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Beatles für Celli und Klarinette

Gestern Abend fand im Konzertsaal Solothurn ein Konzert der Fragart-Reihe statt. Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken wollte sich schon lange mal anschauen, was Franz Grimm da immer wieder aus dem Musikköcher zaubert. So hat sie sich den Auftritt von Giora Feidman fett in der Agenda eingetragen - und gestaunt!

Es ist ein ganz normaler Montagabend. Montags präsentiert sich Solothurn oft etwas als Schlafstadt. Doch wer kurz vor 19.30 Uhr in der Nähe des Konzertsaals ist, staunt nicht schlecht: Die Menschen strömen richtiggehend in Richtung Konzertsaal. Ich mitten unter ihnen, freudig gespannt, weil es für mich ein Konzertabenteuer wird. Angekündigt ist Giora Feidman, der sich vor allem als Klezmermusiker einen Namen gemacht hat. Diesmal widmet er sich aber ganz anderen Klängen. Er erfüllt sich einen langgehegten Wunsch und zollt einen Abend lang der wohl erfolgreichsten Band überhaupt Tribut: «The Beatles».

Giora Feidman ist nicht etwa ein junger, wilder Beatles-Fan, sondern ein 84-Jähriger Klarinettist, von dem sich aber manch junger Musiker definitiv eine ganz dicke Scheibe abschneiden kann. Feidman ist voller Charisma und Schalk. Er nimmt sich zurück, wenn es angebracht ist, schafft es aber dann innert Sekunden so aufzudrehen, dass die Stimmung zu brodeln beginnt. 

Unterstützt wird er vom Rastrelli Cello Quartett. Ganz unterschiedliche Typen, im hellblauen Sakko, unspektakulär, aber voll konzentriert und engagiert bei der Sache. Sie haben die Beatles-Werke so arrangiert, dass sie eben auf die Celli und die Klarinette zugeschnitten sind. Und ich, die solche Instrumentierung eher selten geniesst, staune schon beim ersten Stück «Yesterday»: Eine Klarinette stellte ich mir bis anhin eher als dominant, etwas überspitzt formuliert fast kreischend vor. Doch was ich hier zu hören kriege, sind sanfte, ganz leise Töne, die dazu führen, dass man ganz genau hinhören muss und so automatisch in die Musik eintaucht. 

Ich war der Meinung, die Beatles recht gut zu kennen. Aber in diesen Arrangements, ohne den Gesangstext dazu, erkannte ich zwar alle Melodien, aber irgendwie fehlten mir die Titel dazu. Unwichtig! Denn auch hier konnte ich mich so umso mehr auf die Töne konzentrieren, staunte, wie die Celli nicht nur gestrichen, sondern gezupft und geklopft werden, wie die Musiker so in ihrer Welt sind, um dann Sekunden später wieder mit einem Lachen auf Feidman zu reagieren. Dieser drängte sich nie in den Vordergrund, setzte Akzente und unterhielt zwischen den Stücken mit kurzen Geschichten und Statements zu den Beatles. 

Hinzu kommt dann für ein paar Stücke noch das Jerusalem Duo mit Hila Ofek an der Harfe und dem Saxofonisten André Tsirlin. Auch ihnen lässt Feidman Raum, stellt sie danach vor, macht Witze über das «jugendliche Alter» der Beiden, um sie dann wieder auf ihre Plätze zu schicken, mit den Worten: «Geht, geht... geht spielen!»

Das Konzert ist unterhaltsam, überraschend. Einmal bettelt Feidman richtiggehend «Darf ich noch einen Klezmer spielen?». Das Publikum jubelt begeistert und geniesst. Nach 90 Minuten geht das Konzert zu Ende, weil «Der Grossvater muss jetzt langsam ins Bett.» Gänsehaut-Feeling, als «Hey Jude» erklingt, der fast bis auf den letzten Platz gefüllte Saal aufsteht und mitsingt. Gänsehaut-Feeling, wie es irgendwie nur ein 84-Jähriger, gestandener Herzblutmusiker erzeugen kann. Danke Giora!

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