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Im Schnellzug durch die Nacht

Noch nie hat Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken den Besuch eines Konzertes bereut, aber es gibt ein Konzert, das sie verpasst hat - und dem sie noch heute nachtrauert. 

40 Jahre lang steht er schon auf der Bühne - und dafür wird er Ende Februar auch an den Swiss Music Awards geehrt: Stephan Eicher. Seine Musik begleitet mich nicht oft, aber regelmässig. Das heisst: seit vielen Jahren begegne ich ihm immer wieder. Manchmal eher zufällig. Läuft «Dejeuner en paix» am Radio, singe ich jedes Wort mit, während mich eine Gänsehaut «chrüselet». Der Mann hat Charisma, er strahlt eine Selbstsicherheit aus, die nahe an Arroganz ist, aber eben so viel Kraft ausstrahlt, dass es mich immer wieder fasziniert. Und dieser Stephan Eicher strotzt nur so von Ideen. Projekt um Projekt jagt sich - die Ideen scheinen ihm nicht auszugehen. 

2018 machte ihm aber die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Und mir auch! Wie hatte ich mich auf eines der eher seltenen Schweizer Konzerte von Eicher zusammen mit dem Traktorkestar gefreut. In Estavayer-le-Lac hätten sie am Openair auftreten sollen. Tickets hatte ich, das Wetter war perfekt und dann am Morgen früh die Meldung: «Abgesagt!!» Läck het mi das aagschnäggelet!!! Estavayer hat dann trotzdem Spass gemacht. Aber Eicher und die Berner Bläsertruppe hatte ich trotzdem noch immer nicht live erlebt. 

Und dann im Dezember '18 ein Blick ins Programm von Kreuzkultur: Traditionsgemäss stand das Konzert mit dem Traktorkestar auf dem Programm. Hingehen? Ich liess es, denn mich interessierte in erster Linie die Kombi mit Eicher. Tja, Feeeeehler! Ich hätte hingehen sollen. Kurz darauf die Meldung: Eicher war im Kreuz mit von der Partie! Kennt ihr das? Man liest und liest eine Meldung und denkt: «DAS ISCH JETZ NID WOHR!» Sozusagen vor der Haustür DAS Konzert - und ich verpasse es. F***!

Vergangenen Freitag zum 6. Mal die Kreuzkultur-Tradition: Das Traktorkestar steht auf der Bühne. Ganz ein kleines Bisschen schwingt die Hoffnung mit: Vielleicht mit Eicher? Aber bei der Konzertankündigung steht: Miso Petrovic wird mitsingen: «Und wenn da Miso Petrovic steht, dann wird auch auf der Bühne nur Miso stehen», war mein Mantra, mit dem ich mich vor dem Konzert vor falschen Erwartungen schützen wollte. 

Das Konzert im Kreuz-Saal war ausverkauft. Die Stimmung gut - so wie es nach Weihnachten oft üblich ist. Alle relaxt, alle wohlgenährt und doch irgendwie auch froh, die Seele fernab von Familie und üppigen Mahlzeiten baumeln zu lassen. Und dann standen sie da, die neun Bläser und drei Percussionisten. Sie nahmen mich vom ersten Ton mit auf eine Reise, die sich anfühlte, als ob ich in einem Schnellzug sitzen würde. Innert Sekunden von 0 auf 100 eine Reise durch Bilder, welche ihre Musik weckte. Vor allem aber machte es Spass, die 12 Musiker zu beobachten. So unterschiedlich - und doch als Gruppe so eingespielt passend. Miso Petrovic dann das sympathische Supplement, mit Schalk in den Augen und Liedern aus seiner Heimat Mostar, welche weitere Bilder wecken und den Kreuz-Saal in Schwingung versetzen: Lauter glücklich tanzende Menschen um mich. Ein schönes Gefühl. 

Die Kombi Eicher-Traktorkestar habe ich nun zwar immer noch nicht erlebt. Ob das wohl irgendwann noch klappt? Aber der Abend im Kreuz war ein würdiger Abschluss für ein vielseitiges und aufregendes Konzertjahr 2019.

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