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Esel wie?!

Nichts mit Künstlernamen: Hazel Brugger heisst tatsächlich Hazel. Dass ein Kind, dessen Vorname wie «Esel» tönt, gemobbt wird, liegt auf der Hand. Dass dies aber auch Vorteile mit sich bringt, lernte zmitz-Bloggerin Mirjam Staudenmann gestern Mittwoch im Kofmehl. 

«Wenn sich Kinder über die Namen anderer Kinder lustig machen ist das toll – dann scheinen die gemobbten Kinder ansonsten ganz in Ordnung zu sein. Ein Arschloch-Kind würde sich wünschen, nur aufgrund seines Namens gemobbt zu werden.» So kann man die Dinge sehen. Und Hazel sieht einiges ein bisschen anders. Nicht immer komplett anders als andere Menschen, aber im Gegensatz zu ihnen spricht sie es aus: Dass Lehrer nicht an sich stinken, dass aber viele Menschen die stinken Lehrer werden. Oder dass Babys nicht an sich komisch aussehen. Wie ein Brot vielleicht, aber nicht an sich komisch.
 
Während sie so erzählt, von Todesfällen in Selecta-Automaten, von Schnäbis und Baby-an-Bord-Klebern an Familienwagen – von Dingen halt, die man sich so erzählt – lässt das Erzähltempo noch immer eigene Gedanken zu. Zum Beispiel wie viele Menschen im ausverkauften Kofmehl sitzen, die Hazel nicht von Poetry Slams (Poetry wie?!) sondern von der Magazin-Kolumne im Tages Anzeiger/Bund kennen (kann ein Durchschnittsalter von ca. 50 Jahren ein Indiz für eine Antwort sein?). Aber auch, wie es eine Person mit wenig Mimik, eher eckigen, sperrigen Bewegungen schafft, auf der Bühne elegant zu wirken. Macht also intelligenter Humor elegant?
 
Es scheint so. Hazels Gedanken sind genauso sperrig wie ihre Präsenz. Doch ist diese Sperrigkeit, Eigenwilligkeit und Kantigkeit genau das, was den Gedanken ihre Eleganz verleiht. Groteske Ideen werden grotesk zu Ende geführt – grotesk, nicht linear. Sie überraschen immer wieder, sind bitterböse, komisch und trotzdem voll mit Gefühl. Dazu braucht es keinen Künstlernamen.

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