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1. August - abgesagt!

Keine 1.-August-Feier, kein Feuerwerk, nichts. Corona hat uns sogar unseren Nationalfeiertag vermasselt. Damit auch dieses Stück Kultur zuhause genossen werden kann, hat sich Blogger Reto Stampfli für zmitz ins Zeug gelegt und eine Rede verfasst. Et voilà:

Was sind das bloss für Zeiten, wenn ein dahergelaufenes Virus sogar dem ureidgenössisch Volksverbindenden Distanz aufzwingen kann? Was ist passiert, wenn sich inmitten einer sonst so verschworenen Gemeinschaft plötzlich Verschwörungsgemeinschaften bilden? Was sollen wir davon halten, wenn trotz enger Verbundenheit auf einmal Abstand das oberste Gebot ist? Was machen wir nur heute Samstag, wenn keine patriotischen Ansprachen gehalten, Höhenfeuer entflammt und kiloweise Raketen abgefeuert werden können?

Diese pandemische Ausnahmesituation führt zu einer rhetorischen Leere, einer patriotischen Dunkelheit und einem ruhigen Abendhimmel, der uns vielleicht dazu bewegen kann, uns ein paar stille Gedanken zur aktuellen Situation zu machen. Überlegungen dazu, was uns eigentlich fehlt, wenn dieses Jahr kaum 1. August-Feiern stattfinden können.

Fehlt uns etwa die oft gepriesene freundeidgenössische Nähe, diese verbindende Qualität, auf die wir so stolz sind? Jenes urtümliche Gedränge, das uns schon bei Morgarten zum Sieg verholfen hat. Diese schützende Enge, aus der Winkelried eine Schneise in die feindliche Phalanx schlagen konnte. Jener bergende Zaun, der laut Niklaus von Flüe nicht zu weit gemacht werden sollte. Jene händeschüttelnde Vertrautheit, die an jedem Schwingfest zelebriert wird. Jene gehätschelte föderalistische Mikrokommunität, in der jede und jeder jeden und jede irgendwie kennt. Jene verschworene Verbundenheit, die bereits vor Jahrhunderten auf der Rütli-Wiese Programm war.

Ich kann dazu nur Vermutungen anstellen; hieb- und stichfeste Antworten vermag ich keine vorzuweisen. Ich weiss jedoch mit Sicherheit, was mir persönlich heute sicher nicht fehlen wird: zeuselnde Reden, lodernde Holzhaufen und feuerspeiende Knallkörper.

Doch die vertraute Nähe, die wird mir fehlen; die fehlt mir – wie den meisten Anderen – schon seit Monaten. Das ist jedoch nicht eine patriotisch befeuerte 1.August-Nähe, sondern eine ganz natürliche und stärkende Verbundenheit mit den Menschen in meinem Umfeld.

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