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Lucilia Mendes von Dänikens Kulturnacht-Tour

Unsere Bloggerin Lucilia Mendes von Däniken machte sich schon am Nachmittag auf die Tour - und beendete sie glücklich und kultursatt, als sich die Mehrheit erst auf den Weg machte.

«Aufgefallen»:
Peter Bichsel las im Buchhaus Lüthy seine Kindergeschichte «Ein Tisch ist ein Tisch». Untermalt wurde dieser Text mit Gesang, Tönen, Geräuschen vom Kinderensemble für Musik Solotutti. Bichsels Minenspiel zwischen all diesen Kindern war faszinierend.

«Umgefallen»:
Fast wäre mir dieser Auftritt durch die Lappen gegangen. Angekreuzt war er zwar im Programmheft, aber ich hatte ihn schon fast vergessen. Da die Kulturgarage aber auf meinem Heimweg lag, habe ich einen Spontanstopp eingeplant. Zum Glück: das Konzert der IG Störenkultur «Ginger & Fred stören mit dem Erfinder» war voller Überraschungen und Witz - und die «Instrumente» von Stefan Heuss ziemlich verrückt.
 
«Abgefallen»:
Auf sie hatte ich mich gefreut: Lesung mit Angelia Maria Schwaller im MAZ. Ihre Gedichte sind in Senslerdeutsch verfasst. Dieser Dialekt hat es mir angetan. Doch mit jedem von ihr gesprochenen Wort verstärkte sich in mir ein Gefühl: Beklemmung!
 
...und so war Lucilias Tour:
Punkte 14 Uhr ging es los, mit dem Bändeli am Handgelenk, dem Programmheft und dem Fotoapparat in der Tasche. Den ersten Block liess ich zugunsten von anderen Anlässen, die in Solothurn noch am Laufen waren, mal sausen. Zuerst kurz über den Kofmehl-Flohmi spazieren und dann ab mit dem Velo Richtung Gewerbeschulhaus zur Platten- und Pflanzentauschbörse. Gemütlich, aber nicht mehr viel los. Also noch rasch auf den Klosterplatz den Kulturnacht-Neulingen von «Kunst Begegnung Buchegg» einen Besuch abstatten. Das Team hat für die Kulturnacht zwei Musikformationen engagiert und einen Silberbus mit Bildern von diversen Kunstschaffenden bestückt. Klein, aber fein - oder wie das Motto ihrer Anlässe ist: «sïdefin». Kurz vor 15 Uhr reicht es noch für ein Stärkung beim «Le Schnauz» - und dann geht es richtig los.
1. Programmpunkt: Kindertheater im Naturmuseum. Die Geschichte «Dr Muuwurf mit em Gagi ufem Chopf» scheint nicht nur den Kleinen zu gefallen: Es hat auch diverse Erwachsene, die sich die Geschichte anschauen wollen. Livia Franz und Markus Maria Enggist schaffen es die Geschichte wirklich unterhaltsam umzusetzen. Für meinen Geschmack einen Tick zu langfädig - was dann auch dazu führte, dass ich das Naturmuseum schon vor dem Ende des Stückes verlassen musste, um rechtzeitig beim nächsten Anlass erscheinen zu können.
 
Dieser erwartete mich im UG im Buchhaus Lüthy. Da wo ich mich früher mit Kinderbüchern eingedeckt hatte. Dass Peter Bichsel auch Kindergeschichten geschrieben hat, habe ich erst vor ein paar Tagen erfahren. Und nun sitzt er da, inmitten einer Gruppe Kinder und wartet. Er hat seinen typischen Blick: Man hat das Gefühl, dass er in einer anderen Welt ist, wäre da nicht die Mimik, die ihn verrät. Plötzlich macht er Grimassen zu den Kids oder schmunzelt, wenn eines Flausen im Kopf hat. Dann erzählt er die Geschichte «Ein Tisch ist ein Tisch». Das Kinderensemble von «Solotutti» begleitet das Stück mit Geräuschen. Einer meiner Gänsehaut-Momente. Denn mir fiel plötzlich auf, dass ich Bichsel noch nie live gehört hatte. Nach der Geschichte wurde noch getanzt. Und plötzlich wirbelte auch Bichsel an den Händen von Kindern im Raum herum. Als ihn ein Kind fragte: «Hesch du würklech ou tanzt?», meinte er: «D Anna isch mi cho hole, de hani haut ou müesse!»
 
Als nächstes stand eigentlich eine Besichtigung des Hotels «La Couronne» an, aber folgendes Bild erwartete mich - und darum verzichtete ich auf die Besichtigung und ging weiter.
 
Ich wollte unbedingt Angelia Maria Schwaller und ihr Senslerdeutsch im Museum Altes Zeughaus hören. Doch zuerst las der in Biel wohnhafte Walliser Rolf Hermann seine Texte vor. Unterhaltsam und schelmisch - man musste sich etwas konzentrieren, um seinen Dialekt und somit den ganzen Text zu verstehen. Und dann Angelia Maria Schwaller. Ein Satz und ich merkte enttäuscht: «Ich habe sie auch schon mal gehört.» Leider empfinde ich sowohl ihre Kurzgedicht als auch die Vortragsweise als bedrückend. Schade. Simon Chen hingegen war dann wieder sehr frisch. Seine Wortspiele sind intelligent und voll Witz, sein Text über den Soledurner-Dialekt - «der einzige Dialekt, der zwei D's im Alphabet führt» - ein Volltreffer.
 
Danach war mein Kulturspeicher schon ziemlich gesättigt und ich machte mich auf den Heimweg, entschied mich aber unterwegs noch einen Halt in der Kulturgarage einzuschalten. Zum Glück: Das Konzert mit Ben Jeger (Kinderklavier, Akkordeon, Singende Säge, Pauke) sowie Shirley Hoffmann (Gesang, Akkordeon, Taschentrompete, Euphonium, Gartenschlauch, Stepptanz) war ein Highlight. Insbesondere die musikalischen Einlagen vom genialen Erfinder Stefan Heuss. Dieser machte aus Nähmaschinen, einer Kaffeemaschine, einer Blattsäge sowie einer Laubsäge, aus Schläuchen und Röhren Rhythmusinstrumente. Einfach genial - und der perfekte Abschluss meiner Kulturnacht, welche für andere zu diesem Zeitpunkt wohl noch kaum begonnen hatte.

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