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Penisneid inspiriert!

Nicht nur René Zäch (im Bild seine Arbeit «Zimmer-Antenne») regt an der Jahresausstellung zum Nachdenken und Schmunzeln an. Ein Gang durchs Kunstmuseum Solothurn (zur Nachahmung empfohlen).

«Weil es nicht funktioniert, kann es nur Kunst sein.» Dieser Satz an der Arbeit der Oltnerin Martina Baldinger – eigentlich kurz vor Ende des Ausstellungsrundgangs – brachte mich dazu, ein zweites Mal durch die Jahresausstellung zu laufen. Was ich bisher gesehen hatte, nach einem etwas hektisch vorgezogenen Feierabend und mit x Dingen im Kopf, die noch erledigt werden wollten, war zwar schön. Aber irgendwie wirkte es nicht. Der zweite Gang sollte das ändern.

Die Kantonale Jahresausstellung ist jedes Jahr wie eine Wundertüte (Man entschuldige bitte den wenig intellektuellen Vergleich): Die Erfahrung hat einen gelehrt, dass es immer ein Genuss ist. Aber was man zu sehen bekommt, weiss man eben erst, wenn man es sieht. Man schreitet, in meinem Fall normalerweise an einem Tag zwischen Weihnachten und Neujahr, auf das Kunstmuseum in Solothurn oder jenes in Olten zu und die Vorfreude, das Kribbeln, wächst mit jedem Schritt: Wie ist es denn nun..?

71 Werke von 35 Solothurner Künstlerinnen und Künstlern sind noch bis am 4. Januar im Kunstmuseum zu sehen und zeigen, was im Kanton Solothurn aktuell geschaffen wird. Ob es die grosse, direkt auf die Wand gemalte Arbeit «Restmasse» von Jan Hostettler, die grandios skurrilen, auf so vielerlei Ebenen ansprechenden Bilder von Lex Vögtli oder die Videoarbeit von Jannik Giger ist (ein Ausschnitt auf Vimeo). Letzterer, der Büsseracher, überrascht vielleicht am meisten: Viele Kunstschaffende, die in den letzten Jahren Förderpreise des Kantons Solothurn erhalten hatten, wurden von der Jury für die Jahresausstellung auserwählt. Giger gehört auch zu ihnen; allerdings als Komponist. Hier nun tritt er als Regisseur einer Videoinstallation auf, welche die Entstehung einer Ausstellung zeigt – freilich akustisch untermalt.

Und während des zweiten Rundgangs – wie ich in einem Spiegel der Installation «A chacun son problème» des Künstlerduos Boycotlettes (oben) mein eigenes Gesicht erblicke und mich Frage: «Hesch Problem, Mann?» – denke ich: Kunst funktioniert eben doch. Sie regt an, inspiriert, macht Freude. Und zugleich ergreift mich so etwas wie Penisneid. Das Wort fällt mir ein, weil ich vor Roshan Adhihettys Bildserie «Die Nacktwanderer» stehe. Der Penisneid pocht mir im Kopf: «So viel Kreativität, so viele Ideen, so erfüllend und anregend. Und Du?» Als ich vor zwei Jahren an gleicher Stelle das Kunstmuseum verliess, nahm ich mir vor, jeden Morgen, zum zweiten Kaffee, eine Zeichnung zu machen. Das klappte zwei Wochen lang. Vielleicht dauerts 2015 ja länger.

 

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