Pfeile am Boden, Warteschlangen, Schutzregeln, erweitertes Online-Angebot, keine Anlässe – auch bei der Zentralbibliothek Solothurn ist Corona überall präsent. Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken hat sich nach langer Zeit wieder mal in der Zenti ein Buch geholt.

Titelfoto: André Albrecht

Morgen findet schweizweit die Erzählnacht statt. Auch die Zenti macht mit. Dieses Jahr werden sich aber keine neugierigen Kinder und Erwachsene um die Vorleser*innen versammeln und den Geschichten lauschen. Das Angebot wird online stattfinden. Wer sich die Geschichten anhören möchte, findet morgen das Programm auf www.zbsolothurn.ch

Trotzdem – oder gerade wegen der aktuellen Situation sind aber die richtigen Bücher nachwievor gefragt. Wer in Bücher eintaucht, findet Antwort auf Fragen, kann sich ablenken – oder bei einem Ausflug in eine andere Galaxie, andere Zeit oder in die Fiktion den Alltag für eine Weile ausblenden.

Vergangene Woche bin ich erstmals seit dem Lockdown wieder mal in die Zenti gegangen. Über Mittag, um den Warteschlange auszuweichen, was auch tatsächlich geklappt hat. Auf dem Weg Richtung Ausleihabteilung ist mir das Regal mit den in Geschenkpapier eingewickelten Büchern aufgefallen. Kurz vorher hatte ich auf der Zenti-Facebookseite von dem Angebot gelesen. Die Idee ist, dass man sich auf ein Blind-Date mit einem Buch einlässt. Das heisst: Man nimmt ein Buch, ohne genau zu wissen, was sich unter dem Geschenkpapier versteckt. Jedes Paket ist mit einem Etikett versehen. Darauf steht, welche*r Bibliotheksmitarbeiter*in das Buch ausgesucht hat – und der Buchinhalt wird zusätzlich in paar wenigen Stichworten zusammengefasst. Als «Gluschtigmacher» sozusagen. Ich schaue mir jedes Päckli an. Die Grösse, die Dicke – ich lese die Etiketten und versuche mir vorzustellen, was sich für ein Buchtitel hinter der Person und den Hinweisen verstecken könnte. Und dann entscheidet das Bauchgefühl, welches Buch mein Blind-Date sein soll.

Zu Hause setze ich mich mit einer Tasse Tee in der Hand aufs Sofa und widme mich dem Buch. Langsam öffne ich die Verpackung. Ich bin eine Cover-Wählerin. Das heisst: Wenn ich durch die Regale in der Zenti gehe, dann wähle ich oft ein Buch, dessen Cover mir gefällt. Wenn dann der Buchtitel und die Zusammenfassung auf der Rückseite auch noch stimmig sind, dann nehme ich das Buch mit nach Hause. Das Blind-Date-Buch wäre wohl durchgefallen.

Das Cover von «Kleine grosse Schritte» von Jodi Picoult ist rein optisch nicht so mein Ding – aber der Klappentext macht mich doch neugierig. Bald werde ich es lesen und hoffen, dass es mich zu fesseln vermag und mir dann vielleicht vornehmen, in Zukunft etwas weniger auf die «Verpackung» und mehr auf den Inhalt zu schauen.

Infos zur Erzählnacht in der Zentralbibliothek findet man hier