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«Du hast was verpasst!»

Gestern Abend feierten «simple voicing» im Kofmehl ihr Bühnenjubiläum. Das Solothurner Tauschkonzert «Cover Up» sorgte bei Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken für Gänsehautmomente. 

Hast du schon mal versucht jemandem einen unglaublich fantastisch schönen Sonnenuntergang zu beschreiben? Hast du es gemerkt? Es hat nicht funktioniert. Ich weiss es jetzt schon: Ähnlich wird es mir mit diesem Text ergehen. Das gestrige «Tauschkonzert» im Kofmehl war so speziell, dass es kaum in Worten fassbar ist.

Die Ausgangslage: Die Solothurner 3er-Vokal-Formation «simple voicing» feierte ihr 22-Jahre-Jubiläum mit einem ganz speziellen Anlass. Sven Ryf, Christoph Wetterwald und Reto Sperisen feierten nicht sich selber, sondern sie liessen sich Lieder schenken - und schenkten auch zurück.
Sie luden acht Solothurner Bands ein, mit ihnen unter dem Titel «Cover Up» ein Tauschkonzert zu machen. Die Aufgabe: Jede Band spielte einen Song, welchen «simple voicing» komponiert hat – und umgekehrt! Moderator Leonardo Glutz führte locker – und ohne sich zu fest in den Mittelpunkt stellen zu wollen – von Band zu Band, von Lied zu Lied. Doch nicht nur das: vor jedem Lied wurde ein kurzer Trailer auf der Leinwand eingespielt. Sehr speziell, sehr professionell. Man wähnte sich manchmal fast in einer TV-Show. Während die eine Band spielte, sass die andere auf dem grossen Sofa und lauschte – und staunte.
Es war eine Freude den Bands zuzuschauen. Sei es beim Performen oder eben beim Zuhören. Zum Beispiel wenn «The Nightingales» aus «Summerrain» ein «Rägetröpfli» machten und dazu eine Choreografie mit Regenschirmen auf die Bühnenbretter legten. Oder wenn Ruedi Stuber vor dem Publikum in die Knie ging und zusammen mit seiner Band «die Schweigende Mehrheit» das Lied «Mini Gröss» spielte. «Johnny Trash & Many More» verpassten dem «Mänti frei» mit viel Hip-Hop-Groove und einem raptechnisch aufgerüsteten Text ein ganz neues Kleid. Den ersten Gänsehaut-Moment lieferten mir «The Ladybirds» mit ihrer jazzigen Version von «It's my time». Moderator Leonardo Glutz meinte trocken zu Christoph, Sven und Reto: «Sorry Jungs, aber diese Version war definitiv besser». Was Sven Ryf neidlos bestätigte: «Ja, schon rein visuell definitiv schöner!»

Nach einer kurzen Pause, wo bei einem Glas Wein über das unglaublich dichte und professionelle Programm diskutierte wurde, ging es Schlag auf Schlag weiter. Die A-cappella-Formation EVL pimpte den 13 Jahre alten Text mit dem Titel «Verbi» mit Inputs aus der Gegenwart auf und untermalte diesen mit coolen Showeinlagen. «Studer & Stampfli» schwebten förmlich durch die Kofmehl-Halle, als sie suchend «Wo gits Di?» sangen.
Wohl den Wenigsten bekannt, aber eine sehr schöne Abwechslung war das Trio Guido Frei, welches an diesem Abend als Quartett zu hören war. Mit Schwyzerörgeli, Akkordeon und Kontrabass spielten sie eine Instrumentalversion von «Hüt het me es Äpp». Wohl noch die grössere Herausforderung war es dann für «simple voicing» aus dem Instrumentalstück «Lescheer» ein Lied mit Text zu machen. Sie griffen ganz tief in die Französisch-Trickkiste und präsentierten eine Aneinanderreihung von Französisch-Wörtern und Wörtern mit französischem Wortklang - und zwar so geschickt, dass man als Zuhörer an den eigenen Französischkenntnissen zweifelte. Als dann der Moderator fragte, was das für ein Dialekt gewesen sei und kommentierte, dass die im Publikum anwesende Französischlehrerin ohnmächtig geworden sei, sorgte das für Aufschnaufen («so schlecht ist also mein Französisch doch nicht») und für Gelächter.
Den rumpelnden Abschluss machte Dülü Dubach mit seiner Formation «Supersiech». Das Stück «Düft» passte so gut zur Band, dass man sich fragte, ob das Stück wohl nicht zukünftig sogar im fixen Repertoire von «Supersiech» zu finden sein wird. Als sich «simple voicing» mit der irisch angehauchten Version von «Isabella» bei Dülü und Co. revanchierten, sass Dülü tatsächlich staunend – und ich wage zu behaupten sogar etwas gerührt – auf dem Sofa.

Und dann war es schon fast vorbei, das Solothurner Tauschkonzert. Alle Beteiligten trafen sich nochmals auf der Bühne. Es mag kitschig klingen, war aber tatsächlich so: Man hatte echt das Gefühl, dass sich da nicht Freunde, sondern eine Familie trifft. Mikrofon um Mikrofon wurde herum gereicht und dann folgte mein zweiter Gänsehautmoment: Alle zusammen sangen mit «Du bisch!» ein Liebeslied an Solothurn. Sänger um Sängerin wechselten nach vorne ans Mikrofon und verleihten so dem Lied einen persönlichen Touch. Der ganze restliche Chor im Hintergrund bildete den passenden Rahmen.
Eine Standing Ovation war die logische Schlussfolgerung nach diesem Abend. Und wenn mich jemand fragt, wie denn das Konzert war, dann muss ich mit den Worten antworten, die ich bei derselben Fragestellung nie gerne zu hören kriege: «Du hesch öppis verpasst!» Ist aber definitiv so: Einmalig und nie mehr in derselben Form zu hören. 

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