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Rock mit Achselzucken und Augenzwinkern

zmitz-Blogger Fabian Gressly hat sich nach dem Studiobesuch bei den «Failures» auch die neue CD angehört. Sie klingen, findet er, wie die «Failures» klingen müssen/dürfen/sollen – und doch ab und zu etwas... – nennen wirs mal «gestandener»…

Als wäre es ein Echo aus der Vergangenheit… Die neue CD der «Failures» beginnt mit einem Gitarrenriff, das aus einem leicht röchelnden Verstärker ertönt. Genau: So ein Verstärker, der die letzten zehn Jahre hinten in der Garage unter einem Leintuch, komplett vergessen, vor sich hin gestaubt hat. Nun wurde er aber wieder hervorgekramt; zusammen mit den Gitarren, den Schlagzeugtrommeln und -pauken, dem Bass… Ich weiss nicht, ob der Einstieg in die zwölf Songs, «Girls on Roller Skates», auch effektiv klingen soll, als wäre er aus den 90ern, den ruhmreichen Zeiten der «Failures», aufs neue Album geschwappt. Aber ich bilde es mir ein und lasse mich auf diesem jugendlich beschwingten Beat in die CD tragen.

Wäre es Schlager, würde man den Sound wohl beschwingt nennen. Bei Indie-Rock finde ich den Begriff etwas deplatziert. Aber nichtsdestotrotz: so klingen die vier Musiker auf der neuen CD. Auf der Single-Auskopplung (ja, ja, dem sagt man wohl auch nicht mehr so…) «Failure» jedenfalls treibt Mike Stocker am Schlagzeug die Melodie von Bruno Flury (Gesang und Gitarre), Simon Schwab (Gitarre) und Davide Brigante (Bass) locker vor sich her. Andere Stücke sind etwas mehr von Reggae geprägt, andere klingen nach gutem, altem, klassischem 90ies-Indie.

«The Failures» sind noch immer sich selbst. Auch zehn Jahre nach der letzten CD und gut 30 Jahre nach Gründung. Und doch kann man sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass da Herren Musik machen, die ein bisschen älter geworden sind. Hört man Bruno Flury zu – ob die englischen Texte, den einen französischen oder die vier (Schweizer-)Deutschen – spürt man da und dort Unverständnis gegenüber unserer Zeit. Nein.., es ist eher ein Achselzucken. Zum Beispiel gegenüber der Fixierung auf Smartphones und Social Media. In «Everyone is», wenn er singt «everyone is a lie, everyone is fake, everyone is marching the parade». Er kann oder mag vielleicht auch einfach nicht mehr Schritt halten mit dem, was sich heute alles ereignet. Im Zweifelsfall weiss er: Unsereins ist bisher schon recht gut durchs Leben gekommen. Man muss nicht jeden Furz (sorry…) mitmachen. Manchmal klingt die Musik auch etwas düster, aber nicht wirklich depro. Eher so, wie wenn man morgens aufsteht und es im Rücken oder in den Gelenken etwas zwickt. Nach ein paar Schritten ist aber wieder gut. Und dann ist da auch immer wieder dieses Schelmische, die Selbstironie, das Augenzwinkern. Die jugendliche Nonchalance. Denn sie wissen, und mit diesen Zeilen entlassen die «Failures» einen nach fast 50 Minuten: «Wir werden untergehn, wie die Sonne jeden Tag untergehn, um am Ende wieder aufzustehn.»

Plattentaufe am 13. Sptember in der Kulturfabrik Kofmehl.
Statements von Bruno Flury und Simon Schwab auf Radio 32 gibts hier nachzuhören, Fabians Studiobesuch hier nachzulesen.
Die CD kann hier bestellt werden oder über diese Seite gestreamt werden


 

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