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Drei Konzerte und ein grosses Problem

Am letzten Freitag und Samstag fanden in Solothurn bereits zum zweiten Mal die Solothurner Musiktage statt. Unser Blogger Sven Düscher war am ersten der beiden Tage in der Stadt und hat sich berieseln lassen. Doch er hatte ein Problem...

Da ich am Freitag nach einer Spätschicht erst kurz vor 21 Uhr wieder in Solothurn war und auch am nächsten Tag noch die Arbeit rief, fiel mein Abend an den Solothurner Musiktagen eher kurz aus – und ganz ehrlich, hatte ich sogar vergessen, dass die Musiktage stattfanden. Es fiel mir ein, als ich vom Hauptbahnhof Solothurn mit dem Velo zum «Red John» radelte, wo ich für einige gemütliche Stunden abgemacht hatte. Auf dem Weg dorthin schallte mir von verschiedenen Orten Musik entgegen – da fiel es mir plötzlich wieder ein.

Im «Red John» angekommen, konnte ich noch einige wenige Minuten des jurassischen Musikers «Coal Black Horses» geniessen. Wobei «geniessen» hier wohl der falsche Ausdruck ist. Seine bluesigen Klänge passten leider nicht wirklich ins Ambiente – er ist ein Musiker, bei dem man wirklich zuhören muss, was im «Red John» nicht gemacht wurde. Kaum jemand interessierte sich für die Musik. Es wurde zwar nach jedem Song geklatscht, dazwischen wurde aber geplaudert was das Zeug hält. Sehr schade...

Nach seinen letzten Takten trank ich mein Bier aus und machte mich auf den Weg zur Hafebar wo mich «Northfolk» erwartete. Gemäss Facebook ist das normalerweise ein Duo – in der Hafebar trat jedoch nur eine Person auf. Singer/Songwriter-Sound mit einer oft melancholischen Note. Auch hier haben wir selbiges Problem wie bereits vorher. Es ist Musik, bei der man aktiv zuhören muss, was leider kaum jemand tat. Mir war das eigentlich schon nach zwei Songs zuwieder, aber ich hatte ja ein Getränk bestellt und konnte nicht einfach verschwinden. Kurz nachdem ich mein Getränk ausgetrunken hatte, kündigte der Sänger seine letzten Songs an, also liess ich auch diese noch über mich ergehen. Auch hier wieder das Fazit: Musik toll – Publikum eher weniger.

Schon beim Hinweg zur Hafebar hatte mich die Musik im «The Dock» angesprochen, weshalb ich dann auch dorthin ging, um auch bei der Band «Wilcox» noch etwas zuzuhören. Dafür stellte ich mich auf die Brücke, wo man das Schauspiel sehr gut im Blick hatte. Die Soundqualität war dort zwar nicht wahnsinnig toll, aber das wäre auch etwas zu viel verlangt vom Tonmann. «Wilcox» machten gute Stimmung und spielten ihre rockigen und fetzigen Nummern vom Debütalbum «Painting In Grey», welches gut ein Jahr alt ist. Als Zugabe kam sogar noch der AC/DC-Klassiker «You Shook Me All Night Long» hinzu. Einige tolle Songs mit schlechter Soundqualität konnte ich also doch geniessen. Wie ich später jedoch von einem Freund erfuhr, war die Situation im Dock gar nicht so unterschiedlich. Zwar war die Rampe gefüllt mit Fans – die Terrasse hatte jedoch kaum Interesse an der Musik und plauderte auch hier munter weiter.

Das Gesamtfazit über die Musiktage fällt zweiseitig aus… Die Idee der Solothurner Musiktage finde ich wahnsinnig toll und ich mag es auch, dass in Solothurn etwas passiert – jedoch gab es einfach zu viele Menschen, welche nicht wegen der Musik in die Stadt kommen. Die wollen dann auch nicht unbedingt zuhören, sondern sich mit ihren Freunden unterhalten – was ja auch völlig legitim ist, bei einem Konzert aber sehr störend wirkt. Das OK der Solothurner Musiktage kann da ja leider nicht viel bzw. gar nichts dafür. Deshalb gilt mein Apell auch eher den Besuchern welche sich ihr «Gschnurr» doch bitte für die Zeiten aufsparen mögen, wenn kein Künstler ein Konzert spielt. Es waren schliesslich pro Location maximal drei Konzerte mit jeweils längeren Pausen dazwischen. Da wird man sich doch wohl noch etwas zusammenreissen können. Ach und wenn ich schon dabei bin den Moralapostel zu spielen: Bitte kauft bei solchen Musikfestivals bzw. Veranstaltungen jeweils einen Festivalbändel – klar sind diese freiwillig, aber es wäre trotzdem schön, wenn jeder eines tragen würde. Nur so können sich die kleinen Festivals nämlich finanzieren und auch den Künstlern eine Gage bezahlen. So ein Bändeli ist wirklich wichtig und mit 15 Franken ja auch nicht wahnsinnig teuer, wenn man bedenkt, dass man sich damit über 30 Konzerte anhören kann.

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