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Vom «Flachmann» und der Frage nach der eigenen Freiheit

Wie der Animationsfilm «Flachmann» enstanden ist, gabs Anfang November im Sonderpädagogischen Schulhaus Bachtelen in Grenchen zu erfahren. Zmitz-Bloggerin Jenny Nussbaum war dabei. Und weiss, was das Ganze mit einem Freiheitskämpfer zu tun hat.

Eigentlich finden im Schulhaus Bachtelen normalerweise Musikanlässe in der Aula statt – etwa fünfmal im Jahr. Doch an diesem Sonntag geht es um etwas anderes. Dorthin zu gehen und mich darauf aufmerksam zu machen, war die Idee von Mit-Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken. Selbst wäre ich nie auf diese Idee gekommen. Aber sie kennt meine Vorliebe fürs Kino…

Das Programm für die Zuschauer ist vollgepackt, durch den Anlass führen Regisseur Philip Bürge und der Tonmeister Kurt Studer. Erst wird erklärt, wie es zum Animationsfilm «Flachmann» gekommen ist – von der Arbeit im Kopf bis auf die Filmleinwand – und was es dazu alles brauchte. Die Gastgeber, eben Philip Bürge und Kurt Studer, haben hierzu ein umfangreiches Rahmenprogramm zusammengestellt und geboten. Diesem Programm sieht man die Detailverliebtheit und den Perfektionismus des Filmemachers und des Tonmeisters an. Kein Wunder, ist auch der Animationsfilm mehrfach preisgekrönt.

Der Film in Stop-Motion-Technik handelt von Flachmann, einer sympathischen Zeichenfigur, die vor seinem Erschaffer, Philip Bürge flieht, und eben zum zweidimensionalen Flachmann wird. Sein Drang nach Freiheit wiederspiegelt den Willen des Zeichners. Ist dessen Wille so frei wie er glaubt? Die Grenzen zwischen Schöpfer und Geschöpf brechen auf und herauskommt, dass Flachmann’s Schöpfer wiederum Geschöpf eines anderen ist. Sind wir am Ende also so frei wie wir glauben?

Diese Grundfrage stellt auch die Verbindung zum Organisator des Abends her: Hinter dem Anlass steht die Grenchner Mazzini-Stiftung: Guiseppe Mazzini war ein italienischer Freiheitskämpfer, dessen politisches Ziel das Selbstbestimmungsrecht der europäischen Völker war: Freiheit, Humanität und Gleichheit. Und 1835 fand er bei der Familie Girard im Bachtelenbad Zuflucht, von wo aus er die Zeitschrift la jeune Suisse redigierte. (siehe auch www.mazzinistiftung.ch)

Finanziert wurde der 5-minütige Kurzfilm durch ein Crowdfounding. Witzig ist der Titelsong, den der multitalentierte Regisseur selber geschrieben und produziert hat. «Is your own free Will», nur der Teil im Refrain ist mir geblieben. In der Folge erklärt Tonmeister und Musiktherapeut Kurt Studer leidenschaftlich, detailliert Details zu seiner Arbeit und zeigt dem Publikum, wie die Geräusche und Töne des Films entstanden sind: Spannend, mit welchen alltäglichen Dingen man unglaubliche Geräusche erzeugen kann. Beispielsweise das mehrfache Auseinanderziehen eines Pullovers mit beiden Händen, das vor dem Mikrofon ein Herzpochen hervorbringt.

Studer und Bürge sind sehr sympathisch und geduldig durch und durch. Und damit leben sie selbst, was die Mazzini-Stiftung und ihr Namensgeber propagier(t)en. Denn als mein Sohnemann mehrmals auf der Bühne die Instrumente zum Vertonen austesten will, bleiben sie geduldig, lassen ihm diese Freiheit. In seinem eigenen freien Willen lassen und das eigene Potenzial ausschöpfen lassen. Vielleicht wird so aus ihm auch einmal ein Filmemacher oder Tonmeister…

 

Der Trailer zum Film

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