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Klamauk mit ernsten Zwischentönen

Sie ist klein, fein und beweist seit über 25 Jahren eine glückliche Hand bei der Auswahl ihrer Stücke: die Schopfbühne Grenchen. Myriam Brotschi Aguiar hat sich die aktuelle Inszenierung «Siin letschte Wunsch» angesehen und wurde einmal mehr angeregt, über Sinn und Unsinn eines Leichenschmauses nachzudenken.

Gut, steht im Programm zu «Siin letschte Wunsch» der Zusatz: (d)erb-komisches Lustspiel. Diese Etikette steuert nämlich meine Erwartungen in die exakt richtige Richtung: Es wird mit Sicherheit turbulent und das wiederum weckt meine Neugierde, wie kann ein Leichenschmaus derb sein? Sollte es da nicht eher diskret, besonnen und wohlwollend zu- und hergehen?
 
Ausgangslage ist das Hinscheiden von August Achermann, Schausteller und "Schwarzes Schaf" der Familie. Die Witwe Lina Achermann, verschmitzt gespielt von Béatrice Bühlmann, lädt zum Leichenschmaus im engsten Familienkreis. Regisseur Walter Stutz Jr. lässt ein buntes Trüppchen an der Tafel Platz nehmen: Ernst, der Bruder des Verstorbenen (Beat Jeannerat), dessen Frau Sophie (Felisa del Rio) die gemeinsamen (erwachsenen) Kinder Michael und Corinne (Brian Schild, Lisa Schädeli) sowie die Schwester des Toten Anna (gespielt von Pia Schild). Bewirtet wird die Familie von Robert Koch als Wirt, Alexandra Hauser als Irma die Kellnerin, dem schweigsamen Oberkellner (Bruno Meier) sowie dem Koch (Bruno Bürgi).
 
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Diese Aussage wird dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum zugeschrieben. Und sie passt natürlich hervorragend zu dem gebotenen Schauspiel. Denn nichts zeigt besser, dass das Leben weitergeht als der Leichenschmaus im Anschluss an die Trauerfeier. Natürlich, die Absicht ist es, den Toten zu ehren, Geschichten und Anekdoten auszutauschen und so das eine oder andere Lächeln in die Gesichter der Hinterbliebenen zu zaubern. Im Stück "Siin letscht Wunsch" wird jedoch gelästert, was das Zeug hält, es wird Verstecktes und Verdecktes an die Oberfläche gezerrt, die Protagonisten verlieren ihre Maske, gewinnen dabei mehr und mehr an Authentizität.
 
Hie und da gefriert mir das Lächeln in den Mundwinkeln, manchmal bleibt es mir in der Kehle stecken und mit zunehmendem Verlauf des Stücks bricht das Lachen schallend aus mir heraus. Das liegt in meinem Fall weniger am Inhalt (Humor ist bekanntlich subjektiv), sondern vielmehr an der Kunst der Schauspielerinnen und Schauspieler, ihren Figuren Leben zu verleihen. Dem Ensemble gelingt es, mich als Zuschauerin in das Geschehen hineinzuziehen, das Stück nimmt kontinuierlich an Tempo auf, bietet einiges an überraschenden Feinheiten an und einmal mehr war es das hemmungslose, laute Spiel von Pia Schild, das mich je länger, je mehr vom Hocker riss und tief beeindruckte.
 
www.schopfbuehne.ch
Tickets sind noch erhältlich für die Vorstellungen vom: 6./7./13./14./15./19./ 21./22./26./27./28./29. April, jeweils 20 Uhr, sonntags 17 Uhr.

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