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Hommage an einen mutigen, engagierten Maler

Vergangene Woche zeigte das Palace Kino in Solothurn, die Premiere des neuen Filmes über den Solothurner Maler, Frank Buchser, vom Regisseur Bruno Moll «The song of Mary Blane». Bloggerin Jenny Nussbaum hat sich die filmische Annäherung an den Maler angeschaut. 

Im Solothurner Kunstmuseum gibt es momentan die Ausstellung «Kleine Stadt, grosse Meister - Höhepunkte der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn» zu sehen. Darunter eine Auswahl von Giacometti, Amiet, Klimt, Picasso, Van Gogh und dem Solothurner Kunstmaler Frank Buchser. 

Mit einer kurzen Begrüssung stellte sich der Filmemacher Bruno Moll anlässlich der Premiere im Kino Palace vor, in dem - für das schöne Wetter erfreulicherweise - nicht gerade wenige Kinogänger versammelt sind.

Der Film beginnt mit: «Frank Buchser mein Name, geboren 1828, gelernter Klavierbauer und Kunstmaler.» Der Mann führte ein unglaublich abenteuerlustiges, an der Welt interessiertes Leben. Frank, gebürtig Franz, war ein Landschafts- und Porträtmaler. Unter seinen Werken sind auch gezeichnete und gemalte Reiseskizzen, auf seinen Reisen durch drei Kontinente, unter anderem die Heilige Stadt Fez, in Marokko.
«Ich entfiel nach dem mysteriösen Fez, dem maurischen Paradies, das noch kein Christ betreten hat, und wenn, als heiliger Marabut. Die Barbaren waren zivilisiertere Leute als die Europäer und sahen in mir auch sogleich den heiligen schweizerischen Türken von Feldbrunnen, Kanton Solothurn. Gerne hätte ich mehr Kontakt mit den Leuten gehabt, allein wen konnte ich fragen, alles wäre verloren, wenn man mich entdeckt hätte. Deshalb begnügte ich mich Fez aufs Papier zu bannen.»

1858 stand Buchser vor den Toren von Marokkos Königsstadt Fez, einer Stadt, die zu betreten damals für einen Christen verboten war. Das er als Einheimischer verkleidet nach Fez reiste, beweist seinen Mut und Abenteuergeist. Der Schweizer Maler staunte über die Ursprünglichkeit des marokkanischen Alltags und regte sich über die Ungerechtigkeit der Sklaverei auf. Er sollte ihr später in Amerika wieder begegnen.

1866 erhielt den Auftrag des Bundeshauses ein Bild für den Nationalratssaal malen. Er reist dafür in die USA. Anfänglich porträtiert Buchser fleissig die Politiker und Generäle für seine Auftraggeber. Mehr und mehr interessiert er sich aber für die in die Reservate vertriebenen Indianer und die Lebensbedingungen der eben befreiten Sklaven. Er wollte den Hintergrund herausfinden, mit seinem neugierigen Geist durchleben, was er sah. Voller Leidenschaft interessierte er sich für Menschen, Unterdrückte, Schwarze und Indianer. Er malte was man nicht sehen sollte.
Das Buchser sozialkritische Bilder Unterprivilegierter und Schwarzer malte, war in den USA zu dieser konservativen Zeit sehr speziell und bemerkenswert.

Für die Filmaufnahmen reiste der Filmemacher Bruno Moll an die Originalschauplätze der Kunstwerke. Die Tagebucheinträge und Skizzen, die Moll in den Film eingearbeitet hat, sind wunderschön fliessend und die 85 Minuten Filmlänge verfliegen wie 5 Minuten bei den spannenden Reisen und Gedanken des Künstlers. Die Tagebucheinträge wurden gelesen und vertont von Yves Räber. Sie liessen den Maler filmisch, gegenwärtig auferstehen und machten ihn lebendig.

Spannend war sein Leben. Wie ein Künstler sollte man leben, wie Frank Buchser. Dem Leben in jedem Augenblick mit Poesie begegnen, mutig, leidenschaftlich, neugierig und forschend. Moll lässt einen fast vergessenen Maler filmisch wieder zum Leben erwecken und zeigt darin seinen Charakter und seinen Mut. Ein sehr sehenswerter Film.

In einem seiner Tagebucheinträge schreibt Buchser: «Ich habe viel gesehen, viel erlebt, hoffentlich erinnern sich die Menschen an meine Bilder, hoffentlich an mein Liebstes: „the song of mary blane“.»

The Song of Mary Blane, 1870
Öl auf Leinwand, 103,5 x 154 cm
Kunstmuseum Solothurn
Depositum der Gottfried Keller-Stiftung, 1900

Ich wünschte ich könnte das Lied zu dem wunderschönen, ausdrucksvollen Bild hören und wüsste welches es ist. Vielleicht finde ich es doch noch heraus. Oder ich lasse meine Fantasie in den Ohren klingen und stelle mir eine wunderschön, melancholisch-fröhlich, selige Stimme mit Gitarre vor.

Frank Buchser, ein fast vergessener Solothurner Maler neu auf der Kinoleinwand - und einige seiner Werke sind aktuell im Solothurner Kunstmuseum zu sehen.
Ich will mehr über Buchser wissen, darum werde ich mir Zeit nehmen für einen Bummel durch das Kunstmuseum - und wohl auch für einen Rundgang durch das Museum in Bettlach.

Ausstellung im Museum: www.kunstmuseum-so.ch
Filmvorstellungen, Kinoprogramm: www.kinosolothurn.ch
Frank Buchser Museum in Bettlach, Öffnung auf Anfrage: www.frank-buchser.ch

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