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Fankhauser-Duell

Bei dem, was Philipp Fankhauser in erster Linie macht, sind sich die zmitz-Bloggerinnen Mirjam Staudenmann und Dominique Niklaus einig: Er hat den Blues im Griff. Trotzdem: Nach dem Konzert im Rössli Balsthal bleibt bei beiden eine Skepsis.

 

Die Musik ist gut...

Mirjam Staudenmann

Geretteter Endjahresblues

Dominique Niklaus

Bereits mit einem Vorbehalt ins neue Jahr zu starten, ist ja nicht unbedingt wünschenswert. Trotzdem ist es mir passiert – als ich Dominique im letzten Dezember gefragt habe, ob sie mit mir das Philipp-Fankhauser-Konzert in Balsthal besuche. Mir gefällt Fankhausers Musik ziemlich gut, aber das ist dann auch schon alles. Dieses Gstürm um die Mühle Hunziken – nicht, dass ich mir hier ein Urteil erlauben würde. Doch die Mühli war für mich eines der schönsten Kulturlokale der Schweiz. Das Gstürm hat sie nicht verdient. Dazu kommt Fankhausers Auftritt in «The Voice Of Switzerland»: Hat das ein Herzblut-Musiker wirklich nötig?

Die Musik ist und bleibt gut – das stellte ich an diesem Neujahrstag im Rössli erneut fest. Fankhauser ist vielleicht einer der einzigen Schweizer Musiker, dem man den Blues glaubt. Seine Stimme ist weicher als Samt, sein Gitarrenspiel unglaublich. Wären da nicht die etwas unbeholfenen Bewegungen auf der Bühne, würde ihm niemand den Schweizer abnehmen. Ohne die für mich zu langen Soli wäre das ein schöner musikalischer Start ins Jahr gewesen. Er selber als Person muss mir ja nicht gefallen. Und das tut er nach wie vor nicht. Ich finde nicht, dass es ein Musiker nötig hat, auf der Bühne über andere Stilrichtungen (in diesem Fall die Rock-Musik) herzuziehen und den Blues immer wieder als «einzig wahre Musik» darzustellen. Ich finde es auch nicht richtig, gegenüber dem Publikum SRF3 zu kritisieren, wenn man zwei Wochen vorher dort in der JRZ-Box gesessen hat – und viel Geld bei «The Voice Of Switzerland» verdient hat – welches (falls es ihm entgangen wäre) vom gleichen Konzern auf sein Konto geflossen ist.

Den Konzertbesucherinnen und –besuchern hat der Auftritt gefallen – das ist schliesslich alles was zählt. Das neue Album sei, so Fankhauser, zum ersten Mal genau nach ihren Vorstellungen produziert worden. Wenn dies, wie ich vermute, unter anderem dank dem Geld aus «The Voice Of Switzerland» möglich war, dann verstehe auch ich diese «Quersubventionierung». Trotzdem bleibt der Vorbehalt: Für meinen Geschmack dürfte sich der Bandleader in Zukunft in seinen Aussagen genauso konsequent zeigen, wie in seiner Musik.

Socken. Voice of Switzerland. Und das Gstürm um die Mühle Hunziken. Das ist, was mir als erstes in den Sinn kommt bei Philipp Fankhauser. Aber auch, dass er so schön den Blues besingt, mit seiner rauchigen, eindringlichen Stimme. Und genau deshalb lasse ich mich von Mirjam überreden, am 1. Januar nach Balsthal zu fahren, um das neue Jahr mit diesem überragenden Bluesmusiker einzuläuten. Zwar etwas skeptisch, weil ich den Blues schon vorher hatte, den Endjahresblues, der sich leider auch ins neue Jahr gerettet hat.

Doch der Abend beginnt witzig charmant: Philipp Fankhauser redet ja auch gern, macht sich über sich und das Publikum lustig, kann sich auch den einen oder anderen Seitenhieb gegen die Presse, das Radio oder eben auch wegen dem Gstürm über die Mühle Hunziken nicht verkneifen. Ich mag das, auch wenn es nicht politisch korrekt ist, auch wenn es bisweilen, wie Mirjam findet, arrogant wirken mag. Ich schätze diese Art von Humor, aber eigentlich geht es hier ja nicht um das Gschnurr von Fankhauser, sondern um seine Musik.

Er kann den Blues, keine Frage. Er nimmt mich mit in die dunkelsten Ecken seiner Blues-Seele, besingt das Leid dieser Welt wie kein anderer das kann. Er kann aber auch beschwingt, so dass der volle Saal des Rössli in Balsthal – sichtlich verkatert – mitschunkelt und wippt. Philipp Fankhauser nimmt sich zurück, inspiriert seine Bandmitglieder zu grossartigen Solis oder singt ohne Mikrofon in den Saal, so dass seine wunderbare Stimme erst recht zum Tragen kommt. Summa summarum ein gelungener Abend, nur war es mir in den über zwei Stunden dann doch zu viel des Herz-Schmerz-Blues. Um meinen eigenen Koller zu vergessen, wäre mir mehr lüpfiges Südstaatenfeeling lieber gewesen. Diese «Ich-besinge-das-Elend»-Lieder höre ich in dieser Länge lieber auf dem Sofa, bei einem guten Glas Wein. Und vielleicht bestelle ich dabei online ein paar bunte Socken und google nach Johnny Copeland.

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