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Kultürchen 18: Projekt Weihnachtsbaum-Kauf

Im Advent dieses Jahres blickt zmitz auf Bräuche und Anlässe, auf Geschichten und Sehenswürdigkeiten, die in der Weihnachtszeit unsere Region prägen. Heute widmen wir uns den Weihnachtsbäumen, die bald wieder in vielen Stuben stehen.

Ich mag mich gut an die Aufregung erinnern, die uns als Kinder packte, wenn der Weihnachtsbaum-Verkauf in unserem Dorf angesagt war. Die ganze Familie machte sich auf den Weg zum Bauern. Man schaute sich die Bäumchen an, beurteilte sie: zu gross, zu klein, zu krumm, zu wenig Äste, zu assymetrisch… Soll es eine Rottanne sein, eine Weisstanne? Es war nicht einfach. Der Baum musste perfekt sein - oder jedenfalls nahezu perfekt.

Diese spezielle Stimmung, die Vorfreude, die lass ich mir auch heute nicht nehmen. Der Baum wird nicht bei einem Grossverteiler gekauft. Aus dem Wald der Wohngemeinde muss er sein. Vielerorts sind die Bürgergemeinden für den Verkauf der Bäume zuständig, die in Kulturen gehegt und gepflegt werden. Immer wieder müssen neue Bäume gepflanzt und die Kulturen gemäht werden, damit die Pflänzchen genug Licht zum wachsen haben. Kurz vor dem Verkauf werden sie geschnitten. Mancherorts sind Mond-Bäume im Angebot, das heisst: der Baum wird nur beim perfekten Mondstand geschlagen. Laut überliefertem Volkswissen funktioniert das so: Tannen, die drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres geschlagen werden, behalten ihre Nadeln länger. Eine Wissenschaft für sich. Oft ist der Baum-Verkauf auch Anlass für ein Zusammentreffen der Dorfbevölkerung. Bei einem Glas Glühwein oder Punsch tauscht man sich aus, man wünscht sich frohe Festtage.

In vielen Leberberger Gemeinden fand dieser Verkauf am vergangenen Samstag bereits statt, durchgeführt durch den Forstbetrieb Leberberg. Laut Betriebsleiter Thomas Studer wurden rund 1000 Bäume verkauft. Eine schöne Zahl, trotzdem bemerkt er, dass die Zahlen rückläufig sind. Auch Forst Thal verkaufte einige Bäume: je um die 90 Nordmannstannen und Fichten. Die Bürgergemeinde Deitingen verschenkt die Bäume sogar.

Ich werde mein Bäumchen nächsten Freitag oder Samstag zusammen mit der Familie aussuchen gehen. Die Auswahl wird wieder gross sein, genau so wie die Qual der Wahl. Alle vier Familienmitglieder müssen zufrieden sein. Am Schluss werden wir stolz den Baum nach Hause tragen, ihn draussen, in einem Wasserkessel eingestellt lagern und ihn dann am 24. vormittags gemeinsam schmücken.

Schade finde ich immer, wenn man die Bäume zwei Tage nach Weihnachten schon am Strassenrand liegen sieht. Bei uns wird er traditionsgemäss erst am 6. Januar entsorgt. Und sogar dieser Akt wird in manchen Gemeinden speziell gefeiert. In Bellach zum Beispiel: Da trifft man sich am 7. Januar vor der Katholischen Kirche zum traditionellen Weihnachtsbäumliverbrennen, welches vom Samariterverein organisiert wird. Auch dort geniesst man wieder ein Glas Glühwein und am Feuer darf sogar eine Wurst gebrätelt werden.

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