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Antigone-Duell

Wenn sich zwei Theater-Greenhorns eine griechische Tragödie im Stadttheater anschauen gehen, dann kann das ganz unterschiedliche Gedanken auslösen. So ist es zumindest den beiden zmitz-Bloggerinnen Dominique Niklaus und Lucilia Mendes von Däniken ergangen, nachdem sie sich «Antigone» angeschaut haben.

 

Eine schrecklich nette Tragödie

Dominique Niklaus

Gänsehaut und Herzklopfen

Lucilia Mendes von Däniken

Eigentlich habe ich gar nicht gefragt, aber als ich letzten Freitagabend beim Znacht gegenüber dem Bruder von meinem Partner erwähnte, dass ich am Samstag ins Theater gehen würde, kam es wie aus der Pistole geschossen: «I chume mit!»

Ehm. Ja. Nicht nur, dass ich noch nie alleine mit Daniel etwas unternommen habe, es soll auch sein erster Theaterbesuch überhaupt werden. Ich war selber schon länger nicht mehr im Theater, aber mangels valablen Alternativen an diesem Abend («Heimweh» hätten noch gespielt in der Biberena..) entschied ich mich, wider besseren Wissens, es wieder einmal mit einem klassischen Drama zu versuchen. «Antigone», ich kannte das Stück nicht, ich kann mich nur vage daran erinnern, dass jemand aus meiner Gymerklasse das Buch von Sophokles zur Matur gelesen hatte und nur mässig begeistert war. Griechische Tragödie halt. Nun, ich war mir sehr unsicher, ob das Stück als Einstieg in die Theaterwelt geeignet ist, aber mein Zaudern tat der ansteckenden Euphorie von Daniel keinen Abbruch.

Man muss wissen, Daniel steckt derzeit selber in einer Art Drama, wir wollen hier nicht ins Detail gehen, kurzum, er stellt gerade sein Leben um, sprengt alte, eingefahrene Muster und ist jetzt offen für alles Neue und Unbekannte. Früher habe er sich nicht getraut, solche Dinge wie ein Theaterbesuch zu unternehmen, erzählt er mir nach dem Stück. Warum könne er sich auch nicht erklären. Selbst wenn ihn diese griechische Tragödie verwirrt hat, er sei zeitweise gar gedanklich abgedriftet, der Abend im Theater hat ihm sehr gefallen. Besser könnte ich es auch nicht zusammenfassen, mir liegen diese Art von Dramen nach wie vor nicht, auch ich war nicht immer im Stück anwesend, hauptsächlich wegen der gestelzten Sprache. Ich will mir deshalb auch gar nicht anmassen, die Aufführung zu bewerten, nur, dass es trotz einem gewissen Unverständnis überraschend kurzweilig war.

Daniel will wieder mit ins Theater kommen. Aber dann lieber zu einem zugänglicheren Stück.

Wir nehmen gerne Empfehlungen für Anfänger entgegen.

 

Es ist die pure Neugier – und natürlich die gebotene Chance – die mich an die Generalprobe von «Antigone» im Stadttheater Solothurn getrieben hat. Seit ein paar Wochen habe ich ein neues «Jöbbli» am TOBS – dazu ein andermal mehr. Aber dieses ermöglicht mir nicht nur einen Blick hinter die Kulissen, sondern auch die Möglichkeit, die Stücke schon vor der Premiere anschauen zu gehen.

Antigone… griechische Geschichte(n) haben bis jetzt meinen Weg nur am Rande gekreuzt. Da es bei der Generalprobe keine Werkeinführung gibt, habe ich mich vor der Aufführung kurz über den Inhalt des Stückes schlau gemacht. Mit diesen Infos und nichts weiter bin ich in die Aufführung gegangen. Null Plan, was mich da erwarten wird. Der Inhalt lässt auf schwere Kost schliessen. Zu schwer für mich?

Das Ganze beginnt doch mit einer ganz kurzen Einführung. Aber mehr in das «Who is who». Und der klaren Anweisung: Generalprobe = am Schluss wird nicht geklatscht! Dann geht’s los. Und zwar mit so einer Wucht, dass ich schon nach Sekunden mitten drin bin. Der Schmerz, die Verzweiflung, die Angst, welche die beiden Schwestern Antigone und Ismene mit ihren Worten, ihrer Mimik uns ins Publikum schmettern: Ich bin schwer beeindruckt. Die Kombination von Theater und Schlagzeug gibt dem Ganzen noch mehr Wucht. Gänsehaut und Herzklopfen!

Ich bin aberfroh, dass es nicht ganze 90 Minuten so weiter geht. Es bleibt intensiv, die Mischung aus Tragik und einer guten Spur Humor, aus Tempo und Ruhe, das schlichte Bühnenbild und die starken Charaktere auf der Bühne lassen mich nicht los. Die Geschichte ist heftig, aber auf eine gute gebündelte Art zusammengefasst. Hungerstillende Häppchen, die aber nie das Gefühl von Übersättigung erzeugen. 

Als nach rund anderthalb Stunden das Saallicht angeht, ertönt tatsächlich kein Klatschen. Nicht ganz einfach, nach so viel Emotionen. So bleibe ich noch kurz sitzen und staune, wie es die Theaterwelt schafft, mich den Alltag so sehr vergessen zu lassen, dass ein Ankommen in der Realität immer etwas Zeit braucht.

Mehr Infos zum Stück und den weiteren Aufführungsdaten findet man hier.

 

Im Schulungsmaterial des TOBS findet sich eine sehr lockere Art, wie man den Einstieg in Weltliteratur findet. 

«Antigone», die vielleicht wichtigste Tragödie der Antike gibt es auf dem Youtube-Kanal «Sommers Weltliteratur to go» in einer kompakten Zusammenfassung zu entdecktn - und zwar inklusive der Vorgeschichte! Michael Sommer und sein Playmobilensemble liefern eine knackige Einführung in die wirren des Theben-Clans.
Antigone to go (Sophokles in 11 Minuten)

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