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Ein Experimentierfeld lässt hoffen

Lange leergestanden, lebt das Attisholz-Areal seit zwei Jahren wieder dank unternehmerischer und privater Initiative. Die Belebungsversuche setzen sich nun fort – hoffentlich mit dem erwünschten Ausgang.

Wir haben hier auf zmitz schon mehrfach über das Leben geschrieben, das der ehemaligen Zellulosefabrik Attisholz seit rund zwei Jahren eingehaucht wird. Zum Beispiel war Kollegin Lucilia Mendes von Däniken auf einem Rundgang, als «Kettenreaktion.jetzt» die brachliegende Industrieanlage zu einem Panoptikum aller Kunstrichtungen machte. Der Rundgang machte sie, wie hier nachzulesen ist, sprachlos. Wer im Blog nach «Attisholz» sucht, findet noch weit mehr (klick hier!).

Am Montag waren Lucilia und ich wieder dort. Inzwischen hat das Areal grosse Pläne einer Immobilienentwicklungsfirma erhalten. Die interessieren zwar auch, sollen hier aber nicht näher ausgeführt werden. Wohnungen, Büros und ein komplett neuartige Lebensform sollen in Luterbach entstehen. So viel sei hier kurz zusammengefasst. Spannender ist für mich im Moment, was bis dahin geht. Das Areal steht für allerlei Kunst zur Verfügung. Und die wird in vollen Zügen ausgelebt, wenn man dem so sagen kann. Unter anderem ab Samstag mit einer Ausstellung von Urban Street Art, dem «Sandwich between Walls».

Das klingt jetzt extrem abgehoben, aber ich kriege den Vergleich nicht aus dem Kopf und es würde mich freuen, wenn die Zukunft mich bestätigen wird. Wenn ich die Entwicklung auf dem Attisholz-Areal betrachte, muss ich an Williamsburg denken. 2008 war ich mal in diesem New Yorker Stadtteil, der sich östlich des East Rivers ausbreitet. Damals ziemlich verlottert. 2013 waren wir wieder dort und sahen, wie sich das gottvergessene Areal langsam entwickelte und neues Leben einkehrte: Flohmärkte, Ateliers, Plattenläden, Strassenkunst, Beizen und Bistros… Als wir 2015 wieder durch den Stadtteil streiften, war er nicht wieder zu erkennen. Neuer Wohnraum, etablierte Läden und Märkte, einfach cool. Klar hat diese Entwicklung auch eine Kehrseite: die sogenannte Gentrifizierung bringt hohe Mietzinsen mit sich, vertreibt andere und benachteiligt viele Alteingesessene.

Aber die gibt’s auf dem Attisholz-Areal – ausser vielleicht ein paar Ratten und Asseln – ja nicht. Die Industriebrache ist ein Tummel- und Experimentierfeld für viele. Und dass dies die neue Besitzerin, die Zürcher Halter AG, zulässt – und nicht nur das, auch aktiv fördert und unterstützt – ist ein grosses Glück. Insbesondere, wenn deren Plan und der des Campus Attisholz bzw. von BTS aufgeht. Dann erleben wir nämlich nicht nur eine spannende Zeit voller Kunst und Kultur, sondern letztlich auch eine Lebensumgebung und Wohnraum, die diesen Namen verdienen. Beispiele von künstlich gigantomanisch geplanten Überbauungen, die aber nie funktioniert haben, gibt’s zur Genüge…

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