Dass die Galerien eine gute Möglichkeit sind, Kultur trotz Corona zu geniessen, hat zmitz-Bloggerin Mirjam Staudenmann bereits vor zwei Wochen entdeckt (Blog dazu hier). Nun hat sie zwei weitere Solothurner Galerien besucht und hatte eine ganz neue Erkenntnis: Galerien sind fast wie Feierabendbiere…

Meine kleine Tour beginnt am Freitagabend im Kunstforum Solothurn. Statt Feierabendbier gibt es ein Galerienhäppchen – ich finde, die Alternativen während Corona sind nicht alle schlecht. Jedenfalls freue ich mich über die dreidimensionalen Figuren, die mich im Kunstforum erwarten: Caro Suerkemper giesst ihre Figuren vorwiegend in Ton und legt sie gleichzeitig in Fesseln, steckt sie hinter Gitter oder pfercht sie eng zusammen auf einen Hügel. Hanspeter Dähler, der Galerist, kommt auf mich zu und verweist mich rasch auf die Zeichnungen. Hier werde noch deutlicher, dass Suerkemper die Fesseln metaphorisch verstehe, meint er. Ich finde diesen Hinweise hilfreich. Tatsächlich betrachte ich die Figuren anders.

Die zweite Galerie ist nicht weit: Ich begebe mich einfach in den ersten Stock, in die Galerie Christoph Abbühl. An der ersten Wand treffe ich auf kleine, quadratische, einfarbige Bilder der Solothurnerin Myriam F. Levy. Eine schöne Komposition, wie ich finde. Jedoch erst bei genauerem Betrachten – und beim Besuch im zweiten Raum – fällt mir die Sanftheit der Farben und des Materials auf. Ich denke zuerst an einen Wachsuntergrund. Lange bleibe ich fasziniert vor den Bildern stehen. Im nächsten Raum treffe ich nicht nur auf die Bilder von Valérie Balmer, sondern auch auf den Galeristen. Kaum eingetreten, verwickelt mich dieser in ein Gespräch. Und so erfahre ich, dass sich Mirjam F. Levy der «Enkaustik» bedient: einer uralten Maltechnik, die bis ins 8. Jh. vor Christus zurückreicht und tatsächlich eine Form der Wachsmalerei ist.

Ich bin ziemlich überrascht: Die beiden Galeristen erzählen mit einer zurückhaltenden Begeisterung von «ihren» Künstlerinnen. Abbühl berichtet nun zum Beispiel weiter, dass Valérie Balmer, vor deren Bildern ich jetzt stehe, ihre bisherige Arbeit über Briefe im Zweiten Weltkrieg noch weiter verdichtet hat, bis nur noch die Papierbögen und Couverts zu erkennen sind. Diese sind mit Öl auf Glas gemalt, was für mich eine spannende Mischung zwischen einer farblichen Intensität und dem zerbrechlichen, transparenten Glas ist. Ohne einen elitären Galeriendünkel wird mir die Welt, in der ich hier stehe, nähergebracht. Wird mir eine Dimension eröffnet, die ich beim reinen Betrachten der Bilder nicht erkannt hätte.

Meine Tour beende ich in der Galerie SO am Riedholzplatz. Ich muss zugeben, es ist mein allererster Besuch und – ich komme fast zu spät. Die Galerie schliesst um 18 Uhr und ich stehe – mir dessen nicht bewusst – um 17.58 Uhr im Türrahmen. Felix Flury ist eigentlich grad auf dem Sprung, schaltet mir aber ganz selbstverständlich das Licht noch einmal ein und währenddem ich die Legoobjekte in Bronze betrachte, erzählt er mir von der Geschichte seiner Schmuck- und Objektegalerie.

Mein Freitagabend war fast wie ein Feierabendbier: Auf Austausch ausgelegt. Schön, wie sich die Galeristen Zeit genommen haben. Ich erkenne das als absoluten Vorteil eines Galerienbesuchs. Probiert es aus.

Das Ausstellungsprojekt «Fierce Times» von Christian Gonzenbach und Patrick Schätti ist noch bis am 19. Dezember in der Galerie SO zu sehen.  

Die Ausstellungen im Kunstforum und der Galerie Abbühl sind dieses Wochenende zu Ende gegangen. Die nächsten Ausstellungen folgen ab dem 5.12.: