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Frau Augenweide improvisiert

Es ist eine Kultgemeinde, die bereits nach 19 Uhr der Pforte des Alten Spitals zustrebt. Die Platzzahl ist beschränkt, die Vorstellung ausverkauft. Wer jedoch früh genug ansteht, kriegt die besten Plätze. Und das lohnt sich! – Improvision ist angesagt. Sechsmal im Jahr. Immer an einem Mittwoch. Und das seit zehn Jahren.

In heiterer Eloquenz begrüsst Leonardo Glutz sein Publikum, erläutert knapp Abläufe und Konventionen. Insider kennen das längst. Schnell wird klar: Der Input kommt vom Publikum. Den Rest besorgen die Leute auf der Bühne. Mit Publikumshilfe wird rasch bestimmt, wer in den zwei Teams gegeneinander spielt. Das Spiel beginnt: «Fünf, vier, drei, zwei, eins... los!»

Janina, Müui und Speri gegen Remo, Stapfi und Johnny. Leonardo umschreibt dem Publikum präzis, wie eine Disziplin abläuft. Die Truppe auf der Bühne muss in sekundenschnelle Spielszenen nach skurrilen Vorgaben des Publikums umsetzen. Intuition, Schlagfertigkeit und komödiantisches Fingerspitzengefühl sind alles. Absprachen vor Beginn gibt’s keine. Je länger der Abend, desto offensichtlicher wird: Reaktionsschnelligkeit und Blitzwitz sind nötig. Dazu ist Intelligenz gefragt. Und alles geht teuflisch schnell: Ruckzuck-Zackzack.

«Turm zu Babel» beispielsweise: Auf Hupsignal müssen die Spieler mitten im Sketch von Deutsch auf Bulgarisch wechseln. Und das Signal ertönt im 10-Sekunden Takt. Doch man kauft den Akteuren ihr Bulgarisch voll ab! Die eng gedrängten Leute im Gewölbekeller biegen sich vor lachen.

Ein achter Mitspieler dreht dem Publikum den Rücken zu: Mathias Rickenbacher. Auch er spielt. – Klavier! In mehreren Disziplinen braucht’s musikalische Instant-Begleitung. Auf Stichwort entlockt Rickenbacher den Tasten Country, Rap und Volkstümliches – eine Wucht! Rasch stellt man fest, dass die Akteure allesamt neben Improvisations- auch Gesangstalente sind.

Eine Zuschauerin hat eine Bleistiftspitzmaschine mitgebracht, welche auf der Bühne als Kaffeemaschine eingesetzt wird. Später unterhält sich Herr Tannenwipfel distinguiert mit Frau Augenweide. Und jedesmal, wenn nach einem Ortsnamen gefragt wird, prustet einer aus dem Publikum: «Zuchu!»

Nach jeder Disziplin ermittelt das Publikum durch Hochhalten farbiger Karten das Siegerteam. Heute hat Gelb gewonnen. – Im Gegensatz zum Singen ist Siegen heute nur Nebensache. Rituale und Gaudi auf Höchstniveau prägen den Abend. Das Publikum ist hell begeistert. Am 30./31. Januar feiert das Improvisions-Team in der Mausefalle sein 10-Jahr-Jubiläum. Wer es verpasst, hat nichts zu lachen.

Weitere Vorstellungen im Alten Spital finden am 25. Februar, 25. März und 29. April 2015 statt.

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