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Mitreissendes für Mitreisende

Biberist. Freitagabend, 19.30 Uhr. Leute strömen in der Dunkelheit der Kirche zu. Im Innern beleuchten zwei Scheinwerfer den Raum unter Orgel und Kanzel. Eingeweihte holen sich Kissen. Es sitzt sich dann weicher.

Ungewöhnlich, diese Kulisse für einen Auftritt von Musique Simili mit ihrem Programm «Nomades». Ungewöhnlich auch der Titel der erfolgreichen Veranstaltungsreihe: «Die Kirche rockt».

Line Loddo, Juliette Du Pasquier und Marc Hänsenberger überraschen, indem sie ihr Konzert im Rücken des Publikums beginnen. So schreiten sie musizierend ganz nah an ihren Zuhörerinnen und Zuhörern vorbei. Man hört leises Klirren von Glöcklein an den Gewändern, bewundert Hänsenbergers roten Hut: Ein Bischof könnte so aussehen… Aber nein: Wir sitzen in der reformierten Thomas-Kirche in Biberist-Gerlafingen!

«Nomades», so der Titel des Programms. Die Begrüssung irritiert. Laut, eindringlich und in hoher Kadenz spricht Line Loddo auf das Publikum ein. Keiner versteht auch nur ein Wort. Die Sprache? Kaum zu identifizieren! Ausserdem hallt es im Kirchenraum. Line Loddo stammt aus dem Languedoc. Und dort spricht man Okzitanisch. Mit einem Augenzwinkern übersetzt Marc Hänsenberger den Wortschwall.

Nun hebt ein Sprachen-Feuerwerk an: Mehrstimmiger Gesang in virtuoser Begleitung durch Akkordeon, Violine und Kontrabass. Die Lieder entstehen oft auf einem ruhigen instrumentalen Klangteppich, aus dem sich allmählich in zunehmender Geschwindigkeit rhythmische Muster herausschälen und sich emporschwingen in den hohen Kirchenraum. Juliette du Pasquier ist eine wahre Zauberin ihrer Violine, und als sie ausnahmsweise den Kontrabass ergreift, geht auch das virtuos. Line Loddos raue, warme Stimme und ihre Bassbegleitung geben dem Ganzen Boden. Und Marc Hänsenberger, der Tausendsassa auf dem Akkordeon, wirkt auch bei den wildesten Läufen unspektakulär, beinahe unbeteiligt.

Zu diesen packenden Melodien scheinen mir die Gesichter der drei etwas ernst. Liegt es an der ungewohnten Umgebung? Ist es Routine? Musikalisch ausgefeilt, rhythmisch komplex und präzis, in horrendem Tempo und mit einer Leichtigkeit, - mitreissend.

Im Publikum ist man mitreisend. Mitreisend mit den «Nomades», die ihre Zelte immer wieder anderswo aufschlagen und für uns zu musikalischen Karawanenführern werden: mit rumänischen, irischen, ungarischen, kreolischen und italienischen Klängen… und als Überraschung auch mit einem Titel von Georges Moustaki.

Nach einer Stunde entlockt Juliette ihrer Violine Vogelgezwitscher, sie schaut hoch zur Decke. Und exakt in diesem Moment schlägt die Kirchenglocke. Zufall? - Da scheint jemand mit Vergnügen mitgehört und den Dialog aufgenommen zu haben!
Die Drübereingaben enthalten zirkusreife Artistik: schwer zu beschreiben, dass sich Violinen auch über Bogen ziehen lassen um Zuhörer zu entzücken.

Es hat für einmal nicht gerockt in der Kirche, diesmal hat es «gfägt»!

 

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