Wie geht es eigentlich den Kulturhäusern in der Region, jetzt, wo die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise sie wieder mit voller Wucht treffen? zmitz fragt nach bei Anna-Barbara Rothen vom Theater Orchester Biel Solothurn.

Wie war euer bisheriges Kulturjahr 2020 in einem Wort?
Anna-Barbara Rothen: Herausfordernd.

Wie sieht euer tatsächliches Programm gegenüber dem geplanten aus? Was fällt weg? Was findet trotzdem statt?
Anna-Barbara Rothen: Wir müssen von Woche zu Woche neu entscheiden, was wir noch spielen können und dürfen und was nicht. Anfang Monat konnten wir im Stadttheater Solothurn die geplanten Aufführungen von «All you can be!» zeigen, «Die Panne» und «Der Trip Rousseau» mussten dagegen ausfallen. Die Oper «Casanova in der Schweiz» konnten wir ebenfalls noch nicht vor unserem Publikum spielen. «Romeo und Julia» wird auf 2021 verschoben und steht dann anstelle von «Faust I» auf dem Programm. In Biel fällt momentan alles weg.

Gibts einen Unterschied zwischen Biel und Solothurn?
Anna-Barbara Rothen:  Ja, im Kanton Bern sind aktuell gar keine kulturellen Veranstaltungen mehr möglich, da der Regierungsrat die Schliessung aller Theater, Konzerthäuser etc. angeordnet hat. In Solothurn dürfen wir das Theater noch geöffnet haben und vor max. 30 Zuschauer*innen spielen.

Wie triagiert Ihr? bei diesen 30 Personen mit Abos, Vorverkauf und Abendkasse? Wer kriegt den Vorzug? Und gibt’s nun einfach entsprechend mehr Vorstellungen?
Anna-Barbara Rothen: Wo wir für 30 Besucher*innen spielen können, haben in erster Linie unsere Abonnentinnen und Abonnenten Zutritt. Wann immer möglich, sind natürlich auch die restlichen Kartenkäufer*innen zugelassen. Es ist eine unglückliche Situation für alle – wir sind aber nun mal gezwungen, eine Art «Triage» vorzunehmen und haben uns entschlossen, mit den Abonnent*innen unseren treusten Zuschauer*innen den Vorzug zu geben. Die tatsächlich berücksichtigen Abonnent*innen werden nach Zufallsprinzip ausgewählt, da wir natürlich auch hier mehr als 30 Plätze pro Vorstellung bereits vergeben haben. Bei «All you can be!» konnten wir am 7. und 8. November zwei Zusatz-Vorstellungen anbieten um so viele Zuschauer*innen wir möglich ins Stück lassen zu können. Für den 21. und 22. November sind Ersatz-Vorstellungen von «Der Trip Rousseau» angesetzt. Aber auch so mussten wir zahlreichen Interessenten absagen. Zusatz- bzw. Ersatzvorstellungen sind auch für andere Produktionen geplant, werden aber bei weitem nicht für alle Stücke möglich sein.

Wie viele Leute weniger im Vergleich zum «Normalbetrieb» könnt Ihr pro Woche reinlassen?
Anna-Barbara Rothen: Für eine generelle Aussage fehlen uns noch die Zahlen und Erfahrungswerte. In der ersten Novemberwoche konnten wir beispielsweise etwa 15 bis 20 Prozent der eigentlich geplanten Zuschauer*innen einlassen.

Zusatzvorstellungen mit letztlich eben netto doch weniger Zuschauenden klingt nach einer Mehrbelastung der Finanzen. Oder kann man so noch einigermassen kostendeckend arbeiten?
Anna-Barbara Rothen: Nein, finanziell lohnt sich das nicht.

Könnt Ihr als Reaktion auf die tieferen Einnahmen auch irgendwo sparen? Sind weniger Leute im Einsatz? Wurde euch der Mietzins für euer Lokal erlassen? Gibts anders Sparpotenzial?
Anna-Barbara Rothen: Das wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.

Habt Ihr auf andere Angebote – z.B. online – «umgestellt»?
Anna-Barbara Rothen: Die Werkeinführungen werden seit Beginn der Saison ausschliesslich online angeboten. Geplant sind auch verschiedene Angebote im Streaming-Bereich. Grundsätzlich spüren wir aber auch eine gewisse «online-Müdigkeit» – kein Internet-Angebot kann den live-Theaterbesuch ersetzen!

Bei allem, was aktuell die Arbeit im Kulturbereich schwierig macht, könnt ihr aus der ganzen Situation auch was Positives mitnehmen?
Anna-Barbara Rothen: Die vielen schönen Reaktionen aus dem Publikum haben uns gezeigt, wie wichtig Kultur und unser Angebot sind. Danke!

Was ist eure Prognose auf die nächsten Monate hinaus?
Anna-Barbara Rothen: ¯\_(ツ)_/¯