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Verletzliche Bilder auf rohen Mauern

zmitz-Bloggerin Mirjam Staudenmann besuchte die immersive Kunstausstellung «illuminated art» in der alten Kiesofenhalle des Attisholz-Areals. Um es vorweg zu nehmen: Es war anders, als sie erwartet hatte.

Vor eineinhalb bzw. zwei Jahren besuchte ich das «Atelier des Lumières» in Paris: In einer alten Eisengiesserei im 11. Arrondissement wurden mir digitalisierte und animierte Bilder zum einen von Klimt, zum anderen von van Gogh gezeigt, welche an Mauern, Decken und Boden zum Rhythmus der Musik tanzten. Ich erinnere mich, wie lange es jeweils gedauert hatte, bis ich es geschafft hatte, aus dieser Welt wieder in die Realität aufzutauchen. Dass dieser damals für mich eher neue Begriff der «Immersion» «Eintauchen» bedeutet, konnte ich in dieser ehemaligen Eisengiesserei im 11. Arrondissement mit allen Sinnen fühlen.

Seit Anfang August schafft das Zürcher Künstlerkollektiv «Projektil» nun auch in der Kiesofenhalle des Attisholz-Areals einen Ort, in welchem die Zuschauer*innen in Interaktion mit dieser virtuellen Umgebung treten. Die Einladenden sind niemand geringeres als Ferdinand Hodler und Paul Klee. Ebenfalls Künstler, die ihre Gäste bisher eher in Kunstmuseen denn in Industriebrachen empfangen haben.

Nein, Solothurn ist nicht Paris. Ich sage mir das beim Überqueren des Areals, bevor ich in die Halle trete. Was ich erwarte ist eine schöne und ansprechende Projektion im Stil von «Rendez-vous Bundesplatz». Vor allem aber freue ich mich darüber, dass die Idee dieser Ausstellung in meinem unmittelbaren Lebensraum stattfindet. Nein, Solothurn ist nicht Paris. Zur Sicherheit wiederhole ich es noch einmal.

Die Kiesofenhalle erscheint riesig. Inmitten der Halle steht ein Kran, es riecht nach gestauter Feuchtigkeit in alten Mauern. Bevor ich alles wahrnehmen kann, beginnt es. Hodlers Frauenbilder werden auf die rauen Industriemauern projiziert, dazu ist Musik von Brahms zu hören. Ich kriege eine Gänsehaut: Was mögen diese Mauern alles schon erlebt haben? Was ist in diesen Räumen wohl geschuftet worden? Es scheint, als würden zur Versöhnung für all’ die Mühen Hodlers Bilder nun sanft tanzen. Später umspielen Klees Bilder den Raum, scheinen die Wände zu kitzeln um sich dann über die Decke zu verziehen.

Die Gedanken an Paris kommen erst wieder, als ich den Raum verlasse. Nämlich dann, als ich in der Dämmerung über das Areal zurück spaziere und mich in Attisholz so urban fühle, wie selten irgendwo in der Schweiz. Vergleichbar sind die beiden Ausstellungen für mich nicht. Denn jene in Attisholz lebt vor allem von seiner Umgebung. Solothurn ist nicht Paris. Aber Paris ist eben auch nicht Solothurn.

Klee und Hodler können bis Mitte Oktober jeweils mittwochs bis samstags im Attisholz-Areal besucht werden. Weitere Infos und Tickets unter www.projektil.ch

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