbeiten, düster-helle Blicke in ein Meer voller Ungewissheit? Oder sind die Gartenbilder 1-4 von Daniel Breu eine Reminiszenz an die Zeit im Frühling, als alle Zeit für ihre Gartenarbeit hatten? Die Raumplastik bzw. die Zeichnung von Sonya Friedrich, «Uirapuru’s Garten» bzw. «Uirapuru’s Gartenplan» auch? (Wieder zurück in den eigenen vier Wänden sagt mir Google immerhin, dass Uirapuru eine mythologische Figur in Brasilien oder aber der Orpheus-Zaunkönig aus dem Amazonas ist). Sind die auf einen Spiess aufgesteckten Zitronen in Lorenzo Salafias Arbeit wirklich das, was ich Corona-indoktriniert daraus lese?: Gibt dir das Leben Zitronen, mach Limonade draus bzw. grill sie.

Viele der Namen, die im Kunstmuseum zu sehen sind, haben jüngst gerade Schlagzeilen gemacht. Jakob F. Rieder hat einen Förderpreis des Kantons Solothurn erhalten. Sein ausdrucksstarkes Bild «A well calibrated surface for you to stand on Nr. 2» mit seinen 1,5 auf 2 Metern wird mir lange in Erinnerung bleiben. Auch Luzia Hürzelers Gegenüberstellung von Fotos in Berglandschaften und ausgestopften Wölfen: Sind die Fotos effektiv aus dem Wallis, wie ich vermute? Hürzeler hat eben einen Fachpreis des Kantons erhalten. Ebenso wie die ebenfalls präsente Esther Ernst, die in Solothurn eine Videoinstallation zeigt, und Pawel Ferus mit seiner schon fast liebevollen Miniatur-Persiflage auf den Trend hin zu grossen, wuchtigen SUVs.

Ich weiss nicht, ob es an Corona liegt. Aber die diesjährige Ausstellung hat mich weniger gepackt, weniger entführt als andere. Viele Arbeiten haben eine plakative Wirkungsart. Sie springen einen zwar an, nehmen einen aber nicht mit. Da hätte eine Einordnung der Jury weitergeholfen, eine Würdigung des Jahrgangs. Die Eingaben seien «reich an Erklärungen (…)» gewesen, schreibt Jurypräsidentin Marie-Antoinette Chiarenza. Diese Erklärungen hätten der Jury geholfen, diskutieren zu können. Schade, wird diese Möglichkeit nicht an die Besucher*innern weitergegeben. Denn, wie das einleitende Wort zum Werkverzeichnis ebenfalls feststellt: «Ohne Kontext kann keine Diskussion entstehen.» Trotzdem und trotz Schutzmaske: Hingehen lohnt sich allemal!

36. Kantonale Jahresausstellung des Kunstvereins Solothurn: noch bis 3. Januar 2021 im Kunstmuseum Solothurn (Details hier). Die Ausstellung ist auch virtuell zugänglich über diesen Link.