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Orientalische Geschichte aus der Vergangenheit

Das Solothurner Ensemble Solipop hat am vergangenen Wochenende in der Aula der Kantonsschule Solothurn das orientalische Märchen «Dr chli Muck» aufgeführt. Unsere Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken hat sich mit diesem Stück in die Kindheit zurück versetzen lassen.

Ich liebte sie heiss, die LP mit der Geschichte vom «Dr chli Muck». Die Dialekt-Hörspielfassung wurde 1980 aufgenommen - und zwar in der Originalbesetzung der Märchenaufführung des Gastspieltheaters Zürich. Ich kannte die Geschichte und vor allem auch die Lieder in- und auswendig. Als ich mir 2016 wieder einen Plattenspieler zulegte und meine alten LPs unseren Söhnen zu Weihnachten schenkte, war ich beim ersten Abspielen nach vielen Jahren richtig aufgeregt. Und sie waren noch da: Die Personen, die Geschichte, sogar die Liedtexte konnte ich nach über 30 Jahren noch lauthals mitsingen.

Viele Jahre nachdem diese Schallplatte aufgenommen worden war, wurde das Märchen von Wilhelm Hauff wieder neu aufbereitet. Und zwar hat die Schweizer Geschichtenerzählerin Jolanda Steiner sich dem Text angenommen, während Vera Kaa die Musik dazu schrieb. Erschienen ist die CD 2003. Ich habe nie etwas davon gehört - und ich hätte mir diese aus nostalgischen Gründen wohl auch nicht angehört. Vor wenigen Wochen habe ich dann mitgekriegt, dass das Solothurner Ensemble Solipop die Geschichte vom «Dr chli Muck» aufführen will. Ich hatte vor zwei Jahren bereits die Aufführung der Kindergeschichte «Murrlibutz» vom Ensemble Solipop besucht. Mir gefiel damals, mit was für einfachen Mitteln die Figuren, Stimmungen und die Umgebung Gestalt annahmen. 

So besuchte ich zusammen mit meiner Familie am vergangenen Sonntag die Aufführung vom «Muck» in der Aula der Kanti in Solothurn. Und ich musste mir immer wieder klar machen: «Das wird anders, als wir es kennen!» Das Bühnenbild gefiel mir. Ganz simple wurde mit einem mit Seidenpapier umgestalteten Paravent orientalische Atmosphäre gezaubert. Die Musikerinnen und Musiker waren zum Teil mit ganz wenigen Kostümstücken verkleidet. Diese waren aber wirkungsvoll. Schlappohren machten den Cellisten zum Hund, Ohren die Violinistin zur Katze. Eine Schürze die Frau an der Bratsche zum alten Weiblein und später verwandelte sie sich mit Turnschuhen und kleinem Propeller am Kopf zur Schnellläuferin. Der Violinist war der stolze Sultan, der Gitarrist sein Diener und die Violinistin verwandelte sich kurzum in Sultans Frau, genannt die «Sultanine». Anne-Catherine Kramis erzählte die Geschichte, spielte den Muck, sie sang, sie tanzte, sie spielte mit Mimik und Bewegungen. 

Ja, die Geschichte war bis auf ein paar Details mit der von meiner Schallplatte identisch - was nicht anders zu erwarten war. Die Musik war hingegen anders, ganz anders. Und auch die Charaktere hatte ich mir zum Teil anders vorgestellt, als sie sich mir nun zeigten. Und trotzdem: Ich mag diese Version auch. Mit viel Schalk, mit wenig Pipapo und mit viel musikalischer Professionalität nahm «Dr chli Muck» erstmals vor mir Gestalt an. 

Gerne würde ich schreiben: Geht hin und schaut, respektive hört es euch an. Leider sind im Moment keine weitere Aufführungen geplant, aber wer weiss, vielleicht rennt Muck doch bald wieder einmal mit seinen schnellen Schuhen über eine Bühne, um mithilfe des Zauberstocks einen Schatz zu finden.

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