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Ein Blick zurück mit der Kultur

Die Kulturregion Solothurn im Jahresend-Gespräch mit zmitz-Bloggerin Mirjam Staudenmann – über die Solothurner Kultur.

zmitz-Bloggerin Mirjam Staudenmann und die Kulturregion Solothurn verabreden sich für einen Blick zurück über die letzten zwölf Monate. Begegnung im Restaurant:

Mirjam (M): Hallo!

Kulturregion Solothurn (KS): Ciao!

M: Du bist fett geworden!

KS: Wie meinst du das?

M: Du bist fett geworden. 148 Blogs hat nur schon zmitz im Jahr 2016 über dich geschrieben. Das sind fast 3 pro Woche. Und das ist nur ein Bruchteil von dem, was bei dir abgegangen ist: Konzerte, Ausstellungen, Theaterproduktionen... die Auswahl ist riesig!

KS: Hmm.

M: Wenn ich aufs 2016 zurück schaue, sehe ich auf zmitz einen Adventskalender in welchem 24 kleinere und unbekannte Museen vorgestellt werden. Ich finde Beiträge über den Sommer in  der Region – vom Anlass in der «Rockstadt Grenchen» bis zum 15-jährigen Bestehen der Hafebar. Musik wurde 2016 auf zmitz diskutiert: Anna Känzig im Kofmehl und Eliana Burkis neue CD kamen nicht so gut weg, dafür war eine Begegnung mit einem Bandmanager der Strasse überraschend, ein Konzert von Baum «a perfect day» und die Musik von Elena Gerster «Flügel verleihend». Auch Theaterproduktionen wurden von verschiedenen Seiten beleuchtet: Am Boden wird nur dank der Hauptbesetzung in die Lüfte gehoben, dafür wurde dem Orientexpress eine für Solothurn ungewohnte Sinnlichkeit attestiert. Lesungen wurden rezensiert und im Fall von Thees Uhlmann sogar durch einen zmitz-Blogger selber organisiert. Bücher über Solothurn und von Solothurnern wurden gelesen und zum Teil verschlungen. Ausstellungen, die sprachlos machen, sind besucht worden, aber auch solche, die von Sympathie oder Minimalismus erzählen.

KS: Tönt doch gut, das Kulturjahr 2016. Was spricht bitte dagegen? Wieso bin ich fett geworden?

M: Kultur ist heute einfach da. Sie gehört dazu, zum guten Ton. In diesen 148 zmitz-Bloggs rief ein einziger zu Kulturförderung auf! Du wirst nicht mehr verlangt, du wirst kaum noch gefordert... Aber du wirst gefördert. Du bist für alle, du bist immer, du bist einfach da. Eben: Du bist fett.

KS: Was ist denn für dich Kultur? Wovon genau haben wir scheinbar alle genug? Wenn ich auf der zmitz-Website deine Antwort auf die Frage «Was ist Kultur für dich?» lese, dann bist du es, die antwortet: «Kultur ist...alles. Oder jedenfalls mehr als Szenen und Lokale.» Du bist es also, die sagt, dass ich alles bin!

M: (schweigt). OK, der Punkt geht an dich. Wie siehst du dich denn?

KS: Ja, ich bin alles. Aber ich bin auch das von innen-heraus-Geschaffene, aus eigener Kraft. Ich bin das Werdende, ich bin natürliches Wachstum. Und: Ich bin die Tat.

M: Das tönt ja alles schön und gut, wunderbar. Wie gedruckt. Aber wenn ich mich umschaue, dann bist du für mich immer mehr das Angeeignete, ein Besitz uns aller. Hier eine Produktion, da eine Idee – aber immer schön brav. Nicht zu verstörend, nicht zu sperrig. So, dass du immer passt, so dass wir dich immer als netten Teil von uns empfinden. Eben: als unseren Besitz.

KS: (überlegt lange). Wann hast du denn das letzte Mal eine kulturelle Veranstaltung besucht, die du nicht gekannt hast, die du einfach mal ausprobiert hast, die du unvoreingenommen und interessiert besucht hast ohne zu wissen, ob sie dir auch nur ein bisschen entsprechen würde?

M: Hmm, so spontan kommt mir der Besuch der Barfuss-Disco in den Sinn.

KS: Ich erinnere mich, hat dir nicht gefallen. Und die ist bereits fast zwei Jahre her. Sonst noch was?

M: (schaut ihre Blogs durch): Na ja, ich war noch bei der Bühne Burgaeschi.

KS: So ganz unvoreingenommen warst du da nicht. Aber ja, du warst positiv überrascht, es scheint dir etwas eröffnet zu haben. Den lassen wir gelten. Weiter...

M: (schweigt lange). Ich glaube, das war’s. Beim Rest war ich mir ziemlich sicher, dass es mir gefallen würde.

KS: (wird laut). Und wer ist jetzt hier fett geworden? Ich sagte ja bereits: Kultur ist natürliches Wachstum – und du verlangst genau auf deine Weise nach mir, so wachse ich nach. Wer genau empfindet mich denn nun als ihren Besitz? Wer will sicher gehen, dass ich zu ihr passe? Wer will sich nicht ins Ungewisse stürzen, sich nicht auf etwas sperriges einlassen müssen? Wer eignet sich mir an? (unterbricht sich und holt tief Luft) ... Ja, früher haben Menschen noch nach der Kultur geschrieen, haben sie gefordert. Heute haben wir es geschafft, dass für alle etwas dabei ist. Und du sitzt hier und beklagst dich? Ich und meine Vielfalt, ich und meine Schöpfer, wir können nichts dafür, dass du nur von deinem Teller frisst. Wenn du deine Spaghetti immer «alle vongole» isst, dann wirst du nie erfahren, dass sie «all’arrabbiata» scharf schmecken!  

M: (kleinlaut). Und worum sollen wir denn jetzt noch kämpfen?

KS: Ich darum, dass ich immer die aus mir gewachsene Tat bleibe. Und vor allem: Dass ich meine Vielfalt erhalten kann!

Kellner (unterbricht): Haben Sie bereits gewählt?

M: Für mich Spaghetti. All’arrabbiata!

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